Lyfthrasyr – Interview

Nachdem das aus Karlsruhe stammende Melodic-Black-Metal-Trio Lyfthrasyr
mit „The Recent Foresight“ sein zweites Album veröffentlich hat, bot
sich nun für uns die Gelegenheit zu einem Interview mit der Band.

Zu diesem Zweck beantwortete uns Gitarrist Insorior einige Fragen.

Viel Spaß beim Lesen!

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Hallo Insorior!

Was bedeutet euer Bandname Lyfthrasyr?

Der Name Lyfthrasyr entstammt der nordischen Mythologie. Dort wird von der Apokalypse, dem so genannten „Weltenbrand“, geschrieben, den nur zwei Menschen überlebt haben. Der männliche Part trägt den Namen „Lifthrasir“, was wir namentlich leicht adaptiert zu unserem Bandnamen gemacht haben, weil es den Neubeginn und auch allgemein etwas Neues symbolisiert.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Black-Metal-Bands seid ihr lediglich drei Bandmitglieder. Habt ihr schon mal daran gedacht, die Bandbesetzung zu erweitern und somit Instrumente doppelt zu besetzen oder kommt ein Abgang von eurer Dreierbesetzung nicht in Frage?

Eigentlich hat sich diese Dreierbesetzung bisher sehr gut bewährt, da jeder momentan eine klare Verantwortung hat und jeder weiß, wer für was zuständig ist. Natürlich haben wir auch schon darüber nachgedacht, uns noch etwas Verstärkung für die Bühne zu holen. Da wird sich die nächsten Wochen aber sicher nichts tun. Wir werden diese Überlegung aber im Hinterkopf behalten und das bei Gelegenheit noch mal diskutieren.

Vor kurzem ist euer neues Album „The Recent Foresight“ erschienen. Was war die größte Hürde, die ihr im Entstehungsprozess des Albums nehmen musstet?

Es gab für uns zwei große Herausforderungen:  Wir wollten zum einen nicht noch mal die gleiche Platte machen sondern auch neue Elemente einbringen. Zum anderen haben wir ein Tour-Angebot mit Behemoth und Kataklysm bekommen, das wir unmöglich ablehnen konnten. Da wir die Platte aber unbedingt vor der Tour fertigmachen wollten, hatten wir im Sommer einen sehr ehrgeizigen Zeitplan, der uns einige schlaflose Nächte abverlangt hat. Im Nachhinein sind wir aber sehr froh und auch ein wenig stolz, dass alles ohne größere Probleme geklappt hat.

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Gibt es Dinge, die ihr bei den Arbeiten an „The Recent Foresight“ bewusst anders angegangen seid als beim vorhergegangenen Album?

Eigentlich fast alles… Wir haben beim Songwriting Wert auf kompaktere Arrangements gelegt, also keine zwei-Minuten-Intros oder weniger Wiederholungen, um die Lieder einfach noch mehr auf den Punkt zu bringen. Der Gesang sollte im Vergleich zum Vorgänger deutlich tiefer und Death-Metal-lastiger werden, weil das Aggreashs beste Stimmlage ist und die Vocals optimal zur Geltung kommen lässt. Die Keyboards haben denke ich die größte Entwicklung durchgemacht. Sie sind deutlich experimenteller, vor allem haben wir uns komplett von den fünf Standart-Keyboard-Sounds verabschiedet, die auf jeder zweiten Dark- und Black-Metal-Platte zu hören sind. Dafür haben wir diesmal mehr elektronische Elemente und aufwendige Chor- und Orchestersamples verwendet. Auch beim Recording und der Produktion hat sich sehr viel getan. Die Drums sind echt, also nicht mehr vom Computer, und wir haben den Mix dieses Mal nicht selbst gemacht, sondern unsere Songs in die Hände von Fredrik Nordström vom Göteborger Studio Fredman gegeben, was sich als sehr gute Wahl herausstellte.

Mit welcher Band würdet ihr musikalisch gerne einmal kooperieren?

Also im Sinne von einen Song mit einer anderen Band zusammen machen, kann ich mir das momentan bei uns nicht vorstellen, denn Lyfthrasyr ist einfach sehr eigen, was nicht heißt, dass wir als Musiker – also unabhängig von Lyfthrasyr – nicht mit anderen Leuten arbeiten können oder wollen. Es gibt aber natürlich Bands, mit denen wir mal ein Konzert oder Festival spielen wollen würden. Mir würden da Wintersun oder Dimmu Borgir einfallen, wobei Skytorian und Aggreash da sicher andere Favoriten haben…

Wohin möchtet ihr mit eurer Musik gerne mal reisen?

In Europa sind wir gerade ganz gut herumgekommen, was wirklich sehr interessant war. Amerika wäre natürlich wirklich toll und Japan wäre für mich am spannendsten, da es einerseits eine komplett andere Kultur ist und zum anderen weil deutscher Metal in Japan sehr gefragt ist.

Seit einiger Zeit kommt es immer wieder dazu, dass sich einige Black-Metal-Bands am rechtsextremen Rand ansiedeln und umgekehrt Rechtsextreme gezielt den Black Metal als Plattform zur Verbreitung rassistischer und nationalsozialistischer Gedanken nutzen. Wie wirkt diese Entwicklung auf euch? Wie ist eure Position zu solchen Vorgängen?

Lyfthrasyr war schon immer unpolitisch und wird das definitiv auch bleiben. Unsere Texte klammern politische, aber auch religiöse Themen bewusst aus, außerdem distanzieren wir uns von allen extremistischen Positionen. Glücklicherweise haben wir bei unseren Shows aber bisher fast ausschließlich Leute kennen gelernt, die mit Rechtsextremen ebenso wenig zu tun haben wie wir.

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 Insorior, Gitarrist von Lyfthrasyr

Wenn ihr die Wahl hättet, würdet ihr von eurer Musik leben wollen oder Lyfthrasyr lieber neben dem Berufsleben weiterführen?

Der Gedanke, den ganzen Tag Zeit zum Musik machen zu haben, ist natürlich sehr verlockend. Das Problem ist aber, dass man sich sehr unter musikalischen Erfoglsdruck setzt, wenn man Musik als Beruf wählt, und vor allem auch seine künstlerische Freiheit einschränkt. Wenn man von dem Geld leben muss, dann muss man eben unter Umständen auch mal komerziellere Musik machen, als man eigentlich möchte. Diese Vorstellung missfällt mir. Insofern sind wir mit unserer Situation momentan wirklich zufrieden.

Möchtet ihr zum Schluss unseren Lesern noch etwas sagen?

Wir hoffen, euch gefällt „The Recent Foresight“ und man trifft sich bald auf einem unserer Konzerte oder einfach auf Myspace (www.myspace.com/Lyfthrasyr).

Vielen Dank für das Interview!

 

Interview: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de