Hexentanz Festival 2026 – Festivalbericht

Vom 24. bis zum 26. April ging das 18. Hexentanz Festival über die Bühne. Austragungsort war nach 2025 zum zweiten Mal die Burg Lichtenberg. Auf dem Plateau des historischen Gemäuers im Landkreis Kusel wurde nun also drei Tage lang Dark Rock, Metal, Mittelalter und Folk geboten.

Die ersten beide der drei Festivaltage war ich mit vor Ort. Und wie es war behalte ich natürlich nicht für mich…

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Hexentanz Festival

Freitag, 24.04.2026

Was für ein Wetterchen! Sonnenschein, strahlend blauer Himmel und T-Shirt-Temperaturen. Hexentanz-Veteranen wissen: So begrüßt das Festival, das traditionell zu den ersten Open Airs der Saison gehört, seine Gäste gewiss nicht jedes Jahr. Dieses Mal aber schon. Burg Lichtenberg strahlte in der Morgensonne und stellte den Besuchern drei ungetrübte Sommertage in Aussicht.

Das Gelände war fast genau so aufgeteilt wie im letzten Jahr. Man durchwanderte also die gesamte Burg, um an ihrem äußersten Ende die Bühne vorzufinden. Der einzige sichtbare Unterschied war, dass die Marktstände nun über das ganze Gelände verteilt waren und nicht mehr geballt am Eingang zur Burg standen. Ansonsten blieb alles wie gehabt.

Pünktlich um 13:30 Uhr startete das Musikprogramm mit Two Minds Collide. Die hatten ihren Platz als Opener des Festivals bei einem Online-Voting gewonnen. Und sie wussten etwas daraus zu machen. Ihr melodischer, trotzdem aber auch druckvoller Dark Rock lockte für diesen frühen Zeitpunkt schon recht viele Leute vor die Bühne.

Two Minds Collide eröffneten das Festival

Bereits um 14:15 Uhr ging es mit League of Distortion weiter. Ihre Musik würde ich mal als elektronisch unterfütterten Alternative Metal beschreiben. Sängerin Ace, stimmgewaltig ab dem ersten Lied, richtete oft Ansagen an das Publikum und animierte zum Mitmachen. Auch League of Distortion konnten sich über eine ordentliche Zuschauerzahl freuen.

Als nächstes standen Reliquiae mit ihrem Folk- beziehungsweise Mittelalter-Rock auf der Bühne. Da ihre Drehleier- und Geigenspielerin nicht mit dabei war, setzten Reliquiae dieses Mal auf noch mehr Samples als sonst. Ob das ein Problem ist muss jeder für sich selbst entscheiden. Definitiv ein Problem war aber der anfangs grottenschlechte Sound.

Der Dudelsack schwankte sehr in der Lautstärke und der Gesang war derart leise, dass man so gut wie nichts verstehen konnte. Nach dem zweiten Lied skandierte das Publikum „Lauter! Lauter! Lauter!“. Zum Glück mit Erfolg. Wer auch immer an der Technik stand regelte den Sound neu und drehte den Gesang mal ordentlich auf. Nach dem holprigen Start wurde der Auftritt von Reliquiae dann doch noch zu einem kurzweiligen Konzert. Die Hexentanz-Besucher hatten Spaß, am Ende gab es Jubel und Applaus.

Feuer frei bei Asenblut

In der Nachmittagssonne betraten bald Asenblut die Bühne. Diese boten den Zuschauern Melodic Death Metal auf der Viking/Pagan-Schiene. Fürs Auge gab es zudem eine Pyro-Show – und zwar nicht nur stationär. Schon beim ersten Lied feuerte Sänger Tetzel mit einem tragbaren Flammenwerfer durch die Gegend.

Die Feuershow kam ebenso gut an wie der wuchtig-brachiale Sound der Band. Offenbar hatten die Hexentanz-Besucher Lust auf Metal und feierten gut mit. Asenblut banden das Publikum mit ein und machten zum Beispiel aus „Wie ein Berserker“ ein Call and Response mit der Menge.

Es war mittlerweile gegen 18 Uhr als Dogma auf der Bühne standen. Allein das war schon ein Stück weit bemerkenswert, da die Band noch Ende 2025 drei von fünf Musikerinnen verloren hatte. Ganz offensichtlich hatte die Rock-Girlgroup im Nonnenkostüm nun aber wieder eine vollständige Besetzung.

Am Anfang klappte irgend etwas mal so gar nicht. Eine der Gitarristinnen musste die Bühne noch während des ersten Liedes wieder verlassen. Frisch verkabelt (oder was auch immer) kehrte sie nach einigen Minuten zurück. Der Sound blieb eher durchschnittlich, das Schlagzeug lag sehr dominant über den anderen Tonspuren.

Dogma: Eher rockig-melodisch als römisch-katholisch

Doch Dogma bekamen die Kurve und nahmen immer mehr Zuschauer mit. Diese verziehen die technischen Mängel und hatten mehr und mehr Spaß. Sängerin Lilith war nicht nur stimmlich richtig gut, sondern sammelte auch zusätzliche Sympathiepunkte: Obwohl sie nur gebrochen Deutsch sprach, richtete sie einige ihrer Ansagen in Deutsch an das Publikum.

In der Umbaupause trat nun der Bühnen-Manager vor die Menge und stellte Marion und Jermaine vor. Diese hatten am Morgen geheiratet und Marion warf nun den Brautstrauß ins Publikum. Das hat man auch nicht alle Tage!

Als vorletzte Band des Tages traten die Gothic-Rocker Lacrimas Profundere auf. Spätestens jetzt verfestigte sich der Eindruck: Den guten Besucherandrang von 2025 erreichte das Hexentanz Festival auch dieses Jahr wieder. Wenn nicht sogar noch ein paar Leute mehr da waren. Doch zurück zu Lacrimas Profundere: Die Fans bereiteten der Band einen guten Empfang und sangen auch gleich mit.

Auch hier scheint technisch nicht alles glatt gelaufen zu sein. Während dem ersten Lied hasteten Techniker über die Bühne, zwischen dem ersten und zweiten Stück wurde eilends das Mikrofon von Sänger Julian getauscht. Was auch immer das war kann nicht gravierend gewesen sein, zumindest waren keine Fehltöne rauszuhören. Der Sound war gut und die Band bestens drauf.

Voller Körpereinsatz bei Lacrimas Profundere

Julian suchte wie gewohnt den Kontakt zu den Fans und kletterte auf den Lautsprecherboxen vor der Bühne herum. Doch nicht nur die Band legte sich mächtig ins Zeug, auch die Fans feuerten die Musiker ständig an. „Thank you for your energy!“, so der Sänger anerkennend zu seinen Fans. Zur langsam untergehenden Sonne beendeten Lacrimas Profundere ihr starkes Konzert unter dem Jubel der Menge.

Inzwischen war es dunkel und auf der Bühne wuchsen Podeste in die Höhe. Um 21:20 Uhr begannen Lord Of The Lost ihr Konzert. Dass die Dark-Rocker auf eine stockfinstere Bühne traten, konnte man anfangs noch für ein Stilelement halten – das erste Lied war nämlich „Kill The Lights“. Es wurde danach aber nicht heller. Man konnte oft kaum mehr als die Umrisse der Musiker erkennen.

Von einigen hellen Momenten abgesehen (siehe Fotogalerie) ging es so weiter. Auch sonst setzten Lord Of The Lost kaum visuelle Akzente. Der Verzicht auf Pyrotechnik lag indes nicht an der Band, denn die Pyro-Show war schlicht nicht gebucht worden. Dass sie optisch dann aber so gar nichts hergaben, kennt man von Lord Of The Lost eigentlich anders.

Rein musikalisch war der Auftritt tadellos. Die Fans sangen und klatschten von Beginn an mit, die Stimmung war durchgehend gut. Sogar dem LOTL-Sänger Chris Harms war übrigens das gute Wetter aufgefallen. Seiner Erinnerung nach sei es für Lord Of The Lost das vierte Hexentanz Festival – und dabei das erste ohne Regen. Und mit diesem ersten trockenen LOTL-Konzert in der Hexentanz-Geschichte war der erste Festivaltag dann auch schon vorüber.

Dunkler Rock auf dunkler Bühne: Lord Of The Lost

 

Samstag, 25.04.2026

Wie am Vortag lag strahlender Sonnenschein über der Burg und wie am Vortag startete das Musikprogramm pünktlich um 13:30 Uhr. Zu sehen waren Nathanael, die ihren Slot auf dem Festival ebenso wie Two Minds Collide beim Online-Voting gewonnen hatten. Stilistisch boten Nathanael schwungvollen Folk Rock/Metal mit Geige.

Vor der Bühne gab es durchaus schon einige Zuschauer – und die machten auch gut mit und trotzten der Mittagshitze. Wer die Lieder von Nathanael nicht kannte, sang dann spätestens beim Cover des Iron-Maiden-Klassikers „Fear of the Dark“ mit. Insgesamt ist es für die erste Band des Tages super gelaufen.

Als nächstes waren Scherbentanz an der Reihe. Manche Zuschauer harrten weiter in der Sonne aus und lauschten dem elektronisch unterfütterten Dark Rock der Band. Andere Festivalgänger suchten sich so langsam ein schattiges Plätzchen. Trotzdem war der Publikumsandrang voll in Ordnung und Scherbentanz ernteten Beifall. Der Sänger zeigte sich ganz angetan von den Zuschauern und ihren Reaktionen. Wenn es nach ihm geht kommt die Band sicher bald wieder.

Scherbentanz wollen wiederkommen

Während die Warteschlange beim Eisverkäufer länger und länger wurde, war es nun an der Zeit für Sagenbringer. Die Band bot schwungvollen Folk Metal dar, wobei der Folk-Anteil durch Samples eingespielt wurde. Doch auch ohne live gespielte Folk-Instrumente kamen die vier Musiker sehr gut an. Vor der Bühne füllte es sich, die Anwesenden hatten sichtlich Spaß am lebhaften Sound der Gruppe. Ihr Sänger zollte Respekt dafür, dass viele Fans trotz der Hitze so gut dabei waren.

Mit Ragnaröek folgten dann echte Hexentanz-Veteranen. Die Mittelalter-Rock-Band war schon zig Mal auf dem Festival zu sehen und kehrte auch dieses Jahr gerne zurück. Die ersten Zuschauerreihen lagen inzwischen im Schatten der Bühne. Jetzt, gegen 17 Uhr, ließ es sich richtig gut aushalten. Beste Voraussetzungen für Ragnaröek, die auch gleich in die Vollen gingen.

Schon beim ersten Lied zogen die Mittelalter-Rocker mit einer Feuerspuck-Einlage alle Blicke auf sich. Nur an der Treffsicherheit muss noch gearbeitet werden: Manches vom Brennspiritus landete unverbrannt auf den Fans in der ersten Reihe. Und auf meiner Kamera. Die Stimmung beim Konzert war durchgehend gut, vor der Bühne war es voll. Zwischendurch gab es auch mal eine Ballade, richtig ab gingen die Fans aber bei Klassikern wie dem „Spielmann“.

Die neue Stimme von All For Metal: Amerigo

Gegen 18 Uhr läuteten All For Metal den Abend ein. Die Heavy- und Power-Metal-Band setzt seit jeher auf zwei Sänger. Den einen hatten Hexentanz-Besucher am Vortag schon mit seiner anderen Band Asenblut gesehen. Und der andere? War brandneu! Hier und jetzt stellten All For Metal ihren neuen Co-Sänger Amerigo vor. Der Auftritt beim Hexentanz Festival war tatsächlich sein aller erstes Konzert mit der Band.

All For Metal kamen bestens an, die Zuschauer waren schnell in Fahrt. Ihr neuer Sänger Amerigo war stimmlich top und überzeugte ohne wenn und aber. Er zeigte auch keine Berührungsängste mit dem Publikum und instruierte die Leute bei „Run“ zum Circle Pit. Die Band machte auch selbst mit und zirkelte auf der Bühne munter um das Schlagzeug-Podest.

Der sehr lebhafte Auftritt war vollends gelungen. Kein Wunder also, dass das Publikum am Ende die Fragen „Hattet ihr Spaß?“ und „Sollen All For Metal zurückkommen?“ mit einem lauten ja beantwortete. In der Umbaupause folgte jetzt noch ein besonderer Programmpunkt: Nachdem am Vortag bereits ein Brautstrauß geflogen war, gab es nun einen Heiratsantrag auf der Bühne.

Melodic Death Metal als Duett: Varg

Musikalisch ging es dann mit Varg weiter. Beim Aufbau hatte sich irgend etwas hingezogen, die Melodic-Death-Metal-Band startete eine viertel Stunde nach der geplanten Zeit. Die Fans bereiteten Varg einen guten Empfang, von Anfang an sah man viel Bewegung in der Menge. Ab dem zweiten Lied wurden Varg auch von ihrer Sängerin unterstützt.

Nach einigen Liedern begann eine Pyro-Show, die fortan das Konzert untermalte. Am Feuer wurde wirklich nicht gespart, Varg machten damit beim diesjährigen Hexentanz Festival rein optisch mit am meisten her. Den ganzen Auftritt über hatte die Gruppe viele Zuschauer und erntete gute Publikumsreaktionen.

Im Vergleich zu früher hat sich die Band wirklich gemacht. Ich persönlich habe Varg zuletzt vor elf Jahren gesehen und seitdem nicht mehr verfolgt. Seit 2015 ist aber offenbar viel passiert. Ihr Sound ist deutlich besser und vielschichtiger geworden. Die Sängerin, die damals noch nicht mit dabei war, bringt dem Klangbild zusätzlich einen schönen Kontrast. Die Entwicklung der Band ist wirklich anzuerkennen.

Piraten-Folk: Mr. Hurley und die Pulveraffen

Ab 21:20 Uhr wurde es Zeit für den Tages-Headliner: Mr. Hurley und die Pulveraffen. Die Folk-Band mit Piraten-Thematik zog viele Leute an, vor der Bühne war es proppenvoll. Ihr Fans ließen sich nicht lange bitten und sangen ab dem ersten Lied lauthals mit.

Zwischen den Liedern erzählten Mr. Hurley und die Pulveraffen ihren Fans irgend einen Unsinn oder unterhielten sie mit anderen komödiantischen Einlagen. Die gelegentlichen Stärkungen der Band mit Pfefferminzlikör wurden sogar von einem eigenen Jingle untermalt.

Wenn die Folk-Piraten nicht gerade irgendwelche Instruktionen gaben (zum Beispiel den Circle Pit nur für Frauen bei „Zu Fuß“), dann tanzten, klatschten, hüpften und sangen die Fans wild durcheinander. Die Piraten-Party von Mr. Hurley und die Pulveraffen wurde zum waschechten Mitmach-Konzert. Und so neigte sich der zweite Festivaltag dann auch schon dem Ende zu.

 

Fazit und Ausblick

Den dritten Festivaltag mit unter anderem Schandmaul und Fiddler’s Green habe ich nicht mehr mitgenommen. Ein Fazit gibt es trotzdem.

Das Hexentanz Festival 2026 war mal wieder ein sehr gelungener Saisonauftakt. Die Bands waren stark, die Stimmung gut – und dazu kam noch Wetterglück wie selten. Es war ein glückliches Jahr für diese Veranstaltung, die irgendwie ein Unikum in der Festivallandschaft ist: Immer eines der frühesten Open Airs im Jahr, immer eine sehr bunt gemischte Bandauswahl. Und natürlich auch: Immer ein Kern an Stammgästen, von denen man manche schon seit vielen Jahren auf dem Festival sieht. Doch egal ob Stamm- oder Neugast: Spaß hatten alle.

Die Warteschlange am Einlass

Zum Thema Veranstaltungsort: Burg Lichtenberg ist mehr als eine landschaftlich schöne Kulisse. In seinem zweiten Jahr auf der Burg hat sich das Festival hier nun ein Stück weit etabliert. Es bleibt auch festzuhalten, dass die zwei Jahre auf Burg Lichtenberg zwei besucherstarke Jahre waren. Dazu trägt sicher auch die verkehrsgünstige Lage im Zentrum von Saarland und Rheinland-Pfalz bei.

Damit spricht alles, aber auch wirklich alles dafür, das Hexentanz Festival auf der Burg zu belassen. Auf den ersten Bandbestätigungen für 2027 steht auch tatsächlich wieder Burg Lichtenberg. Die einzigen Tickets, die man aktuell für 2027 kaufen kann, sind aber wieder die „Hexenbesen“-Tickets ohne Ortsbindung. Schlussfolgerung: Hexentanz-Veranstalter Frank Schulz will mit dem Festival auf der Burg bleiben, hat dafür aber noch keine verbindliche Zusage erhalten.

Also Hexentanz-Fans: Daumen drücken für den Standort Burg Lichtenberg! Sobald sich in der Sache etwas getan hat, erfahrt ihr es hier auf dark-festivals.de .

 

Bericht: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de