Eihwar stehen für einen sehr eigenen Crossover aus frühzeitlich angehauchter Fantasie-Folklore und moderner elektronischer Musik. In seiner vergleichsweise kurzen Bandgeschichte hat das französische Duo durchaus schon einige Bekanntheit erreicht. Hierfür sorgten eine ganze Reihe an Festivalauftritten und auch das gelungene Debütalbum „Viking War Trance“ aus dem Jahr 2024.
Am 13. März erscheint nun Eihwars zweites Album „Hugrheim“. Zeit für unsere Rezension!

„Hugrheim“ enthält zehn Lieder mit einer Gesamtspielzeit von 40 Minuten. Abgesehen von kurzen englischsprachigen Einwürfen in „The Lake Of The Dead“ ist das gesamte Album in einer Fantasiesprache gehalten. Stichwort Fantasie: „Hugrheim“ ist der Name, den die von Eihwar erdachte Welt in ihrer bandeigenen Mythologie trägt.
Dem Booklet liegt sogar eine Landkarte von „Hugrheim“ bei, die ohne weiteres auch aus einem Computerspiel stammen könnte. Und in der Welt von „Hugrheim“ haben die Texte des Albums durchaus eine Bedeutung, auch wenn es keine wörtliche Übersetzung gibt.
So wird im Booklet zu jedem Lied erklärt worum es eigentlich geht. Da steht dann beim Lied „Skuggaríki“ zum Beispiel: „Skuggaríki ist die Unterwelt von Hugrheim, Heimat böser Wesen“.
Ich finde, Eihwar gehen mit der ganzen Fantasiegeschichte einen ehrlichen Weg. Es gibt vergleichbare Bands, die versuchen, ihrem Werk eine irgendwie historische Komponente anzudichten. Meistens ist das sehr weit hergeholt und basiert auf wenigen Textfragmenten irgend einer altertümlichen Quelle. Eihwar sagen dagegen von vorne herein: Das was wir machen ist Fantasie. Und das finde ich sauber.
Musikalisch setzen Eihwar den Weg des Debütalbums konsequent fort. Da sind die charakteristischen Trommelschläge, die wie elektronische Beats eingesetzt werden und sich als roter Faden durch das ganze Album ziehen. Da sind die beiden kontrastreichen Gesangsstimmen: Hauptsächlich Asrunn mit ihrem sehr zarten Gesang, unterstützend auch Mark mit seinen sehr tiefen Einwürfen.
Außerdem sind da die synthetische Komponente im Hintergrund und natürlich der breite folkloristische Überbau. So permanent die (Trommel-)Beats in fast jedem Lied auftauchen, so unterschiedlich sind hingegen die Folk-Instrumente. Mal hört man eine Art Drehleier, mal Flöte, Harfe oder verschiedene Lauteninstrumente.
Ob auch nur ein einziges der Instrumente tatsächlich gespielt wird oder der gesamte Folk-Teil elektronisch erzeugt wurde? Ich weiß es beim besten Willen nicht. Das Ergebnis geht aber wirklich gut rein.
Einen hohen Wiedererkennungswert hat das Klangbild bei diesem Konzept ja sowieso. Es ist aber auch wirklich gut umgesetzt worden. Die Melodien sind einnehmend, die Beats haben einen fast schon hypnotischen Charakter. Durch die Vielfalt an Folk-Instrumenten wird außerdem ein hohes Maß an Abwechslungsreichtum geboten.
Drei Mal wird das Beat-Feuerwerk übrigens auch unterbrochen: „Skuggaríki“ besteht nur aus Flüstern und Samples. „The Lake Of The Dead“ ist ein gesprochener Textvortrag vor dem Plätschern einen Sees – praktisch wie ein kurzes Hörspiel. Und die Neuauflage von „Berserkr“ ist eine Akustikballade, bei der Asrunn völlig trommelfrei zur Gitarre singt.
Diese drei Stücke sind Geschmackssache. Man kann sie als zusätzliche Abwechslung begrüßen. Man kann aber auch die Meinung vertreten, dass sie den ansonsten auf Beats beziehungsweise Trommeln aufgebauten Flow des Albums unterbrechen. Doch auch wenn man zu letzterem neigt: Dem guten Gesamteindruck des Albums tut das keinen Abbruch.
Fazit
Mit „Hugrheim“ gelingt Eihwar ein hörenswertes zweites Werk, das dem Debütalbum in nichts nachsteht.
Punkte: 8 / 10
Rezension: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de