Dass Jérôme Reuter alias Rome einen hohen Takt an Veröffentlichungen hat, wissen seine Fans. In einem Jahr erscheinen gern auch mal mehrere Werke des Luxemburgers – seien es nun Alben, EPs oder Live-Aufnahmen.
Am 19. Dezember hat der Musiker zwischen Dark Folk und Pop Noir aber selbst für seine Verhältnisse hoch gegriffen. Gleich zwei vollwertige Alben sind an diesem Tag erschienen: „The Tower“ und „The Hierophant“.
Als Musikrezensent stelle ich mir da dieselbe Frage, die sich auch mancher Fan stellen wird: Wo fange ich bloß an? Ich löse das Dilemma chronologisch. „The Tower“ wurde schon 2024 aufgenommen, „The Hierophant“ im Jahr 2025. Also befasse ich mich zuerst mit „The Tower“.

„The Tower“ enthält zehn Lieder mit insgesamt 39 Minuten Laufzeit. Die englischsprachigen Texte sind auf einem gehobenen sprachlichen Niveau und inhaltlich kaum zu greifen. Ist „The Tower“ ein Konzeptalbum? Geht es um ein bestimmtes Thema? Das bleibt komplett offen, die sprachlich wie gesagt sehr schönen Texte stehen ohne Erklärung im Raum.
Musikalisch liefert „The Tower“ den ich nenne es mal typischen Rome-Sound: Ästhetisch, ein Stück weit düster und immer vollständig ausgerichtet auf die tiefe aber auch sehr warme Stimme von Jérôme. Das Klangbild ist dabei voller und dichter als man es bei Musik, die zum großen Teil aus einem Mann und seiner Akustikgitarre besteht, vielleicht erwarten würde.
Diesen so typischen Rome-Sound liefert das Album zunächst in einer stark reduzierten Variante. Die ersten vier Lieder zeigen Rome von einer fast schon minimalistischen Seite. Jérôme singt mit sehr ruhiger Stimme zur Gitarre, die nur Begleitakkorde spielt. Eine wirkliche Melodie kommt nur vom Gesang. Im Hintergrund gibt es nur minimale Elektronik, lediglich „Twilight Leaves“ hat auch einzelne vorsichtige Trommelschläge.
Diese ersten vier Lieder ziehen praktisch als großes Ganzes an einem vorbei. Es sind sehr reduzierte Stücke zum Zurücklehnen; Stücke, in denen recht wenig passiert – manchen Hörern vielleicht zu wenig.
Danach fährt „The Tower“ dann etwas hoch. Im restlichen Verlauf des Albums werden die Lieder auch mal ein bisschen flotter. Die Elektronik tritt mehr in den Vordergrund, es wird auch mal vorsichtig am E-Bass gezupft. Ich sage bewusst vorsichtig. Auch in seinem lebhafteren Teil bleibt „The Tower“ eine der ruhigeren Veröffentlichungen von Rome.
In dem besagten lebhafteren Teil bringt „The Tower“ durchaus wieder gefällige Melodien mit und auch Refrains, die Wiedererkennungswert haben. „This Slaughter Behold“ könnte ich mir zum Beispiel gut im Live-Programm vorstellen.
Noch mehr bleibe ich aber an „Ire And Troth“ hängen. „If it causes no stir, it covers no ground“. Der Refrain besteht nur aus dieser einzigen Zeile. Jérôme singt sie im Vordergrund, aus dem Hintergrund wird sie wie ein Echo wiederholt. Ganz simpel, aber auch genauso eingängig.
Fazit
Mit seinem reduzierten Beginn und seiner Steigerung ins etwas Lebhaftere bringt „The Tower“ einen schönen Spannungsbogen mit. Für sich genommen wird den ruhigen Anfang aber nicht jeder gut finden.
Insgesamt ist „The Tower“ ein weiteres gelungenes, gut hörbares Rome-Album.
Punkte: 8 / 10
Rezension: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de
Zur Rezension des zeitgleich erschienenen Albums „The Hierophant“ geht es hier.