Über das Pfingstwochenende war Leipzig erneut das unangefochtene Zentrum der Schwarzen Szene – und das schon zum 33. Mal! Tausende pilgerten auch dieses Jahr wieder nach Sachsen und färbten ganz Leipzig schwarz.
Wie das Wave Gotik Treffen 2026 ablief erfahrt ihr in diesem Bericht.
Fotolinks: Teil 1 (22. und 23. Mai) / Teil 2 (24. und 25. Mai)

Wave Gotik Treffen
Donnerstag, der 21.05.2026
Schon in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag stellten sich die ersten Autos und Wohnmobile in die Schlange an der Zufahrt zur Agra. Ihr Ziel: Die besten Stell- und Campingplätze sichern! Um 11 Uhr wurde dann die Tore geöffnet. Sofort strömten die ersten Gäste auf das Gelände um mit Zelten, Wohnmobilen oder -anhängern ihre Bleibe für die nächsten Tage zu errichten.
Zum selben Zeitpunkt ging es am Hauptbahnhof noch gemächlich zu, denn den großen Ansturm gab es vormittags noch nicht. Als gegen Nachmittag die Bändchenausgaben öffneten, zeigte sich dann ein anderes Bild. Mehr und mehr WGT-Besucher kamen in Leipzig an, an den Bändchenausgaben von Moritzbastei bis Hauptbahnhof bildeten sich lange Schlangen.
Die Lage in den Straßenbahnen war dagegen entspannt. Mehrere Tram-Linien setzten zusätzliche Wagen ein, sodass die WGT-Besucher trotz Gepäck fast alle bequem Platz finden. Als weniger bequem wurde der Umstand empfunden, dass man an der Abendkasse wieder nur bar zahlen konnte. Dies verwirrte auch dieses Mal wieder einige Kurzentschlossene und auch ausländische Besucher, die dann erst einmal einen Geldautomaten suchen gingen.

Ein bisschen Wartezeit musste man einplanen
Gegen Abend wurden die Warteschlangen am Hauptbahnhof und an der Moritzbastei kürzer und die Outfits schicker. Ein Teil der WGT-Besucher wollte den Abend noch ruhig angehen lassen und aß gemütlich in den Restaurants der Leipziger Innenstadt. Wer am Donnerstagabend aber noch etwas erleben wollte, machte sich auf den Weg zu einer Eröffnungsparty ins Darkflower oder in den Felsenkeller.
Ab 22 Uhr ging es dann auch in der Agra 4.2 los. Zu den DJs Elvis, Oliver Klein und Mark Benecke konnte man dort bis früh in die Morgenstunden feiern. Unterbrochen wurde die Party allerdings durch einen Feueralarm genau zu ASPs „Ich will brennen“. Warum? Die Nebelmaschine war zu stark. Aber erfahrene DJs und Securitys ließen die Musik weiter laufen und stellten den Alarm zügig ab. Die Halle musste also nicht geräumt werden.
Freitag, der 22.05.2026
Bei wunderschönem Wetter und hohen Temperaturen stand am Freitagnachmittag für einige schon das erste Highlight des WGT an: Das Viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park. Dass der Name schon lange nichts mehr mit den dort getragenen Outfits zu tun hat bewiesen die vielen Schaulustigen, die sich zum Teil schon Stunden vor dem offiziellen Beginn dort breit machten.
Zu Beginn war es dann nur noch ein Gedränge auf den Wegen. Das Viktorianische Picknick war komplett überlaufen und die Gothics (egal mit welchem Outfit) auch wieder gnadenlos in der Minderheit.
Wer keine Lust auf das Gedränge hatte und trotzdem ins Grüne wollte, ging ins Heidnische Dorf. Auch dieses Jahr war die Location wieder durch den Weg zweigeteilt. Während der kleinere Teil sehr viele Sitzmöglichkeiten aber keinen Schatten bot, war es beim Hauptteil genau umgekehrt. Dieses Jahr gab es dort deutlich weniger Bänke und Tische als sonst. Aber durch den Schatten, der von den Bäumen gespendet wurde, machten es sich dort viele Besucher auf Decken gemütlich.

Schöne Outfits werden gerne gesehen
Von dort aus konnte man dann den vier Damen von Bianca Stücker & Bruxas Solis lauschen. Sie versuchten die Zuschauer mit ihrer Mischung aus Gothic Folk und “Witchglam” in eine mystische Welt zu entführen. Das klappte leider aufgrund der Sonne und der frühen Stunde nicht so richtig, wie Sängerin Bianca selbst zwischendurch zugab. Aber das mystische wurde schnell zum Running Gag auf der Bühne. So genossen immer mehr Zuschauer trotz der frühen Stunde die Musik – auch ohne den „mystischen“ Anteil.
Bei rund 25 Grad und fast wolkenfreiem Himmel spielten danach Heimataerde. Die deutsche Mittelalter-Elektro-Band konnte sich über guten Zuschauerandrang freuen. Für die Gruppe war es ein besonderes Konzert. Einige Tage zuvor war ihr Freund, Weggefährte und “Soundgott” Poldi verstorben. Daher hatten Heimataerde überlegt, den Auftritt beim WGT abzusagen. Jedoch entschied sich die Band für ihr Konzert und widmete dieses dem Verstorbenen. So traten Heimataerde dann voller Inbrunst auf und steckten die Zuschauer mit ihrer Begeisterung an.
Zwar hatte sich der Platz vor der Bühne bei Die Streuner geleert, aber das machte der Band und ihren Fans nichts aus. So nutze man kurzentschlossen den Platz aus um eine Polonaise einmal quer über den Bühnenvorplatz zu machen.
Probleme mit der Technik gab es bei der letzten Band des Abends im Heidnischen Dorf. Die französische Gruppe Hrafngrimr hatte während ihres Soundchecks sehr lange mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Beginn ihres Auftritts musste daher um einige Minuten nach hinten verschoben werden. Nachdem der Defekt gefunden war, gingen sie voller Energie ans Werk. Die Freude hielt aber nicht lange an, denn nach dem ersten Lied gab es schon wieder Probleme. Dennoch versuchten Hrafngrimr weiterhin, die Zuschauer mit ihrer Mischung aus nordischen Klängen in ihren Bann zu ziehen.

Im Kampf mit der Technik: Hrafngrimr
Nur wenige Minuten Fußmarsch vom Heidnischen Dorf entfernt lang auch dieses Jahr wieder das Herz des WGTs: Der Agra Messepark oder kurz Agra. Neben den altbekannten Verkaufsständen für das leibliche Wohl gab es in den Hallen der Agra ein paar kleine Veränderungen. Eine der positiven waren die interaktiven Bildschirme, die dort herumstanden und einen mit Informationen und dem Geländeplan versorgten.
Waren die Bildschirme gerade nicht in Benutzung, gab es eine Fotoshow mit alten WGT-Bildern. Leider waren die Bildgrößen nicht auf die unterschiedlichen Bildschirmgrößen angepasst, sodass die meisten einfach irgendwo abgeschnitten waren. Zum Teil auch unvorteilhaft für das Motiv.
Was sich (gerade tagsüber) auch unvorteilhaft auswirkte war die neu gestrichene Decke im Eingangsbereich zwischen der Konzerthalle, dem Gothic Markt und dem Agra-Café. Diese hatte einen so drückend dunklen Anstrich bekommen, dass man im ersten Moment meinte die Sonnenbrille noch auf zu haben. Die Lampen vor Ort konnten da leider nicht viel Abhilfe schaffen und im direkten Vergleich mit der hellen Markthalle wirkte es noch schlimmer.
Dafür öffnete aber die Konzerthalle pünktlich und zahlreiche Fans strömten sogleich hinein. Als erstes spielten dort Das Ich, die schon 1992 auf dem aller ersten WGT aufgetreten waren. Vor einer sehr gut gefüllten, feiernden Halle gaben sie nun ihr 13. WGT-Konzert. Mit dabei waren Hits wie „Kannibale“ oder „Was bin ich?“.

Echte WGT-Veteranen: Das Ich
Auch berichteten Das Ich von ihrer frisch beendeten USA-Tour und wie sehr sich das Land dort verändert hat. Aber auch wie sehr die kleine Gothic-Szene dort ein Safespace für viele Menschen ist. Nach diesem kleinen Exkurs brachten Das Ich mit ihrem letzten Lied „Destillat“ die Menge noch ein Mal zum Feiern und Jubeln.
Nicht weniger voll wurde es dann bei Sven Friedrich und Solar Fake. Auch er sang, begleitet von André Feller am Keybord und Jens Halbauer am Schlagzeug, vor einer gut besuchten Agra-Halle. Mit einer guten Mischung aus seinen diversen Alben brachte er die Menge zum Tanzen. Damit war dann auch bald dafür gesorgt, dass die Temperatur in der Halle endgültig über der von außerhalb der Halle lag.
Musikalisch in eine andere Kerbe schlug die britische Pop-Sängerin Kim Wilde. Über ihren Auftritt wurde seit Bekanntgabe viel diskutiert: Passt sie überhaupt zur Schwarzen Szene? Was sucht sie hier? Nichtsdestotrotz war sie für sehr viele WGT-Besucher einer der Künstler aus ihrer Kindheit oder Jugendzeit . Daher war es auch nicht verwunderlich, dass sich die Agra-Halle zügig füllte sehr viele den Auftritt nicht verpassen wollten.
Während es zu Beginn bei „Hey Mister Heartache“ und „Never Trust A Stranger“ noch eher verhaltenen Beifall gab, steigerte sich die Begeisterung von Lied zu Lied. Zwischendrin enthüllte Kim Wilde auch das Geheimnis um die schwangere Backgroundsängerin. Diese war ihre Nichte Scarlett Wilde. Aber auch an der Gitarre gab es familiäre Unterstützung durch ihren Bruder Ricky Wilde. Zusammen mit der restlichen Band brachten sie das Publikum mit „Anyplace, Anywhere, Anytime“ zum Mitfeiern. Spätestens bei ihrem großen Hit „Kids in America“, der leider auch ihr Schlusslied war, sangen und feierten auch die Letzten in der Halle mit.

Für viele eine Jugenderinnerung: Kim Wilde
Danach ging es mit den Einstürzenden Neubauten weiter. Die 1989 gegründet Band aus damals noch West-Berlin gilt mit ihrem extrem experimentellen Musikstil als einer der Wegbereiter für viele heutige Gothic-Bands. Anschließend gab es gleich die nächste Künstlerin aus den 80er-Jahren: Anja Huwe, die Sängerin von Xmal Deutschland. Sie sang nicht nur Lieder aus ihrer Bandzeit wie „Mondlicht“, „Augenblick“ oder „Incubus Succubus“ sondern auch eigene Stücke wie „Exit“ oder „Sleep With One Eye Open“.
Auch wenn auf dem Programm der Agra noch das Mitternachts Special mit Kompromat aus Frankreich stand, zog es doch viele in die Clubs. Dort wurde die ganze Nacht gefeiert und vorher noch die kühle Nachtluft genossen.
Samstag, der 23.05.2026
Normalerweise ist die Leipziger Innenstadt zum WGT überfüllt mit einer Mischung aus WGT-Besuchern und vielen schaulustigen Leipzigern. Dieses Jahr am Samstag nicht. Selbst vor der Moritzbastei, wo sonst Horden von Fotografen lauern, war kaum etwas los. Woran es lag kann man leider nicht sagen. Aber dass es morgens um 10 Uhr schon über 28 °C Grad waren, hat sicher dazu beigetragen, dass viele lieber noch im Hotelbett liegen blieben.
Fans von Autos ließen sich trotz der Temperaturen den Leichenwagen Treff nicht entgehen. Dieses Mal fand der leider nicht am Clara-Zetkin-Park im Schatten statt, sondern am Wilhelm-Leuschner-Platz in der prallen Sonne. Nach Aussage der Veranstalter war dieses Mal leider kein anderen Platz verfügbar. Am Clara-Zetkin-Park war dieses Jahr eine Baustelle und den Platz vor der Oper hatte sich das Dark Affair gesichert.
Trotz des neuen Platzes, der Hitze und dem wenigen Schatten fanden sich viele Besucher beim Leichenwagen Treff ein. Zu bestaunen gab es um die 60 teils liebevoll restaurierte Leichenwagen. Auch einige fabrikneue und noch im aktiven Dienst stehende Wagen fanden ihren Weg auf den Platz. Schön war, dass auch viele Leipziger mit Kindern dort waren und so das Thema Tod und Sterben auch in die breitere Gesellschaft getragen wird.

Schon mal Probeliegen?
Normalerweise geht es vom Leichenwagen Treff weiter zum Steampunk Picknick. Dieses Jahr war gab es aber keins. Goth United, der bisherige Veranstalter, wollte das Steampunk Picknick nicht mehr ausrichten und ein anderer Veranstalter hatte sich nicht gefunden. Trotzdem traf man in Leipzig auch dieses Jahr wieder einige Steampunker mit ihren zum Großteil handgebauten Maschinen.
Viele der WGT-Besucher zog es in eines der Museen, die wieder im Preis inbegriffen waren, oder Richtung Heidnisches Dorf und Agra Gelände. Der Weg dahin war allerdings Licht und Schatten zugleich. Am Hauptbahnhof kam es immer wieder zu Durchsagen, dass es wegen “Störungen im Betriebsablauf” zu unregelmäßigen Fahrten der Linie 11 kommen würde. Daher waren einigen Trams der Linie 11 absolut überfüllt.
Gut, dass es da noch als Alternative die 31 gab. Mancher Tram-Fahrer war gut aufgelegt. Einer entschuldigte sich scherzhaft dafür, dass er es vor Dienstbeginn leider nicht mehr geschafft habe die Tram zum WGT schwarz anzumalen. Lacher und gute Laune waren zumindest in dieser Tram garantiert, auch wenn man hier und da mal länger warten musste.
Wer das Glück hatte am Heidnischen Dorf anzukommen, sah sich zeitweise langen Schlangen am Einlass und der Tageskasse gegenüber. Das Dorf selber kam einem nicht überlaufen vor, denn die Besucher verteilten sich gut über die gesamte Fläche. Musikalisch gab es an diesen Tag im Heidnischen Dorf mit unter anderem Waldkauz, Schöngeist und Cultus Ferox eine gute Mischung aus Pagan-, Dark- und Mittelalter Rock

Patenbrigade: Wolff sind ein echter Hingucker
Anders sah es auf dem Agra-Gelände aus. Ab 15:30 Uhr strömten immer wieder Menschen mir Warnjacke, Bauarbeiter-Outfits und Arbeitshelmen in die Konzerthalle. Das war allerdings kein Bautrupp, der schnell Reparaturarbeiten durchführen mussten, sondern die Fans der Patenbrigade: Wolff. Diese zeigten wieder mal wie man mit einem Motto und elektronischer Musik Stimmung in die Agra bringt. Unterstützung bekamen sie von dem neuen „Brigadearzt“ Mark Benecke. Dieser musste aber erst mal fegen bevor er an die Tables durfte.
Weiter ging es mit Nachtmahr, dem Aggrotech-Projekt des österreichischen Musikers Thomas Rainer. Neben Hits wie „Mädchen in Uniform“ und „Tanzdiktator“ hatte er auch drei Lieder aus seinem Ende Juli erscheinenden Album „Imperivm“ im Gepäck. An diesem Tag gaben sich auch gleich drei Bands mit ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum die Ehre: Cat Rapes Dog, Suicide Commando und Covenant.
Bei Cat Rapes Dog war die Agra Halle schon gut gefüllt, allerdings legte Johan Van Roy mit Suicide Commando nochmal eine Schippe drauf. Auch die Showtechnik der Belgier hatte etwas mehr zu bieten. Zu Beginn ließen Suicide Commando eine Slideshow auf dem Monitor laufen mit allen Albumcovern der Bandgeschichte und einem mehrsprachigen Dankeschön für all die Jahre.
In die Show stiegen Suicideo Commando auch gleich mit ihrem Hit „Bind Torture Kill“ ein. Damit war das Eis gleich gebrochen, die Halle tanzte und bebte. Weiter im Takt ging es unter anderem mit „Die Motherfucker Die“ und „Hellraiser“. Nach der Show leerte sich die Halle sehr zügig. Die meisten Fans suchten draußen nach Abkühlung und Flüssigkeit nach dem Garen während des Konzertes.

40 Jahre aktiv: Suicide Commando
Viele strömten aber auch zu anderen Locations, unter anderem zu Alles Schwarz feat. Oswald Henke im Felsenkeller oder zur Obsession Bizarr. Die Fetisch-Party im Volkspalast, die seit Jahren fester Bestandteil des WGT ist, zog wieder Liebhaber diverser Fetische an, die dort ungestört unter sich feiern konnten.
Sonntag, der 24.05.2026
Der Sonntag sollte der heißeste Tag des WGT werden – und wurde es auch. Gerade die Camper wurden nach einer langen Nacht schon früh wach, da es in vielen Zelten einfach zu warm geworden war.
Wer das Glück einer klimatisierten Unterkunft hatte, nutzte diese zum Ausschlafen und Regenerieren. Zumindest wenn nichts auf dem Programm stand, wo man unbedingt hin wollte.
Ein wichtiger Termin für Fans des edlen Tropfens war die zehnte Weinverkostung mit Thomas Rainer und Oswald Henke. Rund 100 Leute hatten sich trotz der hohen Temperaturen um 14 Uhr vor dem Grassimuseum versammelt und stellten dabei ihre Weine vor. Zu Beginn der Veranstaltung sagten Thomas Rainer und Oswald Henke noch mal danke für die gute Annahme des Treffens und wiesen auch auf die Wichtigkeit hin nicht nur Wein zu trinken, sondern auch zwischendurch Wasser.
Der wenige Schatten des Torbogens war heißt begehrt. Auch der von den Bäumen geworfene Schatten auf der Grünfläche vor dem Grassimuseum wurde eifrig genutzt um nicht schon am frühen Nachmittag einen Sonnenstich zu bekommen.

Weinprobe am Grassimuseum
Wer auf seinem Weg von oder zur Innenstadt an der Oper vorbeikam, konnte einen Blick auf die Bühne des Dark Affair erhaschen. Auf dem Gelände schienen schwarz Gekleidete aber die Minderheit zu sein. Auch in der trotz der Hitze belebten Innenstadt gab es zu der Uhrzeit zwar ein paar Gothics, aber nicht die Masse wie in den Jahren zuvor. Viele zog es bei dem sehr guten Wetter natürlich ins Heidnische Dorf, sodass Schattenplätze auch dort schnell zur Mangelware wurden.
Wer zu der Depeche Mode Interpretation von Vaughn George in die Peterskirche wollte, musste auch sehr früh dort sein und eine lange Schlang in Kauf nehmen. Um kurz nach 16 Uhr wurde schon der Einlassstop verkündet. Das Pianokonzert von Sven Friedrich und Dirk Rieger am frühen Abend war zwar nicht ganz so voll, dafür aber ein einmaliges Erlebnis. Songs von Solar Fake in einer Akustikversion und das auch noch in der Peterskirche hört man wahrlich nicht jeden Tag.
Fans des Synth Pop und Dark Wave zog es in das historische Gemäuer des Felsenkellers. Dort hatte die erste Band des Abends, Blaklight, einen Vorteil den ihnen keine Band danach mehr streitig machen konnte. Es war im Felsenkeller noch deutlich kühler und damit angenehmer als draußen. Die drei Mitglieder der US-amerikanischen band zwischen Dark- und Synth Pop zeigten was sie können. Vor einem gut gefüllten Zuschauerraum sorgten sie dafür, dass der Temperaturunterschied zu draußen bald nicht mehr so groß war.
Danach betraten Gulvoss aus Deutschland die Bühne und machten mit guter Stimmung weiter. Auch hier war der Publikumsandrang anhaltend groß. Sven Wittmiß schaffte es mit seinem Gesang und Animationen das Publikum mit zu reißen.

Empathy Test hatten einige Anekdoten parat
Mit etwas Verspätung aufgrund von Technikprobleme beim Drummer ging es mit Empathy Test weiter. Die paar Minuten längerer Durchzug tat dem vollem Felsenkeller aber gut, denn in der Zwischenzeit war es drinnen wärmer als draußen. Bald herrschte auch Einlassstop, denn im Keller war es voll. Routiniert spielten Empathy Test die Setlist bestehend aus Hits ihrer drei Alben ab. Dass Sänger Isaac Howlett zwischendrin vor lauter Quatschen über seine vergangen WGT-Erfahrungen mal seinen Einsatz verpasste, sorgte für einiges Schmunzeln.
Einer der erwarteten Höhepunkte des Abends waren Diorama. Dass die Band an diesem Tag zu den absoluten Fanfavoriten gehörte, bewiesen nicht nur der immer wiederkehrende Einlassstop sondern auch die zwei etwa 100 Meter langen Warteschlangen vor dem Einlass. Warum zwei? Da der Einlass genau am Eck lag, ging eine Warteschlange links und eine rechts von der Tür weg.
Diorama-Sänger Torben Wendt begeisterete von Anfang an das volle Haus. Mit im Gepäck hatte die Band ihr neues Album „A Substitute For Light“, das auch die Setliste dominierte. Obwohl das Album erst im April erschienen war, sangen viele der Fans schon textsicher mit. Der Raum vor der Bühne verwandelte sich bald in eine Tanzfläche voller schwitzender Leiber und toller Partystimmung. Dass das Konzert für viele zu kurz war, bewiesen die zahlreichen Zugabe-Rufe. Die wollten auch dann nicht verklingen als die Lichter angingen und sich die Türen zum Luftaustausch öffneten.

Diorama kamen bestens beim Publikum an
Dass sich der Felsenkeller nach Diorama leerte, verschaffte den wartenden Fans von Solitary Experiments die Möglichkeit nachzurücken. Zwar war es nicht mehr ganz so voll wie zuvor, trotzdem haben die Veranstalter den Einlassstop in der App nicht deaktiviert. Draußen hofften aber noch mehr als genug Fans auf Einlass. Drinnen ging es ab dem ersten Lied schon wieder heiß her. Mit „Miracle“ rissen Solitary Experiments die ersten Reihen gleich voll mit. Weiter ging es mit einem bunten Mix aus der über 30-jährigen Bandgeschichte.
Wer nach dem Konzert noch Party machen wollte, musste etwas Geduld mitbringen um einen Platz in einer der Straßenbahnen Richtung Stadtzentrum zu ergattern. Viele zog es daher erst mal in den angrenzenden Biergarten des Felsenkellers um den Flüssigkeitsspiegel wieder auszugleichen. Danach ging es für manche weiter Richtung Moritzbastei, einige nahmen sogar noch den Weg zum Agra-Gelände auf sich.
Montag, der 25.05.2026
Nach einer durchgefeierten Nacht zogen es viele vor den letzten Morgen des WGT mit Ausschlafen zu verbringen. Dies zeigte sich vor allem an leeren Trams uns einem relativ leeren Heidnischen Dorf. Einige zog es aber auch ein paar Meter weiter zum Ballsaal, wo es den ganzen Tag über Vorträge auf Englisch zu diversen Themen gab.
Im Dorf selbst war die erste Band des Tages Keltania. Trotz der eher undankbaren Zeit und der prallen Sonne füllte sich der Platz langsam. Die Schattenplätze um die Bühne waren bald gefüllt. Sängerin Johanna animierte das Publikum erfolgreich zum Mitmachen. Während der ersten Lieder füllte sich der Platz dann auch weiter – und das trotz der Sonne. Weiter im Programm ging es mit Vogelsang und Vogelfrey – zwei Bands mit ähnlichem Namen, aber deutlich verschiedenem Sound.

Nie ohne Drehleier: Patty Gurdy
Der Headliner des letzten Abends war im Heidnischen Dorf dann Patty Gurdy. Man kennt die Sängerin und Drehleier-Spielerin von ganz verschiedenen Engagements, zum Beispiel auch als Tourgast von Alestorm. Auf dem WGT trat Patty Gurdy nun – von Mitmusikern begleitet – mit ihrem Soloprojekt auf, das man wohl als Celtic Pop bezeichnen kann. Vor durchaus vielen Zuschauern zeigte die Musikerin was sie kann und lies sich auch von einem Mikrofontausch beim ersten Lied nicht abschrecken.
In der Agra gab es an diesem Abend auch ein Abschiedskonzert, jedenfalls für Europa. Andy LaPlegua (Combichrist) hatte schon im März angekündigt nach der Tour sein Nebenprojekt Panzer AG zu beenden. Das WGT war damit das letzte Konzert der Band auf dem europäischen Kontinent und für viele Fans die letzte Möglichkeit, sie live zu sehen. Wie der Füllgrad der Halle zeigte machten davon auch einige Gebrauch.
Weiter im Programm ging es mit den Gothic-Rockern Unzucht. Für viele Zuschauer war es die erste Gelegenheit, den 2024 eingestiegenen neuen Sänger Timm Hindorff mit der Band live zu sehen. Im Gepäck hatten Unzucht ihr nur wenige Tage vorher erschienenes Album „Neon Dom“, das sie hier natürlich gerne live präsentierten.
Dass es in der Agra viel zu warm war, fanden wohl auch Aesthetic Perfection. Jedenfalls hatten sowohl Sänger Daniel Graves als auch seine Mitmusiker keine “typischen” Gothic-Klamotten an. Stattdessen war das bunte Hawaiihemd angesagt. Passende Musik gab es im Laufe des Konzertes mit „Summer Goth“ auch noch. Und damit sich auch die Zuschauer wie am Strand fühlen konnten, wurden schwarze aufblasbare Wasserbälle ins Publikum geworfen.

Bei Aesthetic Perfection darf es auch mal bunt sein
Für den Abschluss in der Agra sorgte als letzte Band des WGT die belarusische Gruppe Molchat Doma. Doch damit war für viele Besucher das Festival noch nicht vorbei. Spätestens nach dem Headlinerströmten viele Menschen noch in die Agra 4.2, die Moritzbastei, das Darkflower oder ins Playhouse Leipzig. Überall konnte man noch viele Stunden feiern und tanzen.
Und die, denen es nach den heißen Konzerten zu warm in den Clubs war, suchten sich einfach einen gemütlichen Platz draußen. So ließen nicht wenige den Abend gemütlich auf dem Agra-Gelände oder dem Zeltplatz ausklingen bevor am nächsten Morgen der Abreisestress losging.
Abschluss
Ich habe schon einige WGTs mitgemacht, aber dieses müsste das heißeste gewesen sein. Das hat leider einige Outdoor-Veranstaltungen, die keine Beschattung hatten, in einen absoluten Grill verwandelt. Zum Beispiel den Leichenwagen Treff. Wer ein Hotel mit Klimaanlage hatte, ist da sicher deutlich länger drin geblieben als sonst.
Stichwort Hotel: Was sehr vielen WGT-Besuchern sauer aufgestoßen ist, waren die Hotelpreise. Zwar wird so gut wie jedes Jahr über die hohen Preise gemeckert, aber für mich selbst ist jetzt auch eine Schmerzgrenze erreicht. Wir werden uns für das nächste WGT nach einer günstigeren Alternative umsehen – viele andere Besucher auch.
Weder auf das Wetter noch auf die Hotelpreise haben die Veranstalter des WTG Einfluss, das ist jedem klar. Trotzdem waren das bei allen Menschen, mit denen ich vor Ort gesprochen habe, die beiden dominierenden Themen.

Fröhliche Gesichter in der ersten Reihe
Was dieses Jahr aufgefallen ist, waren die vielen 40-jährigen Jubiläen und auch viele andere “alte” Bands, die das Lineup dominiert haben. Eine Prise Nostalgie war auf jeden Fall dabei und definitiv werden auf dem WGT auch viele „alte Bands von früher“ hochgehalten.
Dazu passte dann auch der Auftritt von Kim Wilde. Die ganze Diskussion im Vorfeld, ob sie als genrefremde Musikerin zum WGT passt oder nicht, hat auf dem WGT selbst dann keinen mehr gejuckt. Vor allem nicht die feiernden Menschen in der Agra.
Zwar haben wir dieses Jahr wieder versucht auch einige neue Bands mitzunehmen. Aber ob mir da, abgesehen von Keltania, viele länger im Gedächtnis bleiben weiß ich nicht. Vermutlich wird der Rest irgendwann von der Party bei Diorama oder Das Ich überdeckt. Was zwar an sich schade ist, aber mir auch wieder zeigt, wie sehr einen die Musik seiner Jugend auch später noch prägt.
Wir persönlich haben dieses Jahr übrigens etwas mehr Kultur mitgenommen als sonst. Dafür sind die Partys hinten runtergefallen. Egal wie man es priorisiert, irgend etwas kommt leider immer zu kurz. Das kann man schade finden, macht aber auf der anderen Seite auch den Reiz des Wave Gotik Treffens aus. Wie der Name schon sagt ist und bleibt es eben ein Treffen und kein reines Musikfestival. Ein Treffen, das auch wir auf jeden Fall wieder besuchen werden!
Bericht: Sven Bähr, Sven(at)dark-festivals.de