Arkona – Ot Serdca K Nebu

In ihrer Heimat hat die russische Pagan-Metal-Band Arkona schon einige Bekanntheit erreicht, hierzulande ist die Gruppe jedoch noch nicht allzu bekannt.

Dies soll sich nun ändern, denn das bevorstehende vierte Album der Band, „Ot Serdca K Nebu“ (etw. „Vom Herzen zu den Himmeln“), erscheint als erste Veröffentlichung von Arkona auch offiziell in Mitteleuropa.

Am 4. Juli ist es soweit. Die Rezension erläutert, ob „Ot Serdca K Nebu“ tatsächlich die Herzen der hiesigen Pagan-Metal-Fans für Arkona öffnen kann.

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Schaut man sich das CD-Cover von „Ot Serdca K Nebu“ genau an, muss man erst einmal stutzen: Was ist das für ein Symbol, das auf dem Helm des rechten Totempfahles prangt? Das sieht ja der nationalsozialistischen Schwarzen Sonne nicht unähnlich – Ob Arkona wohl eine rechts angehauchte Band sind? Gar faschistischen Nazi-Ideen offen?

Mitnichten!

Nadir Amrioui, Product Manager des Labels Napalm Records und Halb-Algerier, erklärt um was für ein Symbol es sich handelt: „Das Kolovrat ist ein uraltes slawisches Mystik-Symbol, entstanden lange Zeit bevor die Wahnsinnigen des letzten Jahrhunderts eine Abwandlung davon missbraucht haben. Ich kenne die Band persönlich und weiß, dass sie keinerlei faschistische Ideologien pflegen.“

Damit wäre alles gesagt und man kann ruhigen Gewissens der Musik widmen.

„Ot Serdca K Nebu“ umfasst inklusive Intro und Outro 14 Stücke und kommt auf eine hoch erfreuliche Gesamtspielzeit von über einer Stunde. Gesungen wird durchgehend auf Russisch.

Das nach dem Intro erste Stück auf dem Album heißt „Pokrovy Nebesnogo Startsa“ und ist auch gleich das beste Lied der ganzen CD: Donnernd hallt die Metal-Klangwand aus den Boxen, untermalt von  kraftvollem Death-Metal-Gesang und nach knapp einer Minute zieht es einem fast die Schuhe aus: Da tönt ein von treibendem Gitarren-, Bass- und Schlagzeugspiel untermaltes Schalmeien- oder Dudelsack-Solo aus den Lautsprechern, dass es jedem Folk-, Pagan- oder Mittelalter-Metal-Fan warm ums Herz wird.

Wenn man dann hofft, das hervorragende Solo möge doch der Refrain sein und bald zurückkehren, fällt einem die außergewöhnliche Struktur des Liedes auf: Normalerweise kennt man einen Liedaufbau a la Strophe, Refrain, Strophe Refrain, Überleitung, Strophe, Doppel-Refrain – Arkona scheren sich nicht darum!
Das Solo des folkloristischen Blasinstruments wird von einem akustischen Teil mit Akkordeon, Flöte und Maultrommel gefolgt und wenige Zeit später ist dann auch noch absolut gelungener Chorgesang zu hören.

„Pokrovy Nebesnogo Startsa“ – Was für ein tolles Lied!

Im weiteren Verlauf des Albums zeigt sich ein großer Abwechslungsreichtum: Mal hämmern Schlagzeug und Bass du lauten Death-Metal-Gesang unbarmherzig voran, mal schwebt die Musik auf hellen Flötenmelodien. Der Einsatz von Akkordeon und Maultrommel und die gelegentlich polka-artige Bassspielweise wecken an manchen Stellen auch Assoziationen zu Bands wie Finntroll oder Korpiklaani.

Sehr ins Ohr sticht das Stück „Oh, Pechal‘-Tolska“, ein langsames, von weiblichem Gesang dominiertes, episches Stück, das – unter Verzicht von wildem Gitarrenspiel oder krachenden Schlagzeug-Beats – ungeheuer atmosphärisch zum Ohr des Hörers dringt.

Mit „Gutsulka“ und „Tsygular“ sind auf „Ot Serdca K Nebu“ auch zwei rein akustisches und instrumentales Folklore-Stück zu finden, die einem so sicher auch auf einem Mittelaltermarkt begegnen könnten.

Das Herzstück des Albums bleiben aber die Metal-Stücke, von denen keines klingt wie das andere.

Fazit

Abwechslungsreich, musikalisch hochwertig und sehr eigen – Arkona planen, mit „Ot Serdca K Nebu“ auch in Mitteleuropa durchzustarten und genau das könnte ihnen mit diesem Album auch möglich sein.

Für jeden Fan von folkloristisch beeinflusstem Metal zu empfehlen.

 

Rezension: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de