Castle Rock Festival 2012 – Festivalbericht

Das Castle Rock Festival in Mülheim an der Ruhr hat sich über Jahre
hinweg zu einer festen Größe der Szene entwickelt. Am 6. und 7. Juli
2012 fand das Open Air schon zum 13. Mal statt. Austragungsort war
wie gewohnt das Schloss Broich.

Auf dem Plan standen elf Bands
verteilt über zwei Tage. Die auftretenden Gruppen deckten eine
Bandbreite von Mittelalter Rock über Metal bis hin zu Gothic ab. Als
Headliner konnten Mono Inc. und ASP für das Festival gewonnen werden.

Eindrücke der beiden Festivaltage hält dieser Bericht fest.

Burgen und Schlösser liegen ja meistens nicht gerade an Verkehrsknotenpunkten. Viele dieser Bauwerke findet man irgendwo im Wald, auf Felsvorsprüngen oder Anhöhen oder zumindest in einer verwinkelten Altstadt. Schloss Broich bildet da die Ausnahme. Das rund 1.100 Jahre alte Gemäuer liegt nämlich mitten in der Stadt – direkt an einer Hauptverkehrsstraße. Damit ist Schloss Broich sehr gut zu erreichen und definitiv
festivaltauglich.

Das erwies sich in diesem Jahr wieder einmal als Vorteil, denn die Besucher strömten in großer Zahl herbei. Eine Woche vor Festivalbeginn hatten die Veranstalter für den Freitag mit vier Bands über 1.000 verkaufte Eintrittskarten gezählt. Für den Samstag mit sieben Bands waren es sogar 1.400. Schon zu Beginn des Festivals war der Innenhof des Schlosses gut gefüllt.

Das freute vor allem Schwarzer Engel, denn die eröffneten am Freitag um
17:30 Uhr die Veranstaltung. Die Band, die musikalisch irgendwo zwischen Gothic
Rock und Dark Metal pendelt, legte aber erstmal einen holprigen Start hin. Am
Anfang ihres Auftritts war nämlich der Gesang total untergemischt und kaum zu
verstehen.

Bald war das Problem aber unter Kontrolle und Schwarzer Engel gingen
druckvoll und mit viel Elan zur Sache. Ganz wurden sie ihre technischen
Schwierigkeiten jedoch nicht los, denn ein paar Lieder weiter brach ihnen das
Intro ab. Trotzdem zeigten sich Schwarzer Engel als taugliche Opener und nahmen
ihre Fans gut mit. Insgesamt legte die Gruppe einen ordentlichen, wenn auch
nicht überragenden Auftritt hin.

Um 18:35 Uhr ging es mit The Beauty of Gemina weiter. Die Gothic-Rocker aus der Schweiz rissen schon gleich zu Beginn ihr Anhänger mit, begeisterten zunächst aber nicht alle Besucher des Festivals. Vom musikalischen Konzept her sind The Beauty of Gemina eher ruhig ausgelegt und sicher keine Hitmaschine. So braucht die Musik der Band immer eine gewisse Einarbeitungszeit – dann wirkt sie aber auch.

Das sah man auch auf Schloss Broich sehr schön, denn mit der Zeit nahmen die
Schweizer immer mehr der Konzertgäste für sich ein. Mit dem „Shadow
Dancer“ und seinem schmissigen Schlagzeug war das Eis dann endgültig
gebrochen. Gewissermaßen „auf den zweiten Blick“ kamen The Beauty of
Gemina richtig gut an und wurden um 19:15 Uhr mit gebührendem Applaus
verabschiedet.

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Bei Tanzwut ist der Teufel los

Ab 19:40 Uhr standen dann Tanzwut auf der Bühne, die so etwas wie
Einarbeitungszeit gar nicht zu kennen scheinen. Die Mittelalter-Rocker traten
mit „Weiße Nächte“ vor die Menge und wurden gleich mit Jubel
empfangen. Mit ihrem bunten Set aus aktuellen Titeln („Wie Phönix aus der
Asche“) und Klassikern („Ihr wolltet Spaß“) sorgten die Band
durchgehend für gute Stimmung.

Die Besetzung von Tanzwut wich dabei leicht von ihrer sonstigen Norm ab.
Fans der Band hatten gleich erkannt, dass der Dudelsackspieler Ardor fehlte.
Dieser konnte aufgrund einer Erkrankung nicht auftreten. An seiner Stelle stand
Ersatzmann Pyro auf der Bühne, der seine Aufgabe souverän erledigte. Für ihren
Festival-Auftritt hatten Tanzwut noch einige besondere Showelemente im Gepäck.
So stellte die Band beim „Rückgratreißer“ einen Galgen voller
Wirbelsäulen auf die Bühne.

Zum Abschluss holten Tanzwut mit „Folge deinem Herzen“ und
„Lügner“ noch mal alles aus ihren Fans heraus. Um 20:35 Uhr
verabschiedeten sie sich dann und gaben die Bühne zur Umbaupause frei.

Headliner Mono Inc. traten dann um 21:05 Uhr vor die
Festivalbesucher. Die bereiteten ihnen einen grandiosen Empfang. Bei „This
Is The Day“, „Temple Of The Thorn“ und „Comedown“
herrschte gleich Hochstimmung. Die Menge ging von Anfang an voll mit. Hierbei
muss man sich vor Augen führen, dass Mono Inc. noch vor fünf Jahren praktisch
Newcomer-Status hatten. Was diese Gothic-Rock-Band in wenigen Jahren erreicht
hat ist wirklich bemerkenswert.

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Mono Inc. liefen zur Hochform auf

Auch in Mülheim stellten Mono Inc. unter Beweis, dass sie ihrer
Headliner-Rolle ohne jede Einschränkung gerecht werden. Zunächst einmal hatten
die Hamburger aber mit dem Wetter zu kämpfen. Nach 15 Minuten Spielzeit fing es
nämlich erst an zu tröpfeln, dann setzte bei „Viva Hades“ aber ein
richtiger Platzregen ein. Ein Teil der Fans flüchtete nun erstmal in das
Schlossgebäude. Einige Minuten später war der Regen dann wieder vorbei und vor
der Bühne feierten die Festivalbesucher in bester Laune weiter.

Mono Inc. verstanden es dabei, ihr Publikum stets an sich zu binden und in
Bewegung zu halten. Mit „Arabia“ ließen sie außerdem ein Stück ihres
kommenden Albums „After The War“ Premiere feiern. Das Titelstück des
kommenden Albums sollte dann das letzte Lied im Set werden. Damit mobilisierten
Mono Inc. die letzten Kräfte ihrer Fans und feuerten während des Stücks einige
Pyrotechnik ab.

Um 22:25 Uhr verabschiedete sich die Band, wurde aber von den Zugabe-Rufen
ihrer Fans zurück auf die Bühne geholt. Die gab es in Form von „Get Some
Sleep“. Danach war endgültig Schluss und ein gelungener erster Festivaltag
ging dem Ende zu.

Das Programm des zweiten Festivaltages begann um 13 Uhr mit Hämatom.
Vor vollem Haus servierte die Band ihren kernigen Deutschrock in einer dermaßen
energiegeladenen Show, dass es am Ende sogar Zugabe-Rufe gab. Bei einer Band,
die als Opener spielt, ist das alles andere als gewöhnlich. Hämatom aber nahmen
die Menge sofort für sich ein. Ihre Mischung aus hartem, direktem Rock, einer
schwungvollen Darbietung und guten Spielfertigkeiten war genau das richtige zum
wach werden.

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In Legend kommen ohne Gitarren aus

Weiter ging es um 14:05 Uhr mit In Legend. Die Metal-Band mit den
zwei Klavieren begann ihre Show bei leichtem Nieselregen, spielte aber bald im
prallen Sonnenschein. Ihren Fans war das Wetter ohnehin gleichgültig, denn die
gingen schon ab dem ersten Stück voll mit. Auch jene Konzertgänger, denen die
ungewöhnliche Truppe noch neu war, zeigten sich interessiert und nahmen ihren
Anteil an der Show. Mit dem vorletzten Stück „Elekbö“ gaben In Legend
den Anwesenden eine Gelegenheit zum verschnaufen. Zum Schluss gaben die vier
Musiker dann mit „Vortex“ aber richtig Gas. Zu dem Stück bildete sich
ein Circle Pit inmitten des Platzes und die Stimmung erreichte einen Höhepunkt
– ein sehr gelungener Konzertabschluss.

Ab 15:10 Uhr standen dann Adversus auf dem Plan. Die Gruppe bot eine
Mischung aus Gothic Rock und Metal mit Einflüssen klassischer Musik. Vom Lineup
her kann man die Gruppe durchaus als extravagant bezeichnen. Einen Bass hatten
Adversus nicht im Gepäck, dafür aber Geige und Cello. Neben einem Sänger mit
harschem Klargesang bot die Band dazu zwei Sängerinnen mit Mezzosopran auf.
Trotz alledem taten sich Adversus etwas schwer mit ihrem Auftritt.

Die verschiedenen Elemente ihrer Musik fügten sich nicht immer zu einem
einheitlichen Ganzen zusammen. Einige treue Adversus-Fans im Publikum hielten
trotzdem zu ihrer Band, insgesamt war der Applaus aber sehr verhalten. Nach 50
Minuten Spielzeit verabschiedeten sich Adversus dann von den Festivalbesuchern.
Wirkliche Akzente konnte die Gruppe leider nicht setzen, alles in allem war ihr
Auftritt nicht mehr als solide.

Mehr Begeisterung riefen da schon A Life [Divided] hervor, die ab
16:20 Uhr die Bühne rockten. Vor allem bei den weiblichen Fans erfreuten sich
die Elecrto/Industrial-Rocker offensichtlich großer Beliebtheit – zumindest den
Schreien nach zu urteilen. Auch rein musikalisch gaben sich A Life [Divided]
keine Blöße. Ihre acht Lieder spulten sie ebenso druckvoll wie lupenrein
herunter und konnten das Mülheimer Publikum damit problemlos für sich gewinnen.
Um 17 Uhr beendete die Band – mittlerweile bei bestem Sommerwetter – ihr
Konzert unter großem Applaus.

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Gut aufgelegt: Xandria

Um 17:20 Uhr ging es mit Xandria weiter, der einzigen
Symphonic-Metal-Band im Programm. Die Bielefelder traten mit „Valentine“
auf die Bühne und sorgten vom Start weg für sehr gute Stimmung. Einen Großteil
ihrer Show bestritt die Band mit Stücken ihres aktuellen Albums
„Neverworld’s End“, so zum Beispiel „Euphoria“. Zu diesen
neuen Stücken gehört auch „A Thousand Letters“, dass nach Aussage von
Sängerin Manuela Kraller auf einer Geschichte ihrer Großeltern basiert.

Obwohl es sich bei dem Stück um eine Ballade handelte, kam es sehr gut an.
Es drosselte den Elan der Fans auch keinesfalls, denn bei den schnelleren
Titeln danach ging das Publikum wieder gut mit. Zum Abschluss kramten Xandria
ein wenig in ihrer Bandgeschichte und ließen mit „Ravenheart“ und
„India“ zwei der größten Hits ihrer frühen Jahre hören. Die Menge
dankte es mit großem Applaus.

Nun folgten Gothminister, die aufgrund ihrer schieren Masse an Requisiten 40
Minuten Umbauzeit brauchten. Der Vorbereitungen gingen nicht ganz reibungslos
vonstatten, denn aus Versehen feuerten die Techniker einige Effekte der
Pyro-Show schon während der Pause ab. Als Gothminister dann um 19 Uhr
die Bühne betraten, sah die aus wie ein Geisterhaus auf dem Jahrmarkt. Fürs
Auge, das ist sicher, boten die Norweger von allen auftretenden Bands am
meisten.

Ihre Show umfasste neben den zahlreichen, wenngleich nicht immer stabilen
Requisiten auch verschiedene Kostüme samt entsprechender schauspielerischer
Einlagen. Dazu gab es sogar noch bewegliche Teile an den Bühnenaufbauten – und
von der Pyrotechnik schien ebenfalls noch genug übrig zu sein. Die Fans freuten
sich über die druckvolle, vor allem aber stark visualisierte und
abwechslungsreiche Show. Musikalisch war die Vorstellung nicht ganz auf dem
optischen Niveau, aber vollauf zufrieden stellend.

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Auch akustisch sehenswert: ASP

Ab 20 Uhr wurde dann für ASP umgebaut, mit ihrem akustischen Programm
Von Zaubererbrüdern auftraten. Kurz nach 20:30 Uhr betraten
zunächst die Instrumentalisten die Bühne und stimmten die
„Beschwörung“ an. Bandleader Asp kam dann singend hinzu und wurde
begeistert von der Menge in Empfang genommen. Nun mag ein akustisches Set
natürlich nicht jedermanns Sache sein. Es ist klar, dass akustische Versionen
von Stücken, die als NDH-Rock entstanden sind, nicht die Intensität der
Originale haben.

Das führt in der Umsetzung von ASP auch dazu, dass mancher populäre
Gassenhauer gar nicht ins Akustik-Programm aufgenommen wird. Es fehlten zum
Beispiel das beliebte „Ich bin ein wahrer Satan“ und auch „Ich
will brennen“. Gerade letzteres Lied ist eigentlich ein Aushängeschild der
Band. ASP ohne „Ich will brennen“ ist für manchen Fan der Gruppe
folglich ein mittlerer Kulturschock. Eine akustische Vorstellung von ASP ist
also durchaus etwas anderes als eine ihre regulären Shows und damit ein Wagnis.

Dieses Wagnis führte ASP auf dem Castle Rock Festival zum Erfolg. Natürlich,
es gab auch hier einige, die mit der akustischen Variante ihrer Lieblingsband
nichts anfangen konnten. Die überwiegende Mehrheit der Festivalbesucher war von
den „Zaubererbrüdern“ aber schlichtweg begeistert. Bei Liedern wie
„Und wir tanzten“, dem „Minnelied der Incubi“ oder
„Denn ich bin der Meister“ sangen die Fans enthusiastisch mit.

Auch die Balladen kamen gut an. Hier sprang der Funken derart auf das
Publikum, dass wirklich jeder mitschunkelte – sogar das Sanitäter-Team! Um
22:25 Uhr verabschiedeten sich ASP vom Castle Rock Festival. Auch wenn
„Ich will brennen“ und Konsorten ausblieben war der Jubel zum
Abschied tosend.

Mit diesem schönen Abschluss fand dann auch das Festival als solches sein
Ende. Das kann man in der Retrospektive nur als rundum gelungen bezeichnen –
und dank der großen Publikumsresonanz wird es sicher nicht die letzte Auflage
des Castle Rock gewesen sein.

 

Bericht: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de

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