Burgfolk Festival 2015 – Festivalbericht

Das Castle Rock Festival und das Burgfolk Festival sind die beiden Szene-Open-Airs, die jährlich auf Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr ausgerichtet werden. Nachdem Anfang Juli bereits die diesjährige Auflage des Castle Rock Festivals über die Bühne ging, fand am 14. und 15. August wieder das Burgfolk Festival statt.

Mit dabei waren elf Bands, die hauptsächlich in den Bereichen Folk Rock und Mittelalter Rock beheimatet sind. Einen Rückblick auf die Veranstaltung enthält dieser Festivalbericht.

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Burgfolk Festival

Tag 1 – Freitag, der 14.08.2015

Während das Castle Rock Festival einige Wochen zuvor inmitten einer denkwürdigen Hitzewelle stattfand, herrschten auf dem diesjährigen Burgfolk Festival deutlich angenehmere Rahmenbedingungen. Anstatt wie beim Castle Rock im eigenen Saft zu schmoren fanden die Festivalbesucher beim Burgfolk nun Temperaturen um die 25 °C vor.

Es war also sehr angenehm und dazu noch trocken – perfektes Festivalwetter! Beste Bedingungen also für Circle J., die das Festival um 17:30 Uhr eröffneten. Von der Band, die Folk Rock der irischen Prägung darbot, kann ich euch leider keine Fotos präsentieren. Aufgrund der mal wieder verstopften Autobahnen in Nordrhein-Westfalen kam ich erst nach ihrem dritten Lied auf Schloss Broich an – und fotografiert wird nur während der ersten drei Stücke jeder Band.

Beim Auftritt der Grund war es im Innenhof des Schlosses noch nicht proppenvoll, für eine Eröffnungsband war der Besucherandrang aber durchaus ordentlich. Circle J. zeigten sich als voll taugliche Opener und legten eine schwungvolle Show hin. Bei ihrem Abgang um 18:10 Uhr gab es dementsprechend Applaus.

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Kreuzritter mit Electro-Beats: Heimataerde

20 Minuten später folgte mit Heimataerde eine der optisch aufwändigsten Bands des Festivals. Die Gruppe, die einen Crossover aus Electro und Mittelaltermusik spielt, hat sich vollends der Kreuzritter-Thematik verschrieben. Bei der entsprechenden Bühnenshow wird viel für das Auge geboten und auch nicht mit Kunstblut gespart. Schalmeispieler Ansgar sorgte beim Stück „Dein Opfer“ persönlich dafür, dass die Zuschauer in der ersten Reihe genug davon abbekamen.

Vor der Bühne füllte es sich mittlerweile und zu Liedern wie „Bruderschaft“ oder „Kaltwaerts“ gingen die Fans gut mit. Nach „Dark Dance“ verabschiedeten sich Heimataerde um 19:10 Uhr. Auf Zugabe-Rufe wurde im Angesicht des Zeitplans nicht eingegangen. Insgesamt lieferten Heimataerde auf Schloss Broich eine wirklich gelungene Show, ausgerechnet „Templerblut“ – eines ihrer beliebtesten Lieder – blieben sie ihren Fans aber schuldig.

Um 19:30 Uhr richtete dann Festivalorganisator Michael Bohnes ein Grußwort an die Burgfolk-Gäste. Danach war es an der Zeit für Celtica, die einzige instrumentale Band des Festivals. Zu ihren energiegeladenen Stücken mit einer Geige und zwei Dudelsäcken war das Publikum sofort voll bei der Sache. Die Fans waren in Feierlaune und kein Fuß blieb ruhig stehen.

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Dudelsäcke auf Hochtouren: Celtica

Gegen Ende ihres Auftritts begeisterten Celtica die Menge dann mit diversen Medleys. In denen brachten die Dudelsack-Rocker von klassischer Musik über Lieder von AC/DC bis hin zu Filmmusik aus Star Wars oder Fluch der Karibik alles nur Erdenkliche unter. Die Fans feierten die Band und riefen bei deren Abgang gegen 20:30 Uhr auch direkt nach mehr. Der Zeitplan, der ohnehin schon etwas überzogen war, ließ jedoch keinen Raum für eine Zugabe.

Gegen 21 Uhr war es an der Zeit für Tages-Headliner Tanzwut. Die Mittelalter-Rock-Band, die zuletzt 2013 mit ihrem Akustikprogramm auf dem Burgfolk Festival zu sehen war, spielte nun (manche würden sagen: endlich) mit ihrer Rock-Show in Mülheim. Mit „Brot und Spiele“ betrat die bunte Truppe die Bühne und die Stimmung im Publikum war gleich gut.

Auch weitere Stücke des aktuellen Albums „Freitag der 13.“ wie zum Beispiel „Spiegelkabinett“ waren zu hören. Diese neuen Stücke kannte vielleicht noch nicht jeder, doch spätestens bei Klassikern wie „Ihr wolltet Spaß“ machten alle mit. Zu einzelnen Liedern wie dem „Rückgratreißer“ fuhren Tanzwut passende Requisiten auf und beim „Merseburger Zauberspruch“ griffen auch Bassist Zwilling und Sänger Teufel zu den Dudelsäcken. Zwei Dudelsackspieler hat die Band ohnehin schon auf der Bühne, sodass das Publikum nun die volle Dröhnung von vier Sackpfeifen abbekam.

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Mittelalter Rock mit dem Teufel: Tanzwut

Nach „Nein Nein“ verbeugte sich die Band, woraufhin sofort Zugabe-Rufe laut wurden. So spielten Tanzwut auch noch ein instrumentales Stück und formten am Ende mit ihren leuchtenden Trumscheiten das Tanzwut-Logo. Gegen 22:20 Uhr traten Tanzwut dann unter dem Applaus der Menge ab.

Der Besucherandrang – dies wurde gerade bei der Headliner-Show von Tanzwut sichtbar – war am ersten Festivaltag voll in Ordnung, bei früheren Auflagen des Festivals aber mitunter noch etwas stärker. Spaß hatten alle Anwesenden trotzdem!

 

Tag 2 – Samstag, der 15.08.2015

Mit sieben von elf Bands stand der größte Teil des Burgfolk Festivals am Morgen des zweiten Festivaltags noch bevor. Beim Einlass um 12:15 Uhr erwartete die Besucher wie bereits am Vortag optimales Festivalwetter: Angenehm warm aber nicht zu heiß.

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Irischer geht kaum: The O’Reillys & The Paddyhats

Musikalisch ging es um 13 Uhr mit The O’Reillys & The Paddyhats los. Man brauchte nicht zwei mal hinzusehen um festzustellen, dass bei der Folk-Rock-Band alle Zeichen auf Irland stehen. Zu Beginn des Konzertes traten zwei Personen in Leprechaun-Kostümen vor die Menge und schwenkten Irland-Fahnen. Die Band selbst war mit Karohemden und Schiebermützen ausgestattet und passte ebenfalls ins Bild. Der Sound der Gruppe klang ungefähr genau so wie man sich ihn nach dieser Beschreibung nun vorstellt.

Bei ihrem zweiten Stück „No Money“ trat dann noch ein Stepptänzer mit auf die Bühne. Hätte es keine deutschsprachigen Ansagen an das Publikum gegeben, hätte man der Band sofort abgenommen, direkt von der grünen Insel eingeflogen worden zu sein. Ihr Konzert war sehr lebhaft und kam gut an. Trotz noch etwas lichter Besucherreihen um diese Uhrzeit war die Stimmung durchgehend gut.

Um 13:40 Uhr verabschiedeten sich The O’Reillys & The Paddyhats, doch schon 25 Minuten später legte die nächste Folk-Rock-Band los: Punch ’n‘ Judy. Danke einer hellwachen Show, Akkordeon und einem wild auf der Bühne herumhüpfenden Sänger konnte man sich der Gruppe kaum entziehen. Punch ’n‘ Judy legten einen gelungenen Auftritt hin und konnten sich nach Ende ihrer 40-minütigen Spielzeit dem Applaus der Zuschauer sicher sein.

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Festivalveranstalter Michael Bohnes

Nach diesen zwei flotten Bands und der Begrüßung durch Michael Bohnes ging es nun etwas ruhiger weiter. Ab 15:10 Uhr stand nämlich Die Kammer auf der Bühne. Hierbei handelt es sich um ein akustisches Klassik-Ensemble mit einer Düsternote und gelegentlichen Folk-Einflüssen.

Ausgestattet mit zwei Mal Gesang und Gitarre, einer Tuba, einem Schlagzeug und drei Musikern mit Streichinstrumenten zog die Band die Fans der etwas ruhigeren Töne in ihren Bann. Trotz oder vielleicht gerade weil vorher zwei Gruppen mit viel Vortrieb spielten, kam Die Kammer mit ihrem ebenso entspannten wie markanten Klangbild gut beim Publikum an.

Ab 16:20 Uhr wurde es auf Schloss Broich dann sehr piratig. Hierfür sorgten Vroudenspil mit ihrer Freibeuter-Optik. Die Band steht für Folk- beziehungsweise Mittealter Rock mit einer Rhythmik, die an Polka oder Ska erinnert. Vor der Bühne füllte es sich nun und die Fans schwangen zu den Klängen von Schalmei, Akkordeon, Dudelsack und verschiedenen Flöten das Tanzbein.

Mit Liedern wie „Reise nach Tortuga“, „Meute toter Narren“ oder dem „Plankentango“ ernteten Vroudenspil nicht nur gute Publikumsreaktionen, sondern bei ihrem Abschied gegen 17:10 Uhr auch die ersten Zugabe-Rufe des Tages. Auf die konnte allerdings nicht weiter eingegangen werden, schließlich sollten noch drei Bands folgen.

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Piraten auf Landgang: Vroudenspil

Als nächstes waren Feuerschwanz an der Reihe. Die Band, die Mittelalter Rock mit Comedy verbindet, trat um 17:35 Uhr mit „Aufs Leben“ auf die Bühne. Ihre Fans bereiteten den Spaßmachern einen guten Empfang und vor der Bühne war es nun richtig voll. Die Menge war in Feierlaune und konnte zahlreiche Feuerschwanz-Lieder problemlos mitsingen.

Bekannt sind Feuerschwanz auch für ihre Miezen, die Animationsdamen im knappen Katzenkostüm. Von denen war in Mülheim nur eine mit von der Partie, die Aufmerksamkeit gerade männlicher Fans konnte sie aber auch ohne ihre Kolleginnen auf sich ziehen. Bei „Herz im Sturm“ griffen Feuerschwanz zudem in die Requisitenkiste, stellten eine kleine Burg auf und baten eine Zuschauerin auf die Bühne.

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Met und Miezen: Feuerschwanz

Die kunterbunten Unterhalter nahmen ihre Fans gut mit und sorgten durchgehend für Stimmung. Als einziges ernsthaftes Lied wurde die Ballade „Auf Wiedersehn“ gespielt, die ebenfalls gut aufgenommen wurde. Gegen 18:35 Uhr verließen Feuerschwanz unter dem tosenden Applaus und den Zugabe-Rufen ihrer Fans die Bühne.

In der nun folgenden Umbaupause schien das Wetterglück Schloss Broich zu verlassen. Bisher war das Wetter tadellos, jetzt regnete es sich richtig ein. Omnia begannen ihr Konzert dann um 19 Uhr vor einem pitschnassen Publikum bei anhaltendem Regen. Die Fans der niederländischen Folk-Band konnte das aber keineswegs von der Bühne fernhalten. Mit Capes und Schirmen ausgestattet begrüßten sie die Gruppe herzlich.

Die Laune der Zuschauer war von Anfang an bestens, bald hörte dann auch der Regen auf. Eingefleischte Fans kannten die Texte von Omnia offensichtlich in- und auswendig. Bei Liedern wie „I Don’t Speak Human“ oder „Earth Warrior“ sangen sie fleißig mit. Ihre gute Stunde Spielzeit füllten Omnia mit einem rundum gelungenen Konzert und ernteten dementsprechend positive Publikumsreaktionen.

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Omnia trotzten dem Regen

Der Jubel am Ende ihres Auftritts war enorm. Bei der Spielzeit wurde dann auch ein Auge zugedrückt, damit die Blumenkinder noch eine Zugabe spielen konnten. Zum Abschluss des diesjährigen Burgfolk Festivals wurde es dann ab 20:30 Uhr bunt, laut und schräg. Für diese drei Attribute standen die Tages-Headliner Russkaja. Die Band aus Österreich verbindet Folk Rock mit Ostblock-Sound und Polka-Beats.

Zunächst traten nur die Instrumentalisten der Band auf die Bühne und spielten ein Intro. Erst danach kam Sänger Georgij hinzu und mit „Rock ’n Roll Today“ ging es richtig los. Der Empfang, den das Publikum der Band bereitete, war dabei schlichtweg grandios. Die Menge ließ sich mitreißen und auf Kommando der Band sprang der ganze Schlossinnenhof auf und ab.

Zum „Psycho Traktor“ tanzten die Fans im Kreis, es gab kaum noch ein Halten. Russkaja setzten dabei auf zahlreiche Stücke von ihrem neuen Album „Peace, Love & Russian Roll“ aber auch auf bekannte ältere Stücke wie „Energia“. Die Energie schien auch die Fans nicht zu verlassen, denn die Zuschauer tanzten kreuz und quer über den Platz. Im Getümmel kam hier und da auch mal jemand zu Fall, wenn nötig waren die anwesenden Sanitäter aber gleich zur Stelle.

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Bunt, laut und schräg: Russkaja

Für die meisten der Zuschauer wurde das Konzert zur riesigen Gaudi. Sehr gut kam dabei auch Russkajas Cover von Aviciis „Wake Me Up“ an. Hervorzuheben ist auch ein langes Geigen-Medley. Insgesamt lieferten Russkaja in Mülheim wirklich großes Entertainment ab. Die Publikumsreaktionen waren dabei noch deutlich besser als beim Vortags-Headliner Tanzwut. So bescherten Russkaja dem diesjährigen Burgfolk Festival einen wahrhaft würdigen Abschluss.

Insgesamt präsentierte sich das Burgfolk Festival auch 2015 wieder als eine lohnende und hochkarätige Veranstaltung, die sich auch vor größer dimensionierten Festivals nicht zu verstecken braucht. Bis zum nächsten Mal!

 

Bericht: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de

 

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