Todtgelichter – Rooms

Todtgelichter kennen manche noch als Black-Metal-Band. Mit der extremen Metal-Spielart hatte die Band aber schon im Laufe ihrer Karriere immer weniger zu tun. Den endgültigen Beweis, dass die Zukunft von Todtgelichter nicht im Black Metal liegt, tritt die Gruppe nun mit ihrem fünften Studioalbum „Rooms“ an.

Auf dem Album, das am 26. Februar erscheint, präsentiert die Band eine breit gefächerte Mischung aus melodischem Metal, Progressive- und Psychedelic Rock. Wie sich das Ergebnis anhört erfahrt ihr in dieser Rezension.

todtgelichter - rooms

„Rooms“ enthält neun Tracks mit einer Gesamtspielzeit von rund 52 Minuten. An die Black-Metal-Vergangenheit von Todtgelichter erinnern auf ihrem neuen Album eigentlich nur zwei Dinge: Erstens gibt es neben dem Klargesang auch nach wie vor Screams und zweitens kommen hier und da Blastbeats vor.

Der Stellenwert der Screams ist gegenüber dem Klargesang jedoch nicht übermäßig hoch und die Blastbeats agieren meist sehr zurückhaltend. Auch sind Screams und Blastbeats keinesfalls in jedem Lied vorhanden – über weite Strecken werden sie ganz ausgespart.

Zu den Screams bleibt noch zu erwähnen, dass diese genau wie der Klargesang von Sängerin Marta stammen. Das hört man nicht unbedingt heraus, da in den Screams nur wenig Stimmfarbe liegt, diese also nicht wirklich „weiblich“ klingen. Anders als bei Bands wie Arch Enemy sind die weiblichen Screams bei Todtgelichter also kein Herausstellungsmerkmal.

Screams und Klargesang gehen auf „Rooms“ ohnehin stark ineinander über oder überlappen sich sogar kurz. Auch deshalb hätte man vom Hörerlebnis her bei „Rooms“ auf ein Duo aus Sängerin und Sänger getippt. Live wird das Zusammenspiel aus Screams und Klargesang mit nur einer Sängerin nicht in der hier gehörten Form funktionieren, doch wie erwähnt kommt das Album ja zu großen Teilen sowieso ohne Screams aus.

Was Todtgelichter nicht spielen – nämlich Black Metal – wäre nun geklärt. Doch was spielt die Band hier eigentlich? Sicher nichts was in einen festen Genre-Begriff gegossen werden kann. Das Fundament von „Rooms“ besteht aus einem melodischen, gitarrenlastigen Metal-Sound, die Reise der Band geht aber auch in verschiedene Rock-Genres hinein.

Ein komplexer Liedaufbau und verwobene Gitarrenpassagen bringen den Sound in Richtung Progressive Rock. Der Einsatz von Kirchenorgel und altmodischen Synthesizern erinnert hingegen stark an die Psychedelic-Rock-Schiene. Hin und wieder scheinen dann Screams und Blastbeats als letzte verbliebene Black-Metal-Fragmente durch – berechenbar wird „Rooms“ also auf keinen Fall. Umgesetzt wurde all das sehr sauber.

Von der Atmosphäre her geht das Klangbild gerne auch in ruhige und verträumte Sphären über. Warme Synthesizer und kalte Gitarrenklänge geben hierzu teilweise einen schönen Kontrast ab. Der Gesang, der sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorkommt, hat hin und wieder einen gewissen Nachhall und klingt wie aus dem Hintergrund hervordringend. Mich persönlich erinnert dieses Element ein wenig an die fast vergessenen Aimless.

Insgesamt liefern Todtgelichter hier einen hoch abwechslungsreichen und keinesfalls alltäglichen Sound ab. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass „Rooms“ auch dementsprechend komplex ausfällt und sich der Reiz des Albums vielleicht nicht jedem erschließt. Auf griffige Melodien haben Todtgelichter ihr Album jedenfalls nicht ausgelegt und auch eingängige Refrains, die einem den Einstieg erleichtern würden, sollte man besser nicht erwarten. Der Fokus von „Rooms“ liegt schlichtweg auf der Atmosphäre und nicht auf dem Hit-Faktor.

Fazit

„Rooms“ ist ein komplexes und sehr markantes Album. Mit Ohrwürmern kann es nicht aufwarten, überzeugt aber mit Atmosphäre und Vielseitigkeit.

Punkte: 7.5 / 10

 

Rezension: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de

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