Wacken Open Air 2013 – Festivalbericht

Jahr für Jahr sehen tausende Metal-Fans dem größten Metal Festival der Welt entgegen. Bewaffnet mit Zelt, Bier und Gummistiefeln ziehen sie am ersten Augustwochenende in Scharen nach Wacken. Auch in diesem Jahr kam wieder der Großteil der Festivalbesucher auf seine Kosten. Schon seit September 2012 war das Festival ausverkauft. 75.000 Besucher machten das Wacken-Wochenende auch in diesem Jahr wieder einmal unvergesslich.

Einen Eindruck vom Festivalgeschehen hält dieser Bericht fest.

Selbst wenn man nur einen kleinen Teil des Lineups mitbekommen hat: Beim Wacken Open Air wird für jeden etwas geboten. Zum 24. W:O:A waren erneut zahlreiche Größen vertreten, darunter Rammstein, Subway to Sally, Doro, Anthrax und sogar Legenden wie Alice Cooper, Deep Purple und Motörhead.

Alle fanden sie Platz auf den zahlreichen Bühnen, die das W:O:A zu bieten hat. Das war in diesem Jahr auch nicht so schwierig, denn die großen Hauptbühnen, Black Stage und die True Metal Stage wurden vergrößert. Das heißt mehr von allem: Mehr Platz, mehr Licht, mehr Pyrotechnik und auch mehr Action!

Das konnte man nicht nur sehen sondern auch spüren, denn nicht nur platztechnisch wurde aufgerüstet, auch vom Sound her hat sich das Festival vergrößert. Wer das Glück hatte bei Rammstein, Alice Cooper oder ASP relativ weit vorne zu stehen, konnte jeden einzelnen Bassschlag bis in die Zehenspitzen fühlen. Nun werden natürlich die Meinungen auseinandergehen, ob dies nun wirklich ein Fortschritt ist oder nicht. Schließlich sind Hörschäden und Kopfschmerzen nur zwei der möglichen Folgeschäden, die bei solch immensem Druck entstehen können.

Mit ausreichendem Gehörschutz kann man jedoch mit Fug und Recht behaupten: Der Sound war großartig! Technisch störungsfrei konnte das ganze Wochenende durchgespielt werden. Einzig verwirrend war die Neuheit der Fluchtdurchsagen. So kann es Donnerstags morgens auf einem leeren Infield schon fragwürdig herüberkommen wenn plötzlich zu hören ist „Aufgrund technischer Störungen muss der Auftritt unterbrochen werden, bitte verlassen Sie das Gelände!“. Ebenso verwirrt waren die Besucher am Samstagmittag als eine Unwetterwarnung zwischen zwei Auftritten beschallt wurde und die Gäste ebenfalls zum Aufbruch bat. Es dauerte einige Zeit bis die Angelegenheit aufgelöst wurde und auch der letzte Besucher verstanden hatte, dass es sich hierbei nur um eine Übung handelte.

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Einer der Wacken-Altstars: Doro Pesch

Keine Übung war leider die Störung im Programmablauf bei Motörhead. 30 Minuten lang gab der Frontmann Lemmy alles um Wacken erfolgreich zum Beben zu bringen. Nach dieser halben Stunde musste er das Konzert dann aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Gerüchten zu Folge wird dies wohl der letzte Auftritt der Gruppe Motörhead gewesen sein. Schon zuvor hatte Lemmy die Warnungen in den Wind geschlagen, die ihm rieten, den Auftritt auf dem Wacken Open Air von vorne herein sein zu lassen. Man darf also auf die aufkommenden Diskussionen gespannt sein, warum Lemmy überhaupt auf Wacken aufgetreten ist – obwohl bereits eine Tournee abgesagt worden war. Dennoch dankten die Fans auf Wacken Lemmy für eine rauschende halbe Stunde. Wir wünschen an dieser Stelle eine rasche Genesung.

Für eine Überraschung der anderen Art sorgte am Donnerstag Till Lindemann, der Frontmann von Rammstein, in zweierlei Hinsicht. Zum einen sprach er zum Publikum, was nicht unbedingt bei jedem Rammstein-Konzert üblich ist. Zum anderen hatte er auch noch einen Ehrengast dabei – Heino! Eben dieser Heino, um den sich Anfang des Jahres alles drehte als er seine neue Pop/Rock-Coverplatte auf den Markt geworfen hatte. Auch auf Wacken teilten sich die Meinungen. Die eine Seite jubelte, die andere pfiff. Beschämend waren hingegen nicht die Pfiffe, sondern das Benehmen eines Besuchers, der während des gesamten Duetts Heinos Kopf auf der Leinwand mit einem Laserpointer anvisierte, um seinen Standpunkt darzubringen.

Eine Umfrage von uns nach dem Konzert bestätigte aber: Das Duett von Heino und Lindemann beim Lied „Sonne“ kam bei den meisten Zuschauern sehr gut an. „Ich spreche Heino meinen Respekt aus! Dass er den Mut aufbringt, sich dem kritischsten Metal-Publikum der Welt stellt und so souverän die Show durchzieht hat nicht Pfiffe, sondern Anerkennung verdient!“, befand Markus P., 35 Jahre alt. Nur einige Junge Metalheads waren da anderer Meinung, so zum Beispiel Phillip W., 19 Jahre: „Heino soll da bleiben wo er hingehört. Im Altersheim. Er hat beim Rock und beim Metal nichts verloren.“ Einen Wermutstropfen zum Auftritt von Rammstein und Heino gibt es noch: Aufgrund der strengen Auflagen seitens Rammstein sehen wir uns leider gezwungen, unsere Fotos ihrer Show nicht zu veröffentlichen.

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Abseits der Bühnen bot sich ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm

Keine merkwürdigen Auflagen, aber dafür ein freches Mundwerk hatte ein weiterer bekannter Headliner im Gepäck. Die Rede ist von Alexander Spreng, dem Frontmann von ASP, der zur Erheiterung der Besucher den anwesenden Fernsehsender ZDFKultur aufs Korn nahm. So erkannte Spreng in den Aufzeichnungen vieler Wacken-Konzerte durch den Fernsehsender eine endlich mal sinnvolle Verwendung der GEZ-Gebühren. Weiter animierte er das Publikum zum Rufen des einen oder anderen Schimpfwortes, das man seiner Ansicht nach im Fernsehen nicht mehr sagen dürfe. Nachdem einige Male fi**** mit gefühlten 2.000 Dezibel in Richtung Bühne schmetterte, gab er sich zufrieden. Lockere Sprüche und Frotzeleien ist man von Spreng ja gewohnt – auch als Fernsehaufklärer hat er definitiv Unterhaltungswert.
Als letztes möchte ich noch auf Alice Cooper zu sprechen kommen. Etwas wie den Auftritt des Altrockers hat man wirklich selten erlebt. Über eine Stunde tanzte, hüpfte, sprang, rannte und sang sich Alice von links nach rechts und brachte das Infield buchstäblich zum Beben. Vor dem Auftritt noch von einigen als Metalgruftie beschimpft, begeisterte er jeden, der die Chance wahrnahm ihn auf der Bühne zu sehen. Alice Cooper steht damit trotz seines fortgeschrittenen Alters im krassen Gegensatz zu Lemmy von Motörhead. Den krönenden Abschluss brachte „Another Brick in the Wall“, welches wirklich jeder kannte und das Publikum auch großflächig zum Mitsingen animierte.

Musikalisch war Wacken 2013 alles in allem spitze, doch es gibt ja nicht nur Musik auf dem W:O:A. Natürlich darf man auch Wackinger Village nicht vergessen, das die Besucher bei bestem Wetter zu ausgiebigen Shoppingrunden einlud. Auch in diesem Jahr präsentierten sich wieder mittelalterliche Vereine, welche den Besuchern die Schmiedekunst näher brachten. Die Wasteland Warriors zeigten allen, was man aus Schrott so alles basteln kann und präsentierten sich freizügig im abgesperrten Wasteland. Auch Kämpfe wurden ausgetragen und belustigten das Fußvolk mit tollen Choreografien und Lichteffekten. Bruchenball durfte natürlich auch nicht fehlen und in mehrere Turniere wurden auch – mal mehr und mal weniger freiwillig – die Besucher mit einbezogen.

Der Verein, der die Bruchenballspiele organisierte, lieferte auch einen erstklassigen Auftritt mit spannenden Schwertkämpfen. Eine interessante Geschichte gepaart mit besagten Kämpfen hielten die Besucher über eine halbe Stunde lang in ihrem Bann.

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Volles Haus auf Wacken

Organisatorisch gibt es vom diesjährigen W:O:A nicht viel zu berichten. Für die Besucher gab es keine wirklich nennenswerten Vorkommnisse im Programmablauf, allein die Organisation hinter den Kulissen hätte ein wenig besser funktionieren können – so zum Beispiel  die Einteilung der Parkplätze für Presse und Co. Leider überschatten auch dieses Mal einige Vorfälle das Festival. Wie bereits berichtet gab es den Todesfall eines 52 Jahre alten Mannes. Laut DRK wird als Todesursache Herz-Kreislauf-Versagen vermutet. Der Mann wurde am Freitagmorgen tot in seinem Zelt aufgefunden. Fremdeinwirkung wird in diesem Fall ausgeschlossen. Weiterhin gab es einen Unfall mit einer Gaskartusche an, bei dem sich ein Wacken-Besucher schwere Verbrennungen zuzog und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Auch sind unsere Gedanken bei einem Kollegen von der Presse, der bei Aufnahmen eines Wrestling-Kampfes von einem Wrestler, welcher aus dem Ring flog, getroffen und verletzt wurde. Nach Aussagen auf der Pressekonferenz erlitt er eine Lendenwirbelstauchung und eine Gehirnerschütterung,  befindet sich aber schon wieder auf dem Wege der Besserung.

Mein Fazit für das W:O:A 2013: Tolles Wetter, super Musik und bestgelaunte Gäste. Ein Festival wie es im Buche steht – mit Crew-Mitglieder voller Elan und Begeisterung bei den Festivalbesuchern. 2014 ist es dann an der Zeit für das 25jährige Jubiläum des Wacken Open Air. Wenn alles so weitergeht, kann da nicht viel schiefgehen.

 

Bericht: Stefan Rüstig

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