Castle Rock Festival 2015 – Festivalbericht

Am 3. und 4. Juli fand auf Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr bereits zum 16. Mal das Castle Rock Festival statt. 16 Mal Castle Rock Festival – das ist auch ein reichhaltiger Fundus an allerlei möglichen und unmöglichen Geschichten. Trotz der zahlreichen Auflagen der Veranstaltung hat das diesjährige Castle Rock einen denkwürdigen Platz in der Festival-Historie schon jetzt sicher.

So wird man nicht nur wegen der elf abwechslungsreichen Bands an diese zwei Tage in Mülheim zurückdenken, sondern auch wegen der besonderen klimatischen Verhältnisse. Das Festival fand dieses Mal nämlich inmitten einer ausgewachsenen Hitzewelle bei teils mehr als 35 °C statt. Einen Rückblick auf die beiden Festivaltage enthält dieser Bericht.

Link zu den Fotos

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Kleine Abkühlung gefällig?

Tag 1 – Freitag, der 03.07.2015

Der Wetterbericht hatte nicht zu viel versprochen: Obwohl der Einlass in den Innenhof von Schloss Broich erst um 17 Uhr erfolgte, lagen die Temperaturen selbst zu diesem Zeitpunkt noch deutlich über 30 °C.

Die Festivalleitung hatte jedoch bereits Vorsorge getroffen und auf die sengende Hitze vorbildlich reagiert. So stand auf dem Festivalgelände eine Wasserstelle bereit, an der sich jeder kostenfrei und über die gesamte Festivaldauer hinweg mit Wasser versorgen konnte. Anstatt mit den Getränkeständen einen Reibach zu machen stand also ganz klar das Wohl der Festivalbesucher im Vordergrund.

Musikalisch eröffnet wurde das Festival in diesem Jahr um 17:30 Uhr von Aeon Sable. Die vier Musiker boten ruhigeren Gothic Rock, wobei das Schlagzeug vom Band kam. Zwar waren die Zuschauer aufgrund der Hitze etwas bewegungsfaul, die Publikumsreaktionen auf Aeon Sable waren aber durchaus gut. Als Eröffnungs-Band erwies sich die Gruppe mit ihrer 40-minütigen Show jedenfalls als voll tauglich.

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Gothic Rock zum Anfang: Aeon Sable

Wer das Castle Rock Festival kennt wird wissen, dass jedes Jahr auch eine Symphonic-Metal-Band mit von der Partie ist. Dieses Mal kam diese Rolle Visions of Atlantis zu, mit denen es ab 18:30 Uhr weiterging. Im Vergleich zu Xandria oder Delain, die diese Position in den Vorjahren innehatten, fielen die Österreicher vor allem mit einem wesentlichen Unterschied auf: Bei Visions of Atlantis gibt es nicht nur eine Sängerin, sondern zusätzlich auch noch einen Sänger.

Die Zweistimmigkeit der Gruppe kam ebenso gut an wie ihr abwechslungsreiches Set, das auch eine Ballade und diverse alte Stücke enthielt. Bei ihrem Abschied gegen 19:10 Uhr erhielt die Band dann nicht nur großen Applaus, sondern sogar einzelne (wenn auch nicht erfolgreiche) Zugabe-Rufe.

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Zweistimmig: Visions of Atlantis

20 Minuten später – so langsam waren auch die Temperaturen erträglich geworden – trat dann Michael Bohnes auf die Bühne, der Leiter des Veranstaltungsteams. Bohnes begrüßte die Festivalbesucher und erläuterte noch einmal die Absage von Beloved Enemy. Die Gothic-Rock-Band hatte rund eine Woche zuvor ihre Teilnahme am Festival absagen müssen, da ihr Bandmitglied Peter Pathos schwer erkrankt ist.

Michael Bohnes überbrachte nun Peter Pathos seine Genesungswünsche und bedankte sich ausdrücklich bei Megaherz, die kurzfristig als Ersatz eingesprungen waren. Mit den NDH-Rockern ging es dann auch gleich weiter. Megaherz betraten mit „Zombieland“ die Bühne und die Fans bereiteten ihnen einen schwungvollen Empfang. Im Innenhof von Schloss Broich war es nun richtig voll.

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Viel mehr als nur ein Ersatz: Megaherz

Die Band um Sänger Lex bot eine schwungvolle Show, die mit Nebelsäulen auf der Bühne untermalt wurde. Zu Stücken wie „Mann im Mond“, „Gegen den Wind“ oder „Jagdzeit“ klatschten und sangen die Fans fleißig mit. Auch die Rock-Ballade „Für immer“ kam ausgesprochen gut an. Zum Abschluss holten Megaherz dann mit „Miststück“ und einigen Feuer-Effekten noch einmal alles aus ihrem Publikum heraus. Um 20:25 Uhr verabschiedeten Megaherz sich dann unter tosendem Applaus.

Kurz nach 20:45 Uhr stand mit Poisonblack dann der Headliner des Tages auf der Bühne. Die Band machte keine großen Worte, legte gleich voll los und bot den Anwesenden eine kernige Rock-Show. Flankiert von gelegentlichen Pyro-Effekten nahmen die Finnen ihr Publikum gut mit und gaben ein souveränes Konzert.

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Poisonblack rockten souverän

Trotz Headliner-Position spielten Poisonblack jedoch vor etwas weniger Publikum als Megaherz. Die Absage von Beloved Enemy und das Einspringen von Megaherz hatte dafür gesorgt, dass mit Megaherz eine Band vor dem Headliner spielte, die hier in Deutschland mehr Zugkraft hat als der Headliner selbst.

Dass nun also etwas weniger Zuschauer vor der Bühne standen tat jedoch weder dem Auftritt von Poisonblack noch der Stimmung ihrer Fans einen Abbruch. Im Gegenteil: Poisonblack hielten ihr Publikum durchgehend bei der Stange und gaben mit „Rush“ und einigen Pyro-Effekten auch noch eine feurige Zugabe. Um 22 Uhr ging der erste Festivaltag dann zu Ende – bei noch immer um die 28,5 °C!

 

Tag 2 – Samstag, der 04.07.2015

Für den zweiten Festivaltag waren bis zu 40 °C gemeldet worden. Die wurden zwar nicht ganz erreicht, erbarmungslos heiß war es aber trotzdem. Schon um 11 Uhr morgens wurden in Mülheim 33 °C gemessen. Dass die Festivalbesucher schon beim Einlass um 12:15 Uhr mächtig ins Schwitzen kamen brauche ich da wohl nicht mehr zu erwähnen – und knapp zehn Stunden Festival standen da ja erst bevor!

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Aeverium eröffneten den Festivaltag mit Nachdruck

Festivalchef Michael Bohnes bewaffnete sich dann auch schon gleich zur Einlasszeit mit einem Wasserschlauch und sorgte persönlich für Abkühlung. Das Konzert von Aeverium ab 13 Uhr verfolgten die meisten der Anwesenden dann aber doch lieber aus dem Schatten heraus. Trotz etwas lichter Reihen vor der Bühne war die Stimmung jedoch durchgehend gut.

Die moderne Metal-Band mit Sängerin und Sänger legte sich voll ins Zeug und zündete dann auch noch Feuereffekte. Feuereffekte!? Ja, in der Tat! Warum man a) am helllichten Tag, b) als erste Band des Tages und c) bei weit über 30 °C auch noch Feuersäulen braucht erschloss sich vielleicht nicht jedem. Die Aufmerksamkeit des Publikums war Aeverium damit aber gewiss.

Die Band überzeugte die Festivalbesucher aber nicht nur optisch sondern auch musikalisch. So nutzten Aeverium ihre 40 Minuten Spielzeit für ein rundum gelungenes Konzert, das vollen Anklang fand.

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Dark Rock im prallen Sonnenschein: Vlad In Tears

Das Thermometer kletterte unterdessen weiter, sodass sich auch bei Vlad In Tears der größte Teil es Publikums im Schatten aufhielt. Anfangs harrten nur einige treue Fans der Dark-Rocker in der prallen Sonne aus, durch Einsatz des Wasserschlauchs konnten aber zumindest vorübergehend weitere Konzertbesucher vor die Bühne gelockt werden.

Trotz der Hitze hatte das Publikum jedoch durchgehend Spaß mit Vlad In Tears. Die Band ging mit viel Spielfreude an die Sache und riss ihre Fans gut mit. Bei ihrem Abschied kurz nach 14:45 Uhr erntete sie dementsprechend Applaus.

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Horrorpunkt statt Hitzeschlag: The Other

Bei The Other trauten sich nun etwas mehr Menschen vor der Bühne, wobei erneut auch der Wasserschlauch Überzeugungsarbeit leistete, der fortan fast im Dauerbetrieb sein sollte. Die Horrorpunks kamen mit Songs wie „Back to the Cemetery“ oder „Puppet on a String“ gut an und hatten mit „Castle Rock“ sogar das passende Lied zum Festival im Gepäck. Nach „Lovers Lane“ als letztem Stück verließen The Other dann kurz nach 15:50 Uhr die Bühne.

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Heldmaschine konnten sich auf ihre Fans verlassen

Um 16:20 Uhr war es dann Zeit für Heldmaschine und vor der Bühne füllte es sich zusehends. Als die Band mit „Radioaktiv“ die Bühne betrat, bereiteten ihr die Anwesenden sogleich einen guten Empfang. Offensichtlich befanden sich einige treue Heldmaschine-Fans im Publikum, die nicht nur gut mitgingen sondern auch textsicher waren.

Während der Wasserschlauch weiter die Menge beregnete drehten Heldmaschine mit Liedern wie „Kreuzzug“ weiter auf. Mit „Propaganda“ fand ihr Auftritt dann kurz nach 17 Uhr unter großem Jubel sein Ende.

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Whispers In The Shadow kamen nur mittelmäßig an

Eine halbe Stunde später war bei Whispers In The Shadow vor der Bühne deutlich weniger los. In der gesunkenen Zuschauerzahl spiegelten sich auch die Publikumsreaktionen wieder. So bekamen die Österreicher durchaus Applaus, wirkliche Begeisterung suchte man aber vergebens.

Auch im Verlauf ihres Konzerts schaffte es die Band nicht mehr, die Anwesenden wirklich mitzureißen. Geklatscht wurde nach wie vor, viel mehr aber auch nicht. Es mag dabei wohl eine Rolle gespielt haben, dass Whispers In The Shadow als ruhige Gothic-Rock-Band mit Wave-Einschlag die defensivste und langsamste Band des Tages waren. Bei drückender Hitze wollte der Großteil der Festivalbesucher wohl zumindest von der Bühne ein wenig Schwung haben.

Die Temperaturen in Mülheim sanken nun langsam wieder auf ein erträgliches Niveau ab und auch der pralle Sonnenschein war überstanden. Beste Voraussetzungen also für Staubkind, die gegen 18:55 Uhr die Bühne betraten. Schlagartig füllte sich der Innenhof des Schlosses nun mit Menschen und die Fans bereiteten Staubkind einen fulminanten Empfang.

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Staubkind wussten zu begeistern

Die Berliner Rocker hatten dann auch keine Mühe ihr Publikum zu begeistern. Staubkind animierten die Menge zum Mitmachen und der gesamte Innenhof klatschte auf Kommando mit. Zu einigen Liedern gab es noch gesonderte Ansagen und manche Titel wie „Warum“ konnten die treuen Fans textsicher mitsingen.

Um 19:30 Uhr – eigentlich die Zeit, zu der auf Festivals die Jacken aus dem Rucksack gezerrt werden – griff Sänger Louis Manke dann zum Wasserschlauch um seinen Anhängern eine Abkühlung zu verschaffen. Die übrigen Bandmitglieder waren mit Wasserpistolen ausgerüstet und halfen tatkräftig mit. Womit die Band nicht gerechnet hatte: Auch im Publikum hatten einige Fans Wasserpistolen und spritzten fleißig zurück.

Nach der Wasserschlacht wurde passender Weise „Durch den Regen“ gespielt. Bei „Angekommen“ flogen dann Luftballons in die Menge. Seinen Abschluss fand der Auftritt schließlich um 20 Uhr mit „Wunder“ und dem tosenden Applaus der Staubkind-Fans.

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Joachim Witt überzeugte vollends

Eine halbe Stunde später war es vor der Bühne erneut proppenvoll. Die Fans warteten auf Joachim Witt, den Headliner des diesjährigen Castle Rock Festivals. Witt, einst ein Star der Neuen Deutschen Welle, später Rockmusiker der Neuen Deutschen Härte und mittlerweile auch im Electro-Pop beheimatet, wurde rauschend empfangen.

Der Musiker – Jahrgang 1949 – bot den Anwesenden zusammen mit seinen drei Instrumentalisten eine abwechslungsreiche Setliste mit Stücken aus verschiedenen Jahrzehnten. Das Publikum klatschte fleißig mit und war durchgehend gut dabei.

Falls Zweifel bestanden, ob Joachim Witt mit den starken Headlinern der vergangenen Jahre mithalten konnte, räumte er diese nun aus. Witt zeigte sich in bester Verfassung und hielt seine Zuschauer gute anderthalb Stunden lang voll bei der Stange. Nach dem Klassiker „Die Flut“ verbeugten sich Witt und seine Mitmusiker und verließen die Bühne.

Sofort brandeten Rufe nach einer Zugabe auf. Die kam dann in Form von „Supergestört und Superversaut“, „Eisenherz“ und Witts ewigem Hit „Goldener Reiter“. Beim „Goldenen Reiter“ sang das gesamte Schloss lauthals mit während auf und über der Bühne Pyro-Effekt gezündet wurde. Doch die Festivalbesucher hatten noch nicht genug. Als zweite Zugabe spielte Witt dann noch den „Herbergsvater“ bevor er gegen 22:15 Uhr – bei immer noch etwa 29 °C – Abschied von seinem begeisterten Publikum nahm.

 

Zusammenfassend war das Castle Rock Festival auch 2015 wieder eine mehr als gelungene Veranstaltung, die sich den festen Platz im Festivalkalender ihrer Fans redlich verdient hat. Die diesjährige Festivalauflage wird den Besuchern wegen toller Stimmung trotz unglaublicher Temperaturen sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Ich bin mir sicher, dass es dem Großteil der Besucher geht wie mir: Wir kommen gerne wieder!

 

Bericht: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de

 

 

2 Gedanken zu „Castle Rock Festival 2015 – Festivalbericht

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