Arkona – Slovo

Arkona ist zweifelsohne die bekannteste Pagan-Metal-Band Russlands. Seit einigen Jahren gewinnt die Gruppe auch in Westeuropa mehr und mehr an Popularität.

Das liegt bei Weitem nicht nur an ihrem Exotenstatus, denn die zurückliegenden Alben von Arkona wurden und werden durchgehend als gut beurteilt. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an ihr kommendes Album „Slovo“, das am 26. August erscheinen wird.

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Klotzen, nicht kleckern war bei Arkona schon immer das Motto wenn es um den Umfang ihrer Alben ging. Auch „Slovo“ bildet dahingehend keine Ausnahme und ist fast eine Stunde lang. In der gewohnten Regel bleibt auch die Liedsprache des neuen Albums: Gesungen wird ausschließlich auf Russisch.

Stilistisch schlagen Arkona auf „Slovo“ wieder stärker in Richtung Black Metal aus. In Stücken wie „Arkaim“ oder „Leshiy“ serviert die Band den Hörern kräftige Blastbeats und der Growl-Gesang überragt den klaren Gesang deutlich. Die Folklore-Instrumente werden im Zuge dessen öfter in den Hintergrund gestellt, bleiben aber dennoch stets wahrnehmbar.

Das Mehr an Black Metal macht „Slovo“ auch etwas düsterer als die Vorgängeralben. Man gewinnt auch den Eindruck, dass das Songwriting komplexer geworden ist. Ich sage
bewusst: Man gewinnt den Eindruck. Komplex waren ja schließlich auch die Vorgängeralben, an „Goi, Rode, Goi“ von 2009 wirkten zum Beispiel über 40 Musiker mit.

Was aber „Slovo“ komplex wirken lässt, sind zahlreiche Stil-, Stimmungs- und Tempiwechsel innerhalb der einzelnen Lieder. „Bol’no Mne“ welchelt zum Beispiel spielend zwischen akustischen Gitarrenakkorden, rohem Black Metal, sowie atmosphärischen Flüster- oder Orchester-Passagen hin und her. Zusätzlich kommt es dann auch noch zu Kunstpausen – und das alles in einem Lied von weniger als sechs Minuten. Auch auf den Vorgängeralben gab es solche Stimmungswechsel schon, auf „Slovo“ stechen sie aber noch einmal besonders heraus.

Dies macht das Album mitunter auch durchaus anspruchsvoll und nicht eben leicht zugänglich. Den schnellen Refrain oder folkigen Party-Metal sollte man bei Arkona also auch dieses Mal nicht suchen. Es gibt zwar auch Ausnahmen, wie das komplett auf Stimmung getrimmte „Stenka Na Stenku“, solche Stücke stellen auf „Slovo“ aber den absoluten Einzelfall dar. Für Humppa-Fans ist das Album also garantiert nicht gemacht.

Stattdessen bietet sich den Hörern ein nicht zum Schunkeln einladender, dafür aber sehr vielseitiger Pagan Metal, der eine hohe musikalische Bandbreite in sich vereint. Die CD lebt von zahlreichen Kontrastmomenten, die sich aus der Kollision von Black Metal mit Folklore- und Klassik-Instrumenten ergeben. Passend dazu sind auch die zwei Gesangsstile von Frontfrau Masha und die ohnehin sehr abwechslungsreiche Gestaltung des Albums: Mal zeigen sich Arkona episch, mal rau und offensiv, mal auch rein akustisch
(„Vo Moiom Sadochke“).

Einer hohen spielerischen Qualität kann man sich dabei immer bewusst sein – auch wenn Arkona noch nie Freunde von irgendwelchen ausgefallenen Gitarrensoli oder ähnlichem
waren. Die einzigen Kritikpunkte, die man an „Slovo“ hervorbringen kann, sind zum einen der schwierige Zugang, den das komplexe Werk mit sich bringt. Zum anderen hatten Arkona schonmal einen größeren Hit-Faktor. Ein, zwei richtige Ohrwürmer dürften es auch ohne Humppa-Gedudel ruhig sein.

Fazit

Ein weiteres gutes Album von Arkona.

Punkte: 8 / 10

 

Rezension: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de