In Extremo – Sängerkrieg

In Extremo ist die bekannteste und erfolgreichste aller Mittelalter-Rock- und Mittelalter-Metal-Bands und ein Mitbegründer des Genres.

Am heutigen Freitag, dem 9. Mai 2008, ist nun mit „Sängerkrieg“ das mittlerweile neunte Studioalbum der Band erschienen.

Ob sich die Wartezeit auf die lang ersehnte Veröffentlichung gelohnt hat, verrät diese Rezension.

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Das 14 Lieder umfassende Album mit einer Gesamtspielzeit von gut 55 Minuten
beginnt mit dem Stück „Sieben Köche“. Das Lied stellt eine rockiges,
textlich nicht sehr anspruchsvolles Feier-Stück dar. „Eins, zwei, eins,
zwei, eins, zwei, drei, sieben Köche kochen Brei. Die Moral wie edler Wein,
wohl bekomms, wir laden ein.“
heißt es dort. Man hat von In Extremo
schon anspruchsvollere Texte gehört.

Im Anschluss ist das für das Album titelgebende Stück
„Sängerkrieg“ zu hören. Ein durchaus eingängiges Stück, an dem sich
aber auch gut eine gewisse, sich durch das ganze Album ziehende Wandlung
ablesen lässt, die sich offenbar im Sound von In Extremo vollzogen hat.

Die Stücke sind allesamt sehr rockig aufgemacht, von Metal kann eigentlich
nur noch bedingt die Rede sein. Die Mittelalter-Instrumente fallen gänzlich
hinter die Rockinstrumente zurück und haben nunmehr lediglich begleitenden
Charakter.

Eine auf dem Vorgängeralbum noch vorhandene kräftige Note muss man auf
„Sängerkrieg“ leider vermissen. Stücke wie „Neues Glück“
würde man ohne die markante Stimme von In-Extremo-Sänger Einhorn auf Anhieb
nicht unbedingt In Extremo zuordnen.

Zurückhaltendes Gitarrenspiel und hintergründige Mittelalter-Einwürfe
bestimmen das Klangbild, das bei Veröffentlichungen von In Extremo bisher
größtenteils eher von treibendem Metal-Sound und offensiverem Einsatz von
Mittelalterinstrumenten geprägt war.

Selbst die treibenderen Stücke auf dem Album, bei denen auch den Dudelsäcken
wieder ein etwas höherer Stellenwert eingeräumt wird, kommen im Vergleich zu
vorherigen In-Extremo-Alben sehr sanft daher. Hier ist zum Beispiel „Frei
zu sein“ zu nennen, das eines der schnelleren und stimmungsvolleren Stücke
des Albums darstellt.

Musikalisch ist es gewiss nicht schlecht, der kräftige Metal-Sound ist
jedoch einem locker-rockigen Gewand gewichen, das recht glattgebügelt wirkt. Den
Glanzstücken vorheriger Alben und Höhepunkten eines jeden In-Extremo-Konzertes,
so zum Beispiel „Spielmannsfluch“, „Pavane“ (Album
„Verehrt und Angespien“), „Omnia Sol Temperat“ (Album
„Sünder ohne Zügel“),  „Sagrada Trobar“ (Album
„7“) oder „Liam“ (Album „Mein rasend Herz“)
werden die Stücke auf „Sängerkrieg“, selbst die besseren, in keiner Weise gerecht.

Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass mit „Requiem“ auch
wieder ein rein akustisches Mittelalter-Stück den Weg auf das Album gefunden
hat. Bemerkenswert ist, dass neben den deutschen und den vereinzelt auftauchenden
altsprachlichen Liedtexten mit „An End has a Start“ auch ein
englisches Stück auf „Sängerkrieg“ zu finden ist. Das letzte
englischsprachige Lied auf einem In-Extremo-Album war auf der 1999 erschienenen
CD „Verehrt und Angespien“ zu finden und eine Coverversion des
Sisters-of-Mercy-Klassikers „This Corrosion“.

Trotz einiger durchaus positiver Punkte und eingängiger Rhythmen hinterlässt
„Sängerkrieg“ insgesamt leider einen schwer durchwachsenen Eindruck.

Fazit

Mit den kraftvollen, gelungenen Vorgänger-Alben verglichen wirkt
„Sängerkrieg“ in großen Teilen wie eine Ansammlung platter
Rock-Nummern mit Dudelsack.

Alte Fans werden über die rockig-weiche Aufmachung verwundert sein, die die
Stücke nicht jene Energie erreichen lässt, die man sonst bei In Extremo vorfand.

Der Stil von In Extremo hat auf „Sängerkrieg“ eine deutliche
Wandlung erfahren, leider überwiegend nicht zum Positiven.

 

Rezension: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de