Rome – The Hierophant

Am 19. Dezember hat Jérôme Reuter alias Rome gleich zwei Alben veröffentlicht: „The Tower“ und „The Hierophant“. „The Tower“, das der Luxemburger Dark-Folk-Musiker zuerst aufgenommen hat, habe ich bereits eine Rezension gewidmet.

Höchste Zeit also, auch einen Blick auf „The Hierophant“ zu wagen. Schlägt es in die gleiche Kerbe wie „The Tower“ oder zeigen sich Unterschiede? Gleich wisst ihr es.

„The Hierophant“ enthält zehn Lieder mit einer Gesamtspielzeit von 41 Minuten. Die Texte sind wie immer auf Englisch gehalten, sind poetisch und interpretationsoffen. Ein Kontext oder ein bestimmtes inhaltliches Konzept drängt sich genauso wenig auf wie auf „The Tower“. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass auf „The Hierophant“ vereinzelt Namen oder Fragmente aus der griechischen Mythologie eingestreut werden.

Zwei Dinge bilden das Fundament eines jeden Rome-Albums: Jérômes angenehmer Gesang und die Akustikgitarre. Was auf diesem Fundament aufgebaut wird, was an Begleitung und Dekoration vorkommt, ist mitunter recht unterschiedlich. Auf „The Hierophant“ ist es: Mehr von allem.

Damit möchte ich auch gleich die Eingangsfrage beantworten: „The Hierophant“ schlägt überhaupt nicht in die gleiche Kerbe wie das reduzierte, eher zurückhaltend inszenierte „The Tower“. „The Hierophant“ bringt mehr Begleitung und Hintergründe mit sich, ist verspielter und detailreicher.

Das Klangbild auf „The Hierophant“ ist viel breiter aufgestellt, oft dringen Bläser aus dem Hintergrund und manchmal auch Streicher. Beides wird offenbar elektronisch erzeugt, denn in der Besetzung des Albums ist weder von Bläsern noch von Streichern die Rede, sondern von Synths und Sound Design.

Die Lieder werden hier und da mit Effekten ausgeschmückt, immer wieder kehrt auch ein Xylophon zurück (oder ist es ein Glockenspiel?). „The Hierophant“ ist also durchaus abwechslungsreich und hält einige Details zum Entdecken bereit.

Manchmal bricht das Klangbild sogar richtig mit den Erwartungen, vor allem in „The Great White Hopeless“. Das mit Orgel untermalte, warm ausgestaltete Stück wirkt fröhlich, ja geradezu heiter – vielleicht eine bewusste Karikatur seines ganz und gar nicht heiteren Titels und Textes.

Insgesamt bietet auch „The Hierophant“ wieder ästhetische, schlicht und einfach schöne Lieder so wie man sie von Rome kennt. Besonders sticht für mich „The Gods Are Slow To Forgive“ hervor. Es hat eine wunderbar getroffene Atmosphäre, ist trotzdem aber eingängig. Man hätte noch ein, zwei mehr Stücke genommen, die sich auf diese Art hervortun – was die Ohrwürmer angeht liegt „The Tower“ dann doch leicht vorne.

Fazit

„The Hierophant“ setzt andere Schwerpunkte als „The Tower“, ist aber ein ebenso gelungenes Gesamtkunstwerk. Auf die einzelnen Lieder heruntergebrochen hat „The Tower“ die etwas stärkeren Stücke und steht deshalb ein bisschen weiter oben.

Auch „The Hierophant“ ist jedoch ein zweifellos hörenswertes Album und gefällt mit seinem Abwechslungs- und Detailreichtum.

Punkte: 7.5 / 10

 

Rezension: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de

 

Zur Rezension des zeitgleich erschienenen Albums „The Tower“ geht es hier.