Neuborn Open Air Festival 2018 – Festivalbericht

Das Neuborn Open Air Festival (kurz Noaf) ist eine echte Traditionsveranstaltung. Jedes Jahr Ende August lädt das Festival Freunde der härteren Klänge nach Wörrstadt bei Mainz ein. Zwei Tage lang gibt es dann Musik aus verschiedensten Rock- und Metal-Genres auf die Ohren.

Dieses Jahr fand das Noaf am 24. und 25. August statt. In der Bandauswahl fanden sich viele bewährte Elemente wieder, so zum Beispiel klassische Metal-Gernes wie Thrash- oder Power Metal, diverse Rock-Varianten und Hardcore Punk der alten Schule.

An anderer Stelle probierte das Noaf dieses Jahr auch neues aus. So gab es weniger modernen Metalcore, dafür aber zum ersten Mal auch eine Ska-Punk-Band. Zeit für einen Rückblick auf das diesjährige Noaf und seine 15 Bands…

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Neuborn Open Air Festival

Tag 1 – Freitag, der 24.08.2018

Der Sommer 2018 war in Deutschland der heißeste und trockenste seit 15 Jahren. Das konnte man auch am arg lädierten Festivalgelände ablesen. Von der Wiese am Neubornbad, auf der das Noaf jedes Jahr stattfindet, war nicht mehr viel übrig. Stattdessen machte das Gelände eher den Eindruck eines ausgetrockneten, staubigen Ackers.

Wenige Tage zuvor hatte die Hitzewelle auch noch angehalten, Temperaturen jenseits der 30 Grad waren eher die Regel als die Ausnahme. Just rechtzeitig zum Festival kühlte es sich aber ab. Am Morgen dieses Freitags hatte es sogar noch geregnet, die Temperaturen lagen nun bei gut 20 Grad. Bestes Festivalwetter also – gerade für alle, die sich zur Musik auch bewegen wollten.

Das Musikprogramm wurde in diesem Jahr pünktlich um 15 Uhr von der lokalen Band All Its Grace eröffnet. Viel lokaler geht eigentlich nicht, denn eines der Bandmitglieder stammt direkt aus Wörrstadt. Die Metal-Band aus dem melodisch-harten Bereich eröffnete souverän und lockte bereits einige – wenn auch noch etwas lichte – Zuschauerreihen vor die Bühne.

Um 16 Uhr übernahm die Metalcore- / Melodic-Hardcore-Band Counterparts aus Kanada. Ihr Genre war in diesem Jahr in geringerem Umfang auf dem Noaf vertreten als noch in den Vorjahren. Dem Auftritt von Counterparts tat das keinen Abbruch. Ihre vor allem jüngeren Fans hatten Spaß und tanzten raumgreifend durcheinander. Der Sänger bedankte sich extra noch einmal für die gute Stimmung – auch wenn der Großteil des Publikums die Band wohl gar nicht kenne. Damit hatte er wahrscheinlich recht.

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Zeitloser Thrash Metal: Warbringer

In eine völlig andere Richtung ging es ab 17:15 Uhr mit Warbringer. Ihr Oldschool Trash Metal brachte die Fans der klassischen Metal-Klänge in Wallung. Zum ersten Mal war es nun richtig voll vor der Bühne. Die Zuschauer gingen richtig gut mit, feierten und blieben ständig in Bewegung – Circle Pit inklusive. Mit ihrer guten und nicht zuletzt auch richtig lauten Show heizten Warbringer den Festivalbesuchern ordentlich ein.

So wie Warbringer aufgehört hatten, ging es mit Deserted Fear nahtlos weiter. Mit ihrem kernigen Death- / Thrash Metal brachte die Band die Köpfe des Publikums zum Kreisen. Die Menge ließ sich von Deserted Fear ebenso begeistern wie zuvor bereits von Warbringer. Offenbar waren die Fans der Oldschool-Klänge an diesem Tag sehr zahlreich. Genau wie die Stimmung war auch das Wetter beständig gut. Bei mittlerweile knapp unter 20 Grad ließ es sich sehr gut aushalten.

Nach den zwei heftigen Metal-Bands wurde es nun wieder ruhiger. Audrey Horne lieferten ab 19:45 Uhr klassischen Hard- beziehungsweise Southern Rock. Auch der hatte auf dem Noaf definitiv seine Anhänger. Einige Fans konnten sogar fließend die Texte mitsingen. Audrey Horne waren richtig gut aufgelegt und animierten das Publikum gekonnt zum Mitmachen. Bei „Pretty Little Sunshine“ oder „Blaze Of Ashes“ klatschte alles fleißig mit, zu den Rock-Rhythmen wippten sogar die Security-Mitarbeiter im Takt.

Rockig ging es auch mit Kadavar weiter, nun aber in der Psychedelic-Rock-Variante. Viel zu sehen bekam man von dem langbärtigen Trio aber nicht. Bei Beginn ihres Konzerts war die Sonne längst untergegangen und die Bühne nur sehr schlecht ausgeleuchtet. Licht gab es allenfalls bei den kurzen Ansagen zwischen den Liedern, ihre Stücke spielte die Band dann aber im Dunkeln – zumindest wenn man mal vom Vollmond absieht.

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Von New York nach Wörrstadt: Sick Of It All

Die Fans hatten trotzdem ihren Spaß. Vor der Bühne war es proppenvoll. Zu den psychedelischen Klängen von Kadavar ließen sich sogar einige Crowdsurfer über die Menge reichen, was man an dieser Stelle vielleicht weniger erwartet hätte als bei den Metal-Bands. Die drei Rocker spielten bekannte Stücke wie „All Our Thoughts“ und verabschiedeten sich schließlich um 22:30 Uhr.

Eine halbe Stunde später war es an der Zeit für die Tages-Headliner von Sick Of It All. Die seit Urzeiten bestehende Hardcore-Band aus New York machte keine Gefangenen. Zumindest am Anfang war das Licht auch bei Sick Of It All bescheiden, viele Fans hatten aber sowieso kaum Augen für die Bühne. Im Zuschauerbereich standen nämlich alle Zeichen auf Abriss. Die Festivalbesucher gingen ab, tanzten umher, Crowdsufer machten sich auf den Weg und auch das Cirle Pit ließ nicht lange auf sich warten.

Auch Sick Of It All selbst waren mit Vollgas unterwegs. Vor etwa gleich viel Publikum wie Kadavar rannte und sprang die Band wie wild über die Bühne. Man muss sich noch einmal vor Augen halten: Die vier Musiker sind seit über 30 Jahren im Geschäft! Bei ihren Fans ließen sie an diesem Abend keine Wünsche offen.

 

Tag 2 – Samstag, der 25.08.2018

Auch den zweiten Festivaltag durfte wieder eine Band aus der Region eröffnen. Bei knapp 20 Grad traten und rollten pünktlich um 14 Uhr Denyal auf die Bühne. Rollten? Ja, denn ihr Gitarrist hatte sich offenbar das Bein verletzt und ließ das Konzert trotz Rollstuhl nicht ausfallen. Das wurde auch vom Ansager des Festivals noch einmal lobend erwähnt. Die Metal-Band hatte sichtlich Spaß auf der Bühne und hielt nicht nur ihre regionale Fanbasis bei Laune.

Mit P.O. Box kam es dann zu einer Premiere auf dem Noaf, denn Ska-Rock war man hier bisher nicht gewöhnt. Die Franzosen starteten aufgrund technischer Probleme etwas verspätet, drehte dann aber richtig auf. Mit Zugposaune und Trompete animierten sie das Publikum sogar zum kleinen Circle Pit. Der Funke von P.O. Box, die auf der Bühne stets in Bewegung blieben, sprang definitiv über. Noaf’sches Ska-Rock-Experiment gelungen!

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Kontrastprogramm: P.O. Box

Mittlerweile war es richtig warm und viel sommerlicher als man am Anfang des Tages noch gedacht hätte. Bei strahlendem Sonnenschein begannen dann die Street Dogs ihr Konzert. Am Anfang standen nicht besonders viele Menschen vor der Bühne, die meisten kannten die Band wohl einfach nicht. Dank eines stimmungsvollen und energiegeladenen Auftritts füllte es sich dann aber doch sehr schnell.

Der schwungvollen, etwas derbe (Punk-)Rock der Street Dogs kam wirklich gut an. Die Band lieferte ein kurzweiliges Konzert, in dessen Verlauf ihr Sänger sogar bis hoch auf die Lautsprecherwand kletterte.

Ab 18:20 Uhr wurden wieder die Fans der klassischen Klänge bedient. Metal Inquisitor aus Koblenz lieferten ihren Heavy Metal mit hohem Klargesang und Thrash-Einflüssen ab. Die Band legte ein hohes Maß an Spielfreude an den Tag und konnte das Publikum schnell für sich einnehmen. Bei noch immer sehr sommerlichen Temperaturen war es der Band ein Leichtes, ihre Zuhörer ins Schwitzen zu bringen.

Vom „Zombie Driver“ (so heißt ein Lied, das Metal Inquisitor gespielt haben) ging es dann weiter zu DevilDriver. Vor der Bühne staubte der trockene Acker wie in einem Wildwest-Film, dazu kam dann noch reichlich Bühnennebel. DevilDriver traten schließlich aus einer riesigen Dunstwolke und holzten los. Ihre wuchtige Mischung aus Death- und Thrash Metal riss das Publikum voll mit, Circle Pit und Headbanger ließen sich nicht lange bitten.

Auch The Black Dahlia Murder spielten ein hartes Set mit hohem Abgeh-Faktor. Vor der Bühne war richtig was los, der Zuschauerandrang zur Show der US-Amerikaner war beachtlich. Auf einmal waren auch richtig viele Crowdsurfer zu sehen. Die Security hatte beim Auftritt der Melodic-Death-Metal-Band so viele Leute aufzufangen wie bei keinem Konzert des diesjährigen Neuborn Open Airs. Gegen Ende der Show tröpfelte es etwas, doch das Wetter hielt.

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Power Metal erster Güte: Orden Ogan

Erst kurz vor Orden Ogan fing es dann wirklich an zu nieseln. Rechtzeitig zum Konzertbeginn um 21:15 Uhr hörte es aber wieder auf. Das Wetter war Orden Ogan also hold, die Technik zunächst aber nicht. So brach der Power-Metal-Band erst einmal ihr episches Intro ab. Die Fans nahmen es mit Humor und riefen nach einer Zugabe. Beim zweiten Anlauf klappten es dann und Orden Ogan begannen ihre Show.

Ungewohnt war, dass Sänger Sebastian ohne Gitarre auf der Bühne stand. Der Hintergrund: Er hatte sich den Daumen gebrochen. Die zweite Gitarre übernahm daher Bassist Niels, auf einen Bass verzichteten Orden Ogan bei ihrem Auftritt hingegen. Trotz dieser Umstände legte die Band einen mitreißenden Auftritt hin. Vor der Bühne war es richtig voll, die Zuschauer sangen begeistert mit.

Vereinzelt machten sich auch Crowdsurfer auf den Weg nach vorne. Nach „The Things We Believe In“ als letztem Lied machten Orden Ogan noch ein Abschiedsfoto mit der Menge und verabschiedeten sich dann. Daran konnten auch Zugabe-Rufe und der letzte Crowdsurfer nichts ändern.

Um 22:45 Uhr war es dann schon an der Zeit für den letzten Auftritt des diesjährigen Neuborn Open Airs. Samael aus der Schweiz sollten den musikalischen Abschluss des Festivals bilden. Das Wetter hielt und Samael trafen auf ein immer noch sehr zahlreiches Publikum. Musikalisch stehen die Schweizer für eine elektronisch unterfütterte Mischung aus Metal und Dark Rock.

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Künstlerisch anspruchsvoller Headliner: Samael

Die durchaus anspruchsvolle Musik von Samael ist keine, zu der naturgemäß viel getanzt wird. So war nun auch nicht allzu viel Bewegung im Publikum zu sehen, auch Crowdsurfer bildeten die absolute Ausnahme. Stattdessen war eher gebanntes Zuhören angesagt.

Zu Liedern wie „Slavocracy“, „Angel Of Wrath“ oder „Solar Soul“ folgte das Publikum aufmerksam der Darbietung der Band. Die eingefleischten Fans sangen souverän mit bis Samael schließlich zum Ende kamen.

 

Insgesamt war das Neuborn Open Air Festival auch in diesem Jahr wieder eine mehr als nur gelungene Veranstaltung. Was das ehrenamtliche Helferteam hier wieder einmal auf die Beine gestellt hat, muss sich weder organisatorisch noch vom Programm her vor anderen Festivals verstecken – auch nicht vor den kommerziellen.

Dass in diesem Jahr weniger Metalcore gespielt wurde, haben die Fans neutral aufgenommen. Von wirklichen Berschwerden hat man zumindest nichts gehört. Die entstehenden Vakanzen mit Punk- beziehungsweise Ska-Rock zu füllen, hat sich als stimmungsbringender Glücksgriff erwiesen.

Mit Samael und Sick Of It All waren dieses Jahr „kleinere“ Headliner am Start als in manchen Vorjahren (man denke nur an Arch Enemy 2016). Dennoch zog das Neuborn Open Air Festival in diesem Jahr mindestens so viele Besucher an wie 2017 – meinem Eindruck nach waren es sogar mehr. Trotz des großen Andrangs hat sich das Festival jedoch erfolgreich seinen familiären Charakter bewahrt. Im Angesicht von zwei Tagen voll guter Bands und toller Stimmung kann man da nur sagen: Alles richtig gemacht!

 

Bericht: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de

 

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