Dark Easter Metal Meeting 2014 – Festivalbericht

Am Ostersonntag, dem 20. April fand in der Backstage in München das diesjährige Dark Easter Metal Meeting statt. Das Festival mit der Ausrichtung auf Black Metal lockte die Besucher mit elf Bands auf zwei Bühnen in die bayerische Landeshauptstatt.

Geboten wurden sowohl bekannte Größen des Genres als auch diverse Bands, die noch nicht jeder auf dem Radar hatte. Dieser Festivalbericht lässt das Dark Easter Metal Meeting Revue passieren.

Elf Bands an einem Tag und das ohne Überschneidungen. Dieses Vorhaben wurde in der Backstage mit Hilfe zweier Veranstaltungssäle realisiert. Die Halle stellte den einfacheren der beiden Säle dar, einen komplett abgedunkelten Konzertraum ohne größere Besonderheiten. Eine aufwändigere Umgebung bot hingegen das Werk. Hier verteilte sich der Zuschauerraum besucherfreundlich auf zwei Ebenen, darüber hinaus gab es auch Sitzgelegenheiten. Außerdem ließ das Werk im Gegensatz zur Halle auch Tageslicht hinein und hatte generell die besseren Lichtverhältnisse. Kein Wunder also, dass hier später auch Headliner Triptykon auftreten sollten.

Organisatorisch war die Spielfolge der Bands so geregelt, dass das Ende der Spielzeit einer Band immer mit dem Beginn des Auftritts der nächsten Band zusammenfiel. Wer sich flink zwischen den beiden Konzertsälen hin- und herbewegte, konnte sich theoretisch also den gesamten Tag lang beschallen lassen ohne Pausen in Kauf nehmen zu müssen.

Den Anfang des Dark Easter Metal Meetings machten pünktlich um 15:30 Uhr Wraithcult. Vor den noch etwas lichten Reihen der Halle spielte die Gruppe klassischen Black Metal. Der ist bei Wraithcult meistens in gemäßigtem Tempo gehalten und wagt nur selten Ausflüge ins Schnelle. Als sehr klassisch ausgerichtete Band boten Wraithcult zwar keine Überraschungen oder stilistischen Besonderheiten, lieferten aber eine ordentliche Show und erhielten auch durchaus positive Publikumsreaktionen. Als Eröffnungs-Band ging die noch recht wenig bekannte Gruppe auf jeden Fall voll in Ordnung.

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Zwei Sets und einige widrige Umstände: Eïs

Deutlich bekannter sind Eïs, die eine ungewöhnlich frühe Auftrittszeit als zweite Gruppe des Tages beziehungsweise erste Gruppe im Werk hatten. Darüber war die Band nicht ganz glücklich, zumal einige deutlich weniger bekannte Künstler merklich bessere Auftrittszeiten hatten. Doch was soll es: Die Band, die früher mal als Geïst bekannt war, enterte mit Intro und „Mann aus Stein“ die Bühne. Der Auftritt der Gruppe war zunächst jedoch von einer unbefriedigenden Abmischung begleitet. Man hätte etwas mehr Schlagzeug benötigt und auch die elektronischen Elemente waren zu leise.

So kommt in „Mann aus Stein“ eigentlich das Sample eines Glockenspiels vor – davon hörte man jedoch wenig bis gar nichts. Es dauerte mehrere Lieder lang bis hier endlich Besserung eintrat und man auch Samples wie Windgeräusche hören konnte. Im Laufe des Auftritts wurden dann auch die Publikumsreaktionen besser. Bis hierher wurde die Band zwar mit Applaus bedacht, Begeisterung sieht aber anders aus. Nach „Durch lichtlose Tiefen“ als vorläufig letztem Stück brandete dann endlich einmal Jubel auf. Hiernach verließen Eïs kurz die Bühne und kehrten kurz darauf in weißen Eismalsott-Shirts zurück. Vor kleinerem Publikum spielten sie nun ihr vorher angekündigtes, kürzeres Eismalsott-Set. Das kam trotz dem kleineren Publikum ausgesprochen gut an, sodass Eïs ihren Auftritt mit „Weißblendung“ doch noch zu einem guten Ende führen konnten.

In der Dunkelkammer, pardon, der Halle lieferten ab 17:15 Uhr nun Mor Dagor druckvollen Oldschool Black Metal. Im Gegensatz zu den ebenfalls klassischen Wraithcult standen Mor Dagor aber für Hightempo und Blastbeat-Gewitter am laufenden Band. Die Band lieferte eine sehr energiegeladene Show, die gut beim Publikum ankam. Auch gelegentliche Showelemente wie ein brennender Säbel in der Hand des Sängers versprühten 90er-Jahre-Fair und sorgten dafür, dass Freunde der alten Schule voll auf ihre Kosten kamen.

Komplexer und tiefgründiger ging es im Werk ab 17:55 Uhr mit der Musik von Fäulnis weiter. Die Hamburger Mischung aus Black Metal, Rock und Feinrippunterhemd begann ihr Konzert mit einem langen Instrumentalteil bevor der Gesang einsetzte. Dem folge dann ein theatralisch gesprochener Textvortrag als Zwischenteil, bevor das erste Lied dann nach ganzen 15 Minuten sein Ende fand. Erst nach einer viertel Stunde hatte das Publikum also zum ersten Mal Gelegenheit zu applaudieren – und sofort brandete Jubel auf. Fäulnis erhielten großen Zuspruch, bei eingängigen Liedern wie „Weil wegen Verachtung“ ging die Menge richtig mit.

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Umjubelt trotz gekürztem Auftritt: Fäulnis

„Weil wegen Erkältung“ – der Kalauer sei mir erlaubt – wäre auch nicht ganz unpassend gewesen. Eine eben solche hatte nämlich Sänger und Bandkopf Seuche erwischt. Aufgrund dessen kürzten Fäulnis ihren Auftritt und kamen 15 Minuten vor Ende der ihnen zugedachten Spielzeit zum Ende. In der Quantität musste man bei Fäulnis also Abstriche machen, nicht aber in der Qualität. Die Band lieferte einen ausgesprochen guten, wenn auch gekürzten Auftritt, der ebenso gut beim Publikum ankam. Nach „Weiße Wände“ als letztem Stück verabschiedeten sich Fäulnis unter dem großen Applaus der Anwesenden.

Zurück in der Halle ging es pünktlich um 19:00 Uhr mit Root weiter. Diese Band sparte ganz offensichtlich nicht an Klischees. So übte sich ihr Sänger mit Gehstock, Mantel und Pentagramm in der Optik eines Hexenmeisters, auch Liedtitel wie „E Nomine Satanas“ versprachen die mustergültige Erfüllung von 90er-Klischees. Nun war aber die Überraschung, dass genau das musikalisch eben nicht passierte. Root zeigten sich nicht als Oldschool-Black-Metal-Band, sondern als eine der melodischsten des Festivals.

So gaben Root einen ruhigen, groovigen Sound mit wenigen Blasbeats zum Besten. Hierbei setzte die Gruppe auch Klargesang ein, was ebenfalls eine Randerscheinung auf dem Dark Easter Metal Meeting war. Die Publikumsreaktionen jedenfalls waren positiv, wenngleich sich niemand in Euphorie versetzt fühlte.

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Vergleichsweise ruhig: The Ruins Of Beverast

Realtiv ruhig ging es ab 19:50 Uhr auch im Werk zu. Dort traten nämlich The Ruins Of Beverast vor die Menge. Das Markenzeichen der Band sind lange Lieder und Downtempo, man kann teilweise von Doom-Metal-Einflüssen sprechen. Hiermit waren The Ruins Of Beverast stilistisch natürlich nicht jedermanns Sache, hatten aber durchaus ihre Fans unter den Festivalbesuchern.

Der Großteil der Konzertgäste brach nicht gerade in Begeisterungsstürme aus, zollte The Ruins Of Beverast aber dennoch Applaus. Mit der Zeit konnte die Band immer mehr Besucher für sich einnehmen und erhielt bei ihrem Abschied um 20:40 Uhr dann ordentlichen Zuspruch.

Lebhafter ging es anschließend bei Thulcandra zu, die mit Schwaden von Bühnennebel die Halle zur Räucherkammer machten. Den Stil der Band kann man als geradlinigen, gitarrenlastigen Melodic Black Metal bezeichnen. Ihre eingefleischten Fans in der ersten Reihe waren schon vom ersten Ton an nicht mehr zu bändigen, doch auch beim übrigen Publikum kam die Truppe gut an.

Mit Liedern wie „Fallen Angels Dominion“ oder „Black Flags of Hate“ gelang es Thulcandra, die Menge immer mehr mitzureißen. Insgesamt zeigte sich die Band gut aufgelegt und lieferte einen wirklich gelungenen Auftritt ab.

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Rissen die Menge mit: Agrypnie

Ab 21:30 Uhr trafen dann Agrypnie im Werk auf ein Publikum, das von Anfang an voll mit dabei war und sich mitunter sogar als sehr textsicher herausstellte. Bei „Zorn“ zum Beispiel sangen viele nach Kräften mit. Ganz offensichtlich standen Agrypnie mit ihrem anspruchsvollen, deutschsprachigen Black Metal bei den Festivalbesuchern hoch im Kurs. Die Stimmung jedenfalls war sehr gut, die Menge ging durchgehend gut mit und das Werk war voll wie nicht immer an diesem Tag.

Nach 50 Minuten Spielzeit klang das Konzert mit dem langen Instrumentalteil des letzten Liedes „Trümmer / Aetas Cineris“ aus. Neben großem Beifall wurden aus dem Publikum nun sogar Zugabe-Rufe laut – eher die Ausnahme an diesem Festivaltag. Die waren jedoch eher symbolischer Natur, denn das Konzept der aneinander liegenden Spielzeiten lies natürlich keine Überziehungen zu.

So markierte das Ende des Agrypnie-Konzertes gleichzeitig den Beginn des Auftritts von Sear Bliss. Die Band aus Ungarn, die nun die Halle bevölkerte, dürfte den meisten Festivalbesuchern noch kein Begriff gewesen sein, konnte sich nun aber dennoch über einen vorteilhaften Platz in der Spielfolge freuen.

Sear Bliss lieferten den Anwesenden im Midtempo gehaltenen Black Metal mit – Achtung – Zugposaune! Ihr Sound fiel insgesamt zwar nicht allzu abwechslungsreich aus, war durch die Zugposaune aber markant und hatte auch einen gewissen Skurrilitätenbonus. Beim Publikum jedenfalls kam diese Mischung gut an.

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Souveräner Headliner: Triptykon

Für 23:10 Uhr waren dann im Werk Triptykon als Headliner angekündigt. Die Gruppe um Thomas Fischer, die quasi Nachfolge-Band von Celtic Frost ist, verspätete sich jedoch um zehn Minuten. Vor der Bühne sehnten ihre Fans die Band bereits herbei. Als Triptykon dann mit Intro und „Visions Of Mortality“ auf die Bühne traten, bereitete ihr das Publikum einen schwungvollen Empfang. Auch bei Triptykon, deren Stil man am ehesten als mäßig harten Black Metal mit Einflüssen verschiedener anderer Metal-Gernes bezeichnen kann, zeigten sich die Fans mitunter textsicher und sangen gerne mit.

Nach drei Liedern begrüßte Sänger Fischer die Fans und wünschte „guten Abend und frohe Ostern!“. Seine Feststellung „es ist schön für den Herrgott zu spielen“ sollte man wohl nicht für bare Münze nehmen. Weiter im Programm ging es unter anderem mit „Tree Of Suffocating Soul“, „Altar Of Deceit“ und „Messiah“. Die Publikumsreaktionen während der insgesamt einstündigen Show waren durchgehend gut. Triptykon konnten sich einiger treuer Fans unter den Festivalbesuchern gewiss sein – und deren Zahl nahm mit dem gelungenen Auftritt sicher nicht ab.

Quasi als „Rausschmeißer“ nach dem Headliner luden nach Mitternacht Negator zum letzten Mal in die Halle ein. Um keine Überschneidung mit dem etwas zu spät gestarteten Headliner zu haben, starteten Negator ein wenig später als geplant, legten dann aber gleich richtig los. Die Band mit der Intensität eines Presslufthammers zog ihre Setliste sehr zielstrebig und ohne große Ansagen durch, teilweise ließ die Gruppe auch Lieder ineinander übergehen.

Ihr sehr harter, druckvoller, fast immer schneller und nur bedingt melodischer Black Metal war genau das richtige, um sich zum Schluss des Festivals noch einmal müde zu machen. Dieser Einladung folgten auch noch genügend Besucher, sodass es in der Halle auch nach dem Headliner noch recht voll wurde. Mit Negators schwungvoller Show, die bei den Dagebliebenen guten Anklang fand, ging das Dark Easter Metal Meeting dann auch zu Ende.

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Vollgas zum Abschied: Negator

Insgesamt zeigte sich das Festival als zweifellos sehenswerte Veranstaltung, die von Oldschool-Bands bis hin zu modernen, anspruchsvollen Gruppen eine hohe Bandbreite des Black-Metal-Genres abbildete. Einen guten Job machte dabei nicht zuletzt auch die Organisation, die es schaffte, dass das Festival trotz der Vielzahl an Bands weitgehend im Zeitplan blieb.

Abgerundet wird das Bild des erfolgreichen Dark Easter Metal Meeting durch die insgesamt doch recht hohe Zahl an Besuchern, die von nah und fern zu dem lohnenden Festivaltag angereist waren. Weiter so!

 

Bericht: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de