Mera Luna Festival 2026 – Festivalbericht

Zum 26. Mal verwandelte sich der Flugplatz Hildesheim-Drispenstedt mit dem M’era Luna Festival zu einem Treffpunkt der Schwarzen Szene. Am 8. und 9. August 2026 fand die 26. Ausgabe des Festivals statt und war zum wiederholten Male ausverkauft. Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher kamen an diesem Wochenende nach Hildesheim, um zwei Tage lang ihre liebste düsteren Musik zu feiern.

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M’era Luna Festival


Dabei zeigte sich das Festival in diesem Jahr auch wettertechnisch von seiner sommerlichen Seite. Der Samstag war sehr sonnig, die Temperaturen aber noch gut auszuhalten. Am Sonntag war es zudem mit über 30 Grad ausgesprochen heiß. Und bis in die Abendstunden war kaum eine Wolke am Himmel zu sehen. Zwischen schwarzen Outfits, Leder, Lack und aufwändigem Make-Up waren damit vor allem Wasser, Schatten und Fächer begehrte Begleiter.

Schon die Anreise nach Hildesheim wirkte in diesem Jahr insgesamt entspannter als noch in den vergangenen Jahren. Ganz ohne kleinere Reibungen blieb die Zufahrt allerdings nicht. Zeitweise entstand der Eindruck, dass Fahrzeuge laut Aussagen der Gäste von der Polizei eher schnell auf die Zufahrten gedrückt wurden. Die Festival-Ordner konnten mit der dadurch entstehenden Flut an Autos nur schwer Schritt halten. Ab dem späten Vormittag schien sich die Verkehrssituation allerdings wieder deutlich beruhigt zu haben. Ein großes Anreise-Chaos wie im letzten Jahr, befürchtet auch aufgrund der vielen Baustellen in Hildesheim, blieb damit weitestgehend aus. Doch nun hinein in unsere schwarze Festival-Welt….

 

Samstag: Zwischen dunklen Klängen und strahlender Sonne

Am frühen Samstagmorgen begannen sich langsam die Zuschauer im Infield zu sammeln. Mortes startete als einer der beiden Newcomer-Contest-Gewinner bei strahlendem Sonnenschein auf der Main Stage. Für die Zuschauer hatten der Musiker und seine Begleiter einen Mix aus Goth, Darkwave und Postpunk mitgebracht. Erfahrungsgemäß sind die ersten Konzerte am frühen Morgen gediegener. Kein Wunder, denn bestimmt waren einige der Festivalbesucher noch am Schlafen. Am Abend vorher dürfte der eine oder andere entweder die Zeltplatz-Parties, den Mittelaltermarkt und/oder die WarmUp-Party im Disko-Hangar genossen haben.

Mortes

Danach ließen Xandria die Gitarren kreischen und legten mit viel guter Laune und Energie ein kurzes Symphonic-Metal-Set hin. Im Anschluss gab es eine Premiere für die M’era Luna Besucher, Tabernis brachten mit Dudelsack und Davul eine ganz andere musikalische Richtung auf die Main Stage. Beginnend mit atmosphärischen Klängen begrüßten die Livemusiker a.k.a. Mönche das Publikum bevor der Dark Hive selbst die Bühne betrat. Für die Fans begann ein klasse Mittelalter-Set, was aber nicht alle Besucher des M’era Lunas abholte.

Wie gut, dass das Festival versucht Bands quer durch die Szene zu listen. So konnte sich vor der Clubstage mit Synthpop von Beyond Obsession, Dark Pop von Principe Valiente oder aber Darkwave- und Industrial von Auger amüsiert werden. Besonders bei Auger kam das Publikum nicht nur in den Genuss massiv guter Laune der Musiker. Sänger Kyle Wilson kletterte von der Stage auf die Boxen um den Fans ein bisschen näher zu kommen.

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Auger

Direkt fiel auf, dass die Club Stage im Vergleich zu den Vorjahren deutlich größer und mächtiger wirkte. Das sorgte zwar für mehr Präsenz und eine eindrucksvolle Atmosphäre vor der Bühne, gleichzeitig berichteten Besucher von einer enormen Lautstärke. Von Pegeln bis zu 120 Dezibel direkt vor der Bühne war die Rede. Wer sich hier länger aufhalten wollte, tat deshalb gut daran einen Gehörschutz im Einsatz zu haben. Passend dazu war der Sponsor Alpine auf dem Festivalgelände mit einem großen Stand und kleinen rollenden Verkaufsboxen vertreten. Der Anbieter hat 2026 sogar eine Variante mit einem eigens gestalteten M’era Luna-Case im Angebot.

Auch die Lautstärke der Mainstage beeindruckte. Ab Unzucht ging das Publikum erstmals richtig ab. Der 2024 verpflichtete Sänger Timm Hindorff scheint mittlerweile seinen Groove gefunden zu haben. So machten auch die alten Songs wie „Nein“ Spaß. Danach wurde hart aufgedreht und Hocico gingen auf der Main Stage an den Start. Die Mexikaner starteten mit Ritual-Darstellungen in ihr Set, um im Anschluss die Boxen der Hauptbühne auf Aggrotech-Tauglichkeit zu testen. Tanztechnisch konnten sich die Fans hier auf jeden Fall gut ausleben, “Poltergeist” weckte dann auch noch den letzten Bewegungsmuffel.

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Hocico

M. Walking on the Water sorgten auf der Clubstage für etwas Verwirrung bei vielen der Fotografen, da man die Band so gar nicht einordnen konnte. Tyske Ludder hingegen drehten gut auf und bedienten das bewegungsfreudige Publikum mit bestem EBM und Electro. Besonders ihr Drummer konnte seine gute Laune kaum zurückhalten und flitze immer wieder zum Rand der Stage, um den Fans zuzuprosten. Elektronisch aber gefühlvoller ging es bei Diorama zu. Bereits ab Stück eins war klar, wie sehr die Zuschauer scheinbar auf diese Band gewartet hatten; zu “Why” und “The same ghost” wurde direkt mitgesungen.

Mit Megaherz und Combichrist nahm das Programm auf der Main Stage zunehmend an Fahrt auf. Die Konzerte mit NDH/Metal und Aggrotech/Hellectro hatten es in sich und es bleibt zu streiten, ob Alexander Wohnhaas (Megaherz) oder Andy LaPlegua (Combichrist) das Publikum massiver anheizen konnte. Abgefeiert wurden jedenfalls beide Bands, auch wenn die Fans bei den steigenden Temperaturen gehörig ins Schwitzen gerieten.

Der für Samstag vorgesehene Auftritt von Veljanov musste dagegen wegen eines “akuten medizinischen Notfalls”, wie die Band im Vorfeld bekannt gab, ausfallen. Dafür sprangen The Beauty of Gemina kurzfristig auf der Club Stage ein. Das Set wirkte angenehm ruhig und gediegen – eher zum entspannten Schwofen als zum wilden Austoben. Gerade im Kontrast zu den deutlich härteren Acts des Tages bot der Auftritt damit einen willkommenen, ruhigeren Moment.

Deutlich weniger ruhig wurde es später bei Agonoize. Das angezogene Tempo der Aggrotech sorgte für einen massiven Zustrom vor der Clubstage. Der Wechsel zwischen beiden Bühnen zeigte einmal mehr wie stark das Publikum auf bestimmte Acts reagiert und wie sehr der zeitgleiche Spielplan die Verteilung der Besucher beeinflusst.

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Agonoize

Kaum war das Konzert auf der Club Stage beendet, füllte sich die Fläche vor der Main Stage wieder deutlich. Dort hatte zwischenzeitlich die kanadische Synth-Rock-Band The Birthday Massacre übernommen. Mit Songs wie “Kill the Lights”, “Under your Spell” und “Blue” dürften viele Fans sehr glücklich mit ihrem Set gewesen sein, vor allem da die Band zuletzt 2009 das Festival beehrte. Danach ging es bei praller Sonne weiter mit Alternative Rock von den White Lies, welche im Vergleich zur Clubstage eine etwas entspanntere Gangart an den Tag legten.

In Extremo gingen danach auf der Main Stage an den Start und sparten bei ihrem Auftritt nicht mit Showeffekten. Ein ordentliches Batallion an Pyrotechnik gehörte ebenso zum Konzert wie einige Explosionen, welche einen großen Rauch-Regenbogen über das Publikum zauberten. Dazu gab es ein spektakuläres Bühnenbild während die Fans zu “Troja”, “Weckt die Toten” und „Sternhagelvoll“ genüsslich mitgrölen konnten.

Währenddessen hielt so langsam die Nacht Einzug und mit ihr endlich angenehmere Temperaturen. Auf der Club Stage sorgten derweil Nachtmahr für einen strammen Ton und hatten für die Fans ein feiertaugliches Set im Gepäck. Bereits in den ersten Songs wurde mit “Beweg dich” und “Mädchen in Uniform” der Takt vorgegeben und das Publikum folgte nur allzu gern. Anschließend brachten Front Line Assembly einen kleinen, elektronischen Gegenpol. Etwas ruhiger, aber nicht weniger tanzbar starteten die Szenegrößen in ihr Electro/EBM Set, welche mittlerweile 40 Jahre im Geschäft sind.

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Front Line Assembly

Als letzter Act des Samstags übernahmen schließlich Within Temptation die Main Stage. Die Symphonic-Metal-Band um Sängerin Sharon den Adel hat auf die eine oder andere Weise so viele der Schwarzen Szene geprägt. Und diese Erinnerung sorgt bei den Fans immer wieder zu besonderen Momenten auf dem M’era Luna Festival, dabei dürfen energiegeladene Songs wie “Faster” und “The Reckoning” genauso wenig im Set fehlen wie “Mother Earth”. Wie sehr die Band den Auftritt genoss, zeigte sich unter anderem an einem kleinen Freudensprung der Sängerin.

Damit schlossen die beiden Stages für den Samstag, aber das Festival endete für viele hier noch nicht. Ob man sich auf einen Met und zur Feuershow auf dem Mittelaltermarkt traf, oder sich auf eine volle Tanznacht im Hangar vorbereitete – die Nacht war noch jung und die Gäste feierfreudig.

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Within Temptation

 

Sonntag: Heiß, Heißer, M’era Luna

Was sofort auffiel, als man auf dem Infield ankam, war der große Ausleger der Main Stage. Der Steg machte die Bühne am Sonntag noch interessanter, da die Künstler dem Publikum noch näher kommen konnten. Mit Final Selection startete der zweite Gewinner des Newcomer Contest auf der Main Stage. Die Band lieferte mit ihrem Synthpop-Sound einen entspannten Start in den Tag.

Synthattack gaben sich die Ehre als erste die Fans vor der Clubstage in Bewegung zu bringen. Ein ungewöhnlicher Startplatz sind sie doch schon über zehn Jahre im Geschäft. Allerdings ließ das starke Line Up der Club Stage am Sonntagmorgen wenig Spielraum. Denn direkt danach gingen mit Eisenfunk ein weitere altbekannte Band an den Start, um den Fans ja keine Pause zu gönnen. Mit “Eisenfunk Quattro GTI” durften sich die Besucher schon mal in Tanzposition bewegen.

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Skynd

Während Sotiria – die manche noch mit ihren Tracks unter dem Namen Eisblume kennen – mit eher ruhigen Gothic- und Dark-Rock daher kam, legte Stahlmann ihr gewohnt raues Neue Deutsche Härte Brett auf die Main Stage. Beide Frontmenschen lernten schnell die Vorzüge des neuen Steges Richtung Publikum kennen, auch wenn Mart von Stahlmann sich während der ganzen Pyro auf die Main Stage zurückziehen musste.

Während die Temperaturen weiter kletterten, war bei Skynd dann wieder die gewohnt düstere Atmosphäre angesagt. Die Musik lebt nicht nur von den heftigen Texten, sondern auch von der ausgesprochen verzerrten und verstörenden Mimik der Sängerin. Natürlich durfte auch der erst kürzlich erschienene Song „Jimmy Savile“ im Set nicht fehlen. Auf den Gastauftritt von SWARM musste dabei allerdings verzichtet werden, wodurch dem Stück im direkten Vergleich etwas Energie fehlte. Erstaunlich ist immer wieder wie viel gute Laune durch die catchigen Vibes und Hooks der Songs entsteht, wird doch eigentlich über Mord und Gemetzel gesungen.

Auf der Club Stage folgten unterdessen Jesus on Extasy, die nach langer Abstinenz das Festival wieder beehrten (zuletzt 2009). Von der “freundlichen Industrial Rock Band aus der Nachbarschaft” gab es ein knackiges Set getragen durch Dorian Deveraux Stimme. Etwas ruhiger und getragener ging es mit schwedischen Postpunk weiter, Then Comes Silence leiteten den Sonntagnachmittag ein. Diese Atempause kam vielen Besuchern recht, bereits kurz nach Mittag gab es einen ersten Einsatz der Notfallsanitäter aufgrund eines Kreislaufzusammenbruchs. Dies sollte leider nicht der letzte an diesem Tag bleiben.

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The 69 Eyes

Mit The 69 Eyes gingen die finnischen Großmeister des Dark Rocks zur brachial warmen Mittagszeit auf der Main Stage an den Start. Trotzdem gab das Publikum alles und feierte die Band ordentlich inklusive lautstarkem Mitsingen wie bei „Lost Boys“. Lediglich für Sänger Jyrki hatten die meisten hart Mitleid, da er sich zwar stilecht aber ziemlich warm für einen Samtblazer als Bühnenoutfit entschieden hatte. L’Âme Immortelle legten danach einen wunderschönen Auftritt mit vielen Klassikern hin, leider musste für dieses Konzert auch unsere Fotografin bei der Hitze kapitulieren. Über 30 Grad und kaum eine Wolke am Himmel machten den Aufenthalt vor den Bühnen zunehmend anstrengend. Viele Besucher suchten zwischendurch Schatten, welcher vor der Main Stage allerdings rar gesät war, oder kühlten sich mit einer Getränkepause an den vielen kostenlosen Wasserstellen oder den Theken ab.

Kurz vorher hatten auf der Club Stage Clan Of Xymox mit ihrem Auftritt begonnen. Sie schlossen sich mit ihrem Darkwave- und Gothic-Rock-Mix gut an ihre Vorgänger an. Besonders die ruhige Art von Sänger Ronny Moorings kann dabei schon fast hypnotische Züge annehmen. Für Neuroticfish war der Auftritt zugleich eine Art Nachholen. Im Vorjahr war die Show noch aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen, 2026 konnte sie nun stattfinden. Die Gelegenheit wurde genutzt: Das Set präsentierte sich energiegeladen und verband neue sowie modernisierte Tracks miteinander. So kamen “Bring the noice” und “The Bomb” als klasse Live Version daher, während mit “Velocity N20” 2022 eine Neuauflage erschienen ist. Vor der Bühne wurde entsprechend getanzt, und der Auftritt entwickelte sich zu einem der Momente des Sonntags, an denen die Hitze zumindest musikalisch in den Hintergrund rückte.

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Neuroticfisch

Symphonic Metal war zwischenzeitlich auf der Main Stage angesagt, Floor Jansen lieferte einen auf jeden Fall headbangreichen Auftritt. Besonders glücklich dürften die Fans dabei die drei ursprünglich mit Nightwish erschienenen Songs gemacht haben. Im Anschluss leitete Tilo Wolff den Auftritt von Lacrimosa mit Trompete ein. Gefühlvolle Texte mit rockigen Melodien und gepaart mit Anne Nurmis Stimme schwelgten viele Fans glücklich vor der Main Stage. So mancher zeigte sich heftig bewegt beim Auftritt der Band, vor allem wenn man die Show von L’Âme Immortelle kurz vorher noch im Kopf hatte.

Auf der Club Stage war mittlerweile Party angesagt, auch wenn der erste Song “Gods and Gold” von Aesthetic Perfection leider etwas litt. Spätestens bei “S E X” oder “Spit it out” gab es für die Fans kein Halten mehr. Passend zur sommerlichen Partystimmung wurden dann kurzerhand Beach Bälle in die Menge geworfen. Die Krupps blieben auf der Club Stage am Abend klar auf Industrial / EBM Kurs. Mit ihrem Set, welches bereits mit “Nazis auf Speed”,”Schmutzfabrik” und “Der Amboss” inkl. Livegesang startete, hatten sie die Fans schnell auf Wohlfühl-Tanztemperatur. Hier war die Meute vor der Bühne klar am kochen und die Laune massiv gut.

Auf der Main Stage übernahmen derweil OMD (Orchestral Manoeuvres in the Dark), eine der OG Bands des Synthpop, und schickten das Publikum zurück in die 80er. Mit vielen Hits, die einige noch aus ihrer Jugend kannten, wurde auch so manche Runde Diskofox/Standard im Infield eröffnet. Dies zeigte sich aber nur als kleines Luftholen für die Fans aus, bevor der Abend mit Saltatio Mortis in Richtung Finale ging. Und was das für ein heftiger Gig war, wurde durch den Steg in Richtung Publikum nur noch verstärkt. Vor einem Regenbogenvorhang enterte Sänger Alea zunächst alleine die Stage. Dudelsacker Elsi ergänzte kurze Zeit später und mit Fall des Vorhangs bekam das Publikum die volle Energie der Band zu spüren. Dazu gab es entsprechende Pyro-Zündungen, welche sogar nach unten gerichtete vertikale Stöße vom Bühnendach beinhalteten. Kurzum eine Riesengaudi mit tollen Setlist inkl. “Heimdall”, “Finsterwacht” oder dem neuen “Tanz der tausend Klingen”, die viele Fans begeisterte.

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Saltatio Mortis

Wer es elektronischer mochte, der gönnte sich das Abschlusskonzert mit IAMX auf der Club Stage.Mit “Disciple”, “The X ID” und vielen mehr hatte Chris Corner ein tolles Set für die Fans gebaut. Wer neben dem Abtanzen noch Zeit für die Show auf der Stage hatte, dürfte vor allem durch das Zusammenspiel von Sänger Chris und Basserin Gözde (Aux Animaux) begeistert worden sein.

 

Das Rahmenprogramm – zwischen Musik, Engagement und schwarzer Mode

Doch das M’era Luna bestand auch 2026 selbstverständlich nicht nur aus den beiden Bühnen. Einen festen Platz bekam zum ersten Mal der NGO Corner, in dem sich verschiedene gesellschaftliche und ökologische Organisationen präsentierten. Bereits in den vergangenen Jahren gab es entlang der Landebahn und auf dem Gelände verteilt immer wieder Stände für zum Beispiel Tierschutz, aber zum ersten Mal konzentrierten sie sich am Eingang in Richtung der Festival Area.

Dort war unter anderem Hard for Kids e.V. vertreten, ein junger, unabhängiger, gemeinnütziger Verein, der schwerstkranke Kinder und deren Familien begleitet. Unter dem Motto „Wir wollen Lichtblicke schaffen, wo Dunkelheit droht“ sammelte der Verein Spenden, um betroffenen Kindern ihre Zeit etwas angenehmer zu machen. Besonders interessant ist dabei die Aktion „Wände voller Hoffnung“. Gemeinsam mit dem Künstler Hardy Bock entstehen dabei individuell gestaltete Wandbilder, die sich an den Wünschen und Träumen der Kinder orientieren und deren Zimmer zu persönlichen Orten der Hoffnung machen.

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NGO Corner

Auch PETA war vertreten und warb für einen Weg in eine vegane Lebensweise. Greenpeace setzte auf eine etwas spielerische Form der politischen Botschaft: Bei einer Spray-Tattoo-Aktion konnten sich Besucher unter anderem Sprüche wie “Tax The Rich” oder “Stop Wars” auf die Haut bringen lassen.

Eine ungewöhnliche Frage stellte ein weiterer Stand: „Was würdest du mitnehmen, wenn du heute obdachlos werden würdest?“ beziehungsweise konkreter: Welchen persönlichen Luxusgegenstand würde man mitnehmen, wenn man von heute auf morgen alles andere verlieren würde? Handy, laminierte Dokumente, Powerbank oder ein persönliches Erinnerungsfoto – schon die Auswahl zeigte, wie schwer diese Frage tatsächlich zu beantworten ist. Am Stand selbst berichteten auch Betroffene von ihren eigenen Erfahrungen in der Jugend mit Obdachlosigkeit und ihrer Situation.

Nicht in der NGO Corner, sondern mitten auf dem Infield präsentierte sich „Kein Bock auf Nazis“. Der Stand erfreute sich großer Nachfrage. Buttons und Festivalbändchen wurden gegen Spenden ausgegeben, wobei besonders die glitzernden „Schwarze Szene Nazifrei“-Buttons und die regenbogenfarbenen „FCK AFD“-Buttons schon am frühen Nachmittag vergriffen waren. Auch war die hohe Zahl an Regenbogen-Menschen auf dem Festivalgelände bemerkenswert. Queere Menschen und Besucher mit entsprechenden Symbolen waren an beiden Tagen deutlich sichtbar vertreten.

Am Samstagnachmittag konnten sich die Gäste auch der Gothic Fashion Show widmen, welche auf massives Interesse der Zuschauer hervorrief. Die Fans wurden stilecht begrüßt, so konnte man am Eingang zwischen zwei Stelzenläufern durchgehen und beide Termine waren restlos gefüllt. Die Show selbst setzte erneut auf extravagante Outfits, viel Fetischmode und bekannte Gesichter aus der Gothic-Szene. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren wirkte die Auswahl der präsentierten Kleidung allerdings etwas weniger abwechslungsreich und stärker auf Fetisch-Ästhetik konzentriert. Gleichzeitig gab es eine sichtbare Erweiterung des Spektrums: Zum ersten Mal wurde die Mode von klar queer gelesen Models präsentiert. Damit spiegelte die Fashion Show eine Entwicklung wider, die auch auf dem restlichen Festivalgelände deutlich zu sehen war. Gerade im Zusammenspiel mit der Fashion Show und den verschiedenen Initiativen entstand damit ein Festivalbild, das die Schwarze Szene nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich in ihrer Vielschichtigkeit zeigte.

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Gothic Fashion Show

Der Mittelaltermarkt begeisterte die Besucher wieder von Freitagnachmittag bis Sonntag tief in die Nacht. Dabei durften leckere Speisen, Met und Bier natürlich nicht fehlen, genauso wenig wie eine dreiteilige Feuershow, die sogar eine fortlaufende Geschichte erzählte. Zu später Stunde spielte auch eine Band sich noch die Finger wund: Pestilenzia. Seit über zehn Jahren jedes Jahr auf dem Mittelaltermarkt, waren sie auch dieses Jahr wieder dabei und nächtlich zu hören. 

Für das leibliche Wohl sorgte der beliebte Food-Court und bot vielerlei leckere Gerichte an. Wobei auch hier natürlich die leider mittlerweile übliche Spekulation um die Preiserhöhungen nicht ausblieb. Diese fand man leider fast durch die Bank, aber sie lassen sich auch kaum mehr umgehen. Ein kostenloses und willkommenes Upgrade war die Klimaanlage für die Gothic-Fashion-Town. Auch wenn sie seit jeher mit toller Kleidung, Accessoires und Kunst zum Verweilen und Stöbern einlud, stieg so ihre Beliebtheit dieses Jahr noch ein bisschen mehr.

Tagsüber blieb der alte Hangar, der früher als die zweite Stage genutzt wurde, auch nicht leer. Der mittlerweile siebte Crypt Talk lockte mit Chris Harms und Stephan Thanscheidt in den Schatten, ebenso wie Lesungen von Markus Heitz, Jessica Iser, Christian von Aster und Lydia Benecke. In den Nächten wurden im Hangar massive Parties am Freitag und Samstag mit verschiedene DJs gefeiert.
Zu einem festen Bestandteil des letzten Tages scheint auch die “Klosing Party” zu werden. Die Abschieds Party vor den Toiletten Containern, die vor ein paar Jahren vom DJ Team “Dancefloor Gladiatorz“ ins Leben gerufen wurde, erfreute sich vieler tanzwütiger Besucher.

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Tänzer auf dem M’era Luna

 

Eine weitgehend ruhige Bilanz – mit einigen Fragezeichen

Insgesamt verlief das M’era Luna 2026 weitgehend ruhig und entspannt. Der Festivalbetrieb selbst funktionierte, trotz der anspruchsvollen Wetterlage, und größere Störungen prägten das Wochenende nicht. Bei der Abreise zeigte sich allerdings noch einmal, dass ein Festival dieser Größenordnung logistisch schnell an seine Grenzen kommen kann. Die Fahrzeuge wurden teilweise sogar noch abgespritzt und vom Staub befreit, der sich während des Wochenendes auf den Autos angesammelt hatte. Während die Abreise der PKW zunächst erstaunlich gut anlief, verdichtet sich der Verkehr sehr schnell.

Zusätzlich erschwerte ein Unfall auf der A7 die Rückfahrt. Für Verzögerungen auf dem Festivalgelände sorgte zudem ein medizinischer Notfall am Rand des Parkplatzes. Nach Informationen aus dritter Hand musste dort eine Person reanimiert werden, überlebte den Vorfall jedoch. Die ersten Maßnahmen wurden demnach unter anderem von Festivalgästen übernommen, darunter ein Notfallsanitäter und eine Krankenschwester, die über rund 30 Minuten Erste Hilfe leisteten. Die Schilderung lässt dabei zumindest Fragen danach offen, wie schnell und zuverlässig professionelle medizinische Hilfe in einer solchen Situation tatsächlich verfügbar war.

Dass sich Besucher untereinander helfen und medizinisch geschulte Festivalgäste im entscheidenden Moment eingreifen, ist bemerkenswert. Gleichzeitig sollte ein derartiger Vorfall Anlass sein, die Abläufe rund um medizinische Notfälle und die Erreichbarkeit professioneller Kräfte kritisch zu betrachten. Insgesamt war das Festival auch polizeilich als sehr gut einzustufen, auf 25.000 Gäste kamen nur 22 Straftaten.

 

Fazit

Das M’era Luna Festival 2026 zeigte erneut, warum das Wochenende in Hildesheim für viele Besucher einen festen Platz im Kalender hat. Für die immer wieder begeisterten Gäste bedeutet dieses Festival zwei Tage lang ihre Musik und ihre Szene zu feiern – wenn auch dieses Jahr bei extremer Hitze. Auf unserem Insta Kanal gibt es ein kleines Aftermovie mit den schönsten Tanzszenen der Gäste, welche wir festhalten konnten. Musikalisch bot das Festival ein gewohnt breites Spektrum, auch wenn die Headliner zum Teil wenig überraschend waren. Dazu kam ein Rahmenprogramm, das mehr ist als bloßes Drumherum. Die NGO Corner, politische Initiativen, soziale Projekte, die Gothic Fashion Show, Mittelaltermarkt, Lesungen und Mitmachangebote machten das M’era Luna 2026 auch zu einem Ort, an dem neben Musik und Mode gesellschaftliche Themen ihren Platz fanden.

Natürlich gab es dabei auch Punkte, die nicht ganz reibungslos wirkten – von einzelnen Schwierigkeiten bei der Anreise über die enorme Lautstärke an der Club-Stage bis hin zu Fragen rund um die medizinische Versorgung bei einem Notfall. Sie überschatteten das Wochenende jedoch nicht. Am Ende blieb vor allem das Bild eines voll besetzten, sonnigen und ausgesprochen vielfältigen M’era Luna 2026 auf dem wir wieder eine tolle Zeit hatten. Ein kurzer Dank geht wieder raus an das Presse Team für die klasse Betreuung vor Ort.

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Besucher vor der Main Stage

 

Festivalbericht: Jannis Betz und Natalie Laube