Das Rockharz Festival erlebte 2026 seine 33. Auflage. Seit nun schon 17 Jahren ist der Austragungsort des Spektakels der Flugplatz von Ballenstedt im Harz. Zwischen dem Solarpark und der Teufelsmauer trafen sich auch dieses Jahr über 25.000 Metalheads um gemeinsam ihre Musik zu feiern.
Wie es auf dem restlos ausverkauften Festival war, erfahrt ihr in diesem Bericht.
Fotolinks: Teil 1 (Mittwoch und Donnerstag) / Teil 2 (Freitag) / Teil 3 (Samstag)

Rockharz Festival
Dienstag, der 30.06.2026
Wer früh auf das Gelände wollte, konnte das dieses Jahr gegen 30 € Aufpreis schon am Dienstag tun. Auch gab es für Wohnwagen spezielle Montags-Anreise-Tickets, allerdings waren diese limitiert.
Zwar startete das Bandprogramm erst am Mittwochnachmittag, trotzdem wurde die Frühanreise von vielen gerne genutzt. So herrschte dann schon am Dienstagmittag reger Betrieb auf dem Gelände.
Wer sich schon häuslich eingerichtet hatte, nutzte den restlichen Tag um das Gelände zu erkunden oder sich von der Fahrt zu erholen. Energiereserven konnte man auch bei einem Aufstieg zur Teufelsmauer verbrauchen und einen Ausblick über das Festivalgelände genießen.
Dieses Jahr hatten die Veranstalter von den Diakonie-Werkstätten in Halberstadt ein Gipfelbuch anfertigen lassen, worin man sich verewigen konnte. Das war für einige ein zusätzlicher Anreiz, den steilen Weg auf sich zu nehmen.
Ansonsten konnte man auf dem Campingplatz noch bis spät in die Nacht Leben vorfinden. Zwar waren laut Festival-ABC „Musikanlagen, die über normale Car-HiFi Ausstattung hinausgehen, nicht gestattet“. Trotzdem hatten einige Festivalbesucher Anlagen dabei, mit denen man einen Großteil der Nachbarschaft beschallen konnte. Und das taten sie auch. Die Nachtruhe von 2 bis 8 Uhr wurde aber eingehalten.

Der Campingplatz von oben
Mittwoch, der 01.07.2026
Der reguläre Anreisetag begann mit Regen und dieser endete auch erst am späten Vormittag. Das führte dazu, dass so mancher sein Camp im Regen aufbauen musste. Allerdings waren es nicht so viele, da die Masse eindeutig schon am Dienstag angereist war.
Gegen Mittag nutzen viele das trockene Wetter und die angenehmen Temperaturen aus: Schon bald begann eine Völkerwanderung zur Teufelsmauer. Die Wanderer bewegten sich allerdings auch genauso schnell wieder in die andere Richtung, als sich durch mehrfaches Donnern die nächste Gewitterfront ankündigte. Wenige Minuten später zog diese dann auch mit heftigem Niederschlag über den Flugplatz. Die wenigsten Wetterapps hatten das vorab auf dem Schirm gehabt.
Auf dem Großteil des Geländes konnte der Boden das Wasser noch gut aufnehmen – auf den Anfahrtswegen aber schon nicht mehr überall. Für einige, die gerade erst ankamen, war es schon zu viel Schlamm. Gerade Rockharz-Fans mit größerem Gespann mussten bereits auf die Fläche geschleppt werden.
Währenddessen sorgten die Helfer im Inklusionscamp dafür, dass die ausgelegten Gummiwege frei von Wasser blieben, damit sie gefahrlos benutzt werden konnten. Für die Besucher, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen waren, war das ein absolutes Muss. Auch im Infield wurde viel dafür getan, dass das Festival pünktlich eröffnet werden konnte – und das gelang den Veranstaltern auch.

Kinderfreundlicher Dino-Metal: Heavysaurus
Als Opener gab es die deutschen Ableger von Heavysaurus zu sehen. Die extra kinderfreundliche Heavy-Metal-Band konnte auf einen vollen Platz blicken, mit einem extra abgesperrten Bereich für ihre jüngsten Zuschauer. Es wurden nicht nur altbekannte Hits wie „Kaugummi ist mega“ gespielt, sondern auch einiges aus ihrem im Januar erschienenen Album „Metal“.
Dass die Dinos nicht nur bei den Kleinen beliebt sind, sondern auch bei den Großen, daran bestand kein Zweifel. So sorgten einige Besucher als Dinos verkleidet für Stimmung und auch das Infield war voll. Aber auch die Schlange bei der anschließenden Autogrammstunde war sehr lang und zeigte, dass die Dinos bei allen Altersgruppen ankamen.
Weiter im Programm ging es mit der deutschen Modern-Metal-Band Soulbound und der österreichischen Post-Black-Metal Band Harakiri For The Sky. Diese waren zum ersten mal auf dem Rockharz vertreten. Schon öfters zu Gast waren hingegen die fünf Musiker der schwedischen Trash-Metal-Band The Haunted. Diese spielten einen guten Mix mit Stücken aus ihrem aktuellen, aber auch aus den ganz alten Alben. Natürlich durfte zum Abschluss der „Hate Song“ von ihrem Debütalbum nicht fehlen.
Auch die nächste Band war eine aus dem Norden Europas: Ensiferum. Dass der Folk Metal der Finnen noch immer beliebt ist, konnte man problemlos am Füllgrad vor der Bühne ablesen. Auch hatten sie mit ihrer Auswahl an Musiktiteln eine gute Mischung ihrer Alben dabei, wobei ihr letztes Album “Winter Storm” von 2024 klar dominierte. Aber auch bei Ensiferum durfte ein Lied vom aller ersten Album nicht fehlen. Dies war natürlich „Token of Time“. Mit „In My Sword I Trust“ endete der Auftritt während sich auf der nächsten Bühne schon die nächste Band bereitmachte.

Zum vierten Mal dabei: Paradise Lost
Mit Paradise Lost betrat nun ein Wegbereiter des Death-, Doom- und Gothic Metal die Rockharz-Bühne. Es handelte sich um den vierten Auftritt der Band auf dem Festival. Angesichts von 38 Jahren Bandgeschichte kann natürlich jedes ihrer Konzerte nur eine kleine Auswahl ihres Schaffens bieten.
Als die ersten Klänge von Black Label Society zu hören waren, sang das Publikum direkt tatkräftig mit. Der Gesang wurde noch lauter als Bandleader Zakk Wylde mit Actionfiguren und seinem Handy in der Hand auf die Bühne trat und das Publikum filmte. Die eigentliche Show von Black Label Society wurd mit den Glocken von “Funeral Bell” eingeläutet, was von den Fans sehr gut angenommen wurde. Aber auch „In This River“ und „Suicide Messiah“ durften bei diesem Auftritt nicht fehlen.
Headliner des ersten Tages war die deutsche Power-Metal-Band Helloween. Für die Hamburger Gruppe um die beiden Sänger Michael Kiske und Andi Deris war es – trotz über 40 Jahren Bandgeschichte – tatsächlich der aller erste Auftritt auf dem Rockharz Festival. Mit dabei hatten sie eine bunt gemischte Setliste mit Stücken von „Future World“ bis „I Want Out“. Ein Schlagzeugsolo von Daniel Löble durfte auch nicht fehlen und in der Zugabe kam natürlich noch „Dr. Stein“.

Headliner am Freitag: Helloween
Als Closer des ersten Abends gab es etwas, das nicht aus dem traditionellen Metal kam. Mit Steve’n’Seagulls aus Finnland spielte eine Polka-Metal-Band zum Abschluss des Tages. Wer sich darunter nichts vorstellen konnte, wurde beim Anblick der Band als erstes an die Klischees von Hillbillies aus den USA erinnert. Und genauso spielten sie auch, nur halt mit Metal-Anteil. Beim Publikum kam das gut an, in den ersten Reihen wurde gleich laut gefeiert.
Steve’n’Seagulls nahmen vor allem bekannte Lieder von Bands wie Iron Maiden oder Metallica aufs Korn. Absolut kein großer Name der Rock- und Metal-Geschichte war vor ihrer bunten Polka-Covershow sicher.
Donnerstag, der 02.07.2026
Der Donnerstag begann ruhig und besonders warm. Die meisten Zelte heizten sich in der Morgensonne sehr schnell auf, sodass sich das Leben schon deutlich früher vor die Zelte verlagerte als man das von einem Festival erwartet. Auch die Beschallung hielt sich am Vormittag in Grenzen, sodass man ohne Probleme vor dem Zelt noch eine Runde Dösen konnte.
Als erste Band des Tages spielte die deutsche Thrash-Metal-Band Final Cry. Sänger Kai erlaubte den Fotografen nach dem dritten Lied im Graben zu bleiben. Er löste damit ein Versprechen ein, das er einigen mal gegeben hatte: Sollte er jemals auf dem Rockharz spielen, dürfen die Fotografen das ganze Set fotografieren. Heute war es soweit.

Die Habenichtse: Eltern trinken für ihre Kinder
Weiter im Programm ging es mit dem selbst ernannten Schmierentheater der Folk-Rock- und Mittelalter-Band Die Habenichtse. Diese sangen schon am Mittag von Flaschenkindern, Urlaub im Mittelalter oder von Tavernen. Bei so vielen Liedern über Alkohol und dem stellenweise vor der Bühne zu findenden Alkohol gab es aber eine Einschränkung: Eltern trinken für ihre Kinder.
Genauso wenig ernst wie Die Habenichtse nahmen sich auch Mittel Alta. Bei der deutschen Mittelalter-Rap-Band konnte man das schon am Bandnahmen, den Outfits und auch den Liedtiteln ablesen. So gaben Mittel Alta Lieder wie „Gelber Schein am Horizont“ oder „Der Chef ist tot“ zum Besten. Die Kombination aus Rap und Mittelalter hatte vor Ort durchaus sein eFans, traf aber eindeutig nicht jedermanns Geschmack.
Als nächstes stand Power Metal aus Tokio auf dem Programm: Hagane. Die vier Damen rund um Sängerin Nagi brachten mit ihrer melodischen Spielweise und den japanischen Texten einen hohen Wiedererkennungswert auf die Bühne. Hagane waren mit keiner anderen Band des Festivals vergleichbar und bildeten zu den vorherigen Künstlern ein echtes Kontrastprogramm. Dass die Japanerinnen deutlich besser ankamen als der Mittelalter-Rap, sag man an der Besucherzahl und hörte man am Jubel vor der Bühne.
Wenig später betraten zwei schwarz gekleidete Männer mit Masken und Rauchfackeln die Bühne. Sie läuteten den Auftritt der NDH-Band Stahlmann ein. Mit Stücken wie „Hass mich, lieb mich“ oder „Adrenalin“ brachten sie die Besucher zum Mitsingen. Als weiterer Klassiker war „Schwarz“ zu hören. Den Abschluss des Auftritts bildete eines ihrer ersten Lieder, das nun auch schon 16 Jahre alte „Süchtig“.

Mit luftigen Kostümen gegen die Hitze: Dogma
Das richtige Outfit für den heißen Tag trugen die fünf Damen von Dogma. Mit ihren sehr luftigen Nonnenkostümen und spannenden Posen heizten sie vor allem den Zuschauern ein, die an Frauen interessiert waren. Sängerin Lilith versuchte bald, die Ansagen an das Publikum auf Deutsch zu halten. Sie schränkte gleich selbst ein, dass ihr Deutsch nicht sehr belastbar ist, doch dafür klappte es ganz gut. In der Setliste fanden sich unter anderem „Fate Unblinds“ und „Carnal Liberation“, aber auch das Madonna-Cover „Like A Prayer“. Den Abschluss von Dogmas Rockharz-Auftritt bildete schließlich „The Dark Messiah“ von ihrem Debütalbum.
Weiter im Programm ging es mit der finnischen Metal-Band Warmen. Keyboarder Janne Wirman meinte zwischendurch, dass die Band gerade vor ihrer größten Crowd außerhalb Finnlands spiele. Er erzählte auch, dass sie ein paar Tage vorher auf dem Tuska Festival in Helsinki gespielt hätten und fordere die Zuschauer nun auf, mehr zu feiern als die Besucher dort.
Bei der polnischen Death-Metal-Band Decapitated begann es deutlich mehr zu winden als bei den Bands zuvor. Das hielt die drei Musiker nicht davon ab, alles zu geben. Aufgrund des dann doch sehr starken Windes entschlossen sich die Veranstalter aber zu diversen Sicherheitsmaßnahmen. Zum Beispiel wurden keine Backdrops mehr aufgehangen.
Ohne Backdrop wusste man im ersten Moment nicht, was als nächstes auf einen zukam. Doch beim ersten Lied „Das Kapital“ war sofort klar: Es war an der Zeit für Betontod. Die Punk-Rocker aus dem Ruhrpott sparen bei ihrer Musik ganz sicher nicht mit Kapitalismuskritik. Trotz der durchaus ernst gemeinten Themensetzung kam aber auch die Party nicht zu kurz. Gespielt wurden Stücke von „Totenkopf“ über „Neonlicht“ bis hin zu „Viva Punk“. Danach ging es direkt weiter mit Punk, allerdings mit Harcore Punk aus der USA in Form von Agnostic Front. Diese lieferten eine gute Show und verlangten dem Publikum alles ab.

Dominum hatten ihren Slot getauscht
Deutlich früher als geplant spielte die deutsche Power-Metal-Band Dominum. Diese hatten aus produktionstechnischen Gründen ihren Platz am Ende des Abends mit Hämatom getauscht. Als Dominum-Sänger Dr. Dead mit seinen drei Zombies die Bühne betrat, war es sehr windig. Mehrmals riss der Wind sogar die Mikrofonständer um, die eilig von der Crew immer wieder aufgestellt wurden. Spätestens hier wusste man: Dass keine Backdrops und Banner mehr erlaubt waren, machte definitiv Sinn.
Aber auch der ständig pfeifende Wind hielt die Fans von Dominum nicht davon ab zu feiern. Dass sie dabei textsicher waren, zeigten sie unter anderem bei „The Dead Don’t Die“ und „Frankenstein“. Neben ihren bekannten Liedern hatte die Band auch Stücke von ihrem neuen Album „Night Is Calling“ dabei, das am Tag nach ihrem Auftritt offiziell erscheinen sollte. So gab es auf dem Rockharz unter anderem das Live-Debüt von „Doctor Doctor“ zu hören.
Düster weiter ging es danach mit Avatar. Die schwedische Power-Metal-Band begann ihren Auftritt mit schwarzen Kutten und einer blauen Laterne zum Lied „Captain Goat“. Danach legten sie die Kutten ab und mit „Let It Burn“ ging es richtig los. Seine Ansagen machte Sänger Johannes Eckerström auf Deutsch – versehen mit dem Kommentar, dass sein Deutsch zwar nicht gut wäre, aber immerhin besser als unser Schwedisch. Damit hatte er bei 99,9 % der Zuschauer wohl recht. Weiter im Set ging es vor allen mit Liedern aus ihrem aktuellen Album „Don’t Go In The Forest“ bevor sie mit „Hail The Apocalypse“ ihr Konzert unter Jubel beendeten.
Mit Spannung wurde der Headliner des Abends erwartet. Die US-amerikanische Rocklegende Alice Cooper trat das erste mal auf dem Rockharz auf und eröffnete die Show mit Rapier und Zylinder. Es begann eine musikalische Zeitreise durch die 22 Alben, die Alice Cooper in seiner über 50 Jahre andauernden Musikkarriere veröffentlicht hat. Mit seinen Hits wie „No More Mr. Nice Guy“ und „Poison“ bewies der 78-jährige Musiker, dass er immer noch die Massen zum Mitsingen und Feiern bringen kann. Spätestens beim Ertönen der ikonischen Schulglocke und damit dem Beginn von „School’s Out“ sagen auch die aller letzten Fans mit.

Rocklegende Alice Cooper
Als nächstes spielten Hämatom. Diese hatten ja mit Dominum den Slot getauscht und waren daher jetzt Closer des Abends. Für manch einen war das ein guter Grund, nach Alice Cooper noch nicht ins Bett zu fallen sondern noch ein bisschen wach zu bleiben. Zu sehen gab es einiges. Hämatom hatten ihre neue Show aus der Irrenanstalt dabei: „Gagamania“. Die Besucher des Rockharz hatten nun als erstes die Möglichkeit, sich die neue Show live anzusehen. Doch leider blieb die Bühnendeko aus Sicherheitsgründen unten vor der Bühne. Man erkannte die Irrenanstalt also nur an den Pflegern und an den beiden Betten, an die Ost und Rose gefesselt waren.
Dafür feuerten Hämatom ein Set an Liedern ab, das jedes Fanherz erfreute. Von “Gaga” über eine Einspielung von “Cotton Eye Joe” bis hin zu “Wir sind Gott” war alles dabei. Zu “Scheiße kommt – Scheiße geht” wurde Schlagzeuger Süd über die Menge getragen, umrahmt von blauen Scheiße-Emojies. Warum der Haufen Scheiße ausgerechnet blau war und nicht wie üblich braun, das wusste Sänger Nord auch nicht. Zumindest laut eigener Aussage.
Auch die Crew zeigte während des Konzerts höchsten Einsatz. Als der Wind abgeflaut hatte, bauten sie das Bühnenbild doch noch auf, damit es auf der Bühne nicht ganz so leer aussah. Zum Abschluss wurde noch mal massiv gefeiert, denn das letzte Lied des Festivaltages war „Es regnet Bier“.
Freitag, der 03.07.2026
Der Tag begann mit viel Wind. Auch die meisten Wetter-Apps sagten den ganzen Tag über Wind oder gar Sturmböen mit bis zu 90 km/h voraus. Dementsprechend wurden viele Markisen und Pavillons vorsichtshalber abgebaut und so manches Zelt noch mal zusätzlich gesichert.
Auch in der offiziellen Rockharz WhatsApp-Gruppe und an den Info-Bildschirmen wurde vor den starken Windböen gewarnt. So hatten die Bands an diesem Tag dann aus Sicherheitsgründen kein Backdrop oder sonstige Bühnendeko vor der sie spielen konnten. Das wurde als notwendiges Ärgernis empfunden, war aber kein großes Problem.

Country-Vibes bei Rodeo 5000
Als erste Band des Tages spielte wieder einen “Redneck”-Band, die nicht aus der USA kam. Das Projekt von Sänger Simon (Mr. Hurley und die Pulveraffen) und Jonas (Die Pressgëng) trägt den Titel Rodeo 5000. Thematisch drehte sich ihre Show um die Klischees der „Hinterwäldler aus der USA”.
Lieder wie „Pestizide“ oder „Nackt im Pick Up Truck“ gingen genauso schnell ins Ohr wie die Lieder der Hauptbands der beiden Protagonisten. Das Stück „Mein Stammbaum ist ein Kreis“, das sie spielten, kannte man allerdings eher von einer anderen Band.
Als nächstes ging es mit Haggefugg aus Köln thematisch ins Mittelalter. Jedenfalls grob. Denn ob die besagten Geschwister im Song „Märchenwald“ so existiert haben, darf bezweifelt werden. Oder auch der verkleidete Robin Hood, der dem Sänger Gregor den Geldbeutel klaute und den Inhalt samt Wasserflasche in die Menge warf. Ob man etwas für solche Showeinlagen übrig hat oder nicht: Haggefugg unterhielten die Zuschauer gut und brachten sie zum Feiern.
Von den Konzerten von Motorjesus, Cypecore, Hiraes und Gothminister bekam ich weniger mit, da ich auf dem Gelände unterwegs war. Fotos der vier Bands habe ich trotzdem gemacht, schaut einfach in die Bildergalerie.
Eine Album-Premiere gab es später bei der deutschen Folk-Rock-Band Rauhbein. Just an diesem Tag war ihr neues Album „Rebellen & Helden“ erschienen. Um den Album-Release gebührend zu feiern, hatten Rauhbein das DJ- und Produzenten-Duo HBz und 2 Engel & Charlie dabei. Sänger Henry meinte dazu, dass dies eine Weltpremiere sei, die es so vermutlich nie wieder geben werde.

Walls Of Jericho: Ein Pit nach dem anderen
Deutlich härter ging es mit Walls Of Jericho aus der USA weiter. Die Frontfrau der Metalcore/Hardcore-Band, Candace Kucsulain, gab alles und rief schon während der ersten Songs direkt zum Circle Pit auf. Viele Fans kamen der Aufforderung liebend gerne nach. Und es sollten längst nicht die letzten Circle Pits dieses Auftritts werden!
Wieder ruhiger wurde es dann bei der Folk-Rock-Band Fiddler’s Green. Allerdings wurde dort das Kunststück vollbracht, dass der erste Groundsurfer schon vorne ankam bevor die ganze Band überhaupt auf der Bühne stand.
Mit den Apokalyptischen Reitern aus Weimar betrat eine Band die Bühne, die mit ihren verschiedenen Spielrichtungen nicht fest einem bestimmten Metal-Genre zugeordnet werden kann. Viele Besucher freuten sich auf den Auftritt der abwechslungsreichen Band und von Anfang an herrschte sehr gute Stimmung. Kaum erklangen die ersten Noten von „Volle Kraft“, da machten sich auch schon die ersten Crowdsurfer auf den Weg nach vorne. Mit Hits wie „Die Sonne scheint“ und „Der Seemann“ brachten die Reiter die Besucher zum Mitgrölen und Feiern. Jedenfalls die, die nicht gerade aktiv einen Crowdsurfer oben hielten.
Bald füllte sich die Fläche vor der Bühne mit den Fans der Hardcore-Metal-Band Biohazard aus Brooklyn. Mit „Urban discipline“ eröffneten die vier Musiker direkt mit einem Klassiker von ihrem zweiten Album. Aber sie spielten nicht nur solche alten Stücke von früher. Mit beispielsweise „Fuck the System“ waren auch Songs aus ihrem aktuellen Album „Divided We Fall“ von 2025 dabei.

Bei Subway to Sally gab es „Doppel-Crowdsurfer“
Mit P.O.D. ging es musikalisch erst ähnlich hart weiter, Subway to Sally sorgten dann aber für einen absoluten Stilbruch in Richtung Mittelalter-Rock. Als erstes Lied wurde „Was ihr wollt“ gespielt. Und was die Fans wollten zeigten sie gleich: Crowdsurfen! Bei „Eisblumen“ probierten dann viele das Crowdsurfen auf einen Crowdsurfer aus. Sänger Eric Fish nannte das in Ermangelung einer besseren Beschreibung „Doppel-Crowdsurfing“. Und von den Doppel-Crowdsurfern gab es gar nicht so wenige. Weiter im Programm ging es unter anderem mit den Klassikern „Kleid aus Rosen“ und „Veitstanz“. Natürlich durfte „Julia und die Räuber“ zum Abschluss nicht fehlen.
Einer der Höhepunkte das Tages war für viele Rockharz-Besucher die australische Hard-Rock-Band Airbourne. Diese ist nicht nur stilistisch nahe an AC/DC angelehnt, sondern kam auch mit ihrem Auftritt und den Songs durchaus an die ganz großen Vorbilder heran. Auch wenn gute 30 Jahre Bühnenerfahrung zwischen Sänger Joel O’Keeffe und Angus Young liegen hatte man den Eindruck, dass Airbourne ihren Landsleuten durchaus das Wasser reichen können. Zu Hits wie „Gutsy“, „Raise the Flag“ und „Running Wild“ gaben Airbourne alles und lieferten eine Show ab, die viele nicht so schnell vergessen werden.
Danach war auch schon der Hauptact dieses Freitags an der Reihe: Kreator. Da sich der Wind inzwischen gelegt hatte, hatten die Thrash-Metaller aus Essen wohl beschlossen alle ausgefallenen Feuershows nachzuholen. Gefühlt bei jedem Lied ließen Kreator Feuersäulen Richtung Himmel wachsen. Bei ihrem Auftritt spielten Kreator aktuelle Stücke – zum Beispiel „Loyal To The Grave“, bei dem Sänger Mille Krähenflügel an hatte. Es gab aber auch alte Hits aus 40 Jahren Bandgeschichte auf die Ohren, so unter anderem „Enemy of God“ oder „Betrayer“. Ein weiters Highlight des Kreator-Konzerts war der Gastauftritt von Sängerin Britta Görtz (Hiraes), die „Tränenpalast“ sang.

Über 40 Jahre Thrash Metal: Kreator
Als letzte Band und damit Rausschmeißer des Abends spielte die Schweizer Irish-Folk-Band Saint City Orchestra. Auch wenn die sechs Musiker gute Stimmung verbreitet, war das Infield leider nicht mehr so gut gefüllt wie bei Kreator. Viele zog es nach dem anstrengenden Tag schon Richtung Zeltplatz.
Samstag, der 04.07.2026
Der letzte Tag des Rockharz begann gemütlich. Vielen steckte noch der Vorabend in den Knochen oder sie genossen die angenehmen Temperaturen und wollten lieber ausschlafen. Daher war es bei den ersten Bands des Tages deutlich leerer als an den Tagen davor.
Als Opener des letzten Festivaltages spielte die Industrial-Metal-Band Pinhead. Diese waren kurzfristig für Watch Me Rise eingesprungen, die ihren Auftritt aus persönlichen Gründen angesagt hatten.
Weiter ging es mit der deutschen Thrash-Metal-Band Drone. Die Gruppe rund um Sänger Mutz legte zu früher Stunde eine solide Show für ihre nicht ganz so vielen Zuschauer hin. Drone kamen gut an, allem Anschein nach aber nicht bei jedem. So kam während des Auftritts ein Mitarbeiter des Festivals auf die Bühne, sprach Sänger Mutz an und es entwickelte sich eine körperliche Auseinandersetzung. Kurz darauf hoben zwei Security-Mitarbeiter Sänger Mutz einfach hoch und trugen ihn von der Bühne. Das alles war natürlich eine abgesprochene Aktion zur Unterhaltung der Zuschauer. Im ersten Moment wirkte es aber so echt, dass mancher Fan erst einmal doof aus der Wäsche schaute.

Der Drone-Sänger wurde mal kurz von der Bühne entfernt
Als nächstes gab es mit Tailgunner Heavy Metal aus dem Vereinigten Königreich. Die noch relativ junge Band kann aktuell auf nur zwei Studioalben zurückblicken, traf mit diesen aber durchaus auf Begeisterung. Sänger Craig Cairns hielt auch während des Auftritts den Bandnamen, der als Aufsteller unter seinem Mikrofonständer angebracht war, prominent ins Publikum. Es sollte ja schließlich niemand vergessen wer da gerade auf der Bühne stand.
Die Death-Metal-Band Necrotted aus Abtsgmünd hatte auf dem Rockharz zwar auch nur einen kurzen 40-Minuten-Slot zur Verfügung. Trotzdem legten sie nach 23 Minuten eine kurze „Hydration Break” ein und ließen währenddessen einfach mal das Intro der Sendung mit der Maus laufen. Tja, auf welches aktuell laufende Event das wohl eine Anspielung war?
Als nächstes war ein kleines Familienunternehmen zu sehen. Die schwedische Power-Metal-Band Tungsten besteht effektiv aus dem ehemaligen Hammerfall-Drummer Anders Johansson, seinen beiden Söhnen und Sänger Mike Andersson. Die vier Musiker spielten etas aus jedem ihrer fünf Studioalben bevor sie das Mikro an die brasilianische Death-Metal-Band Crypta übergaben. Auch diese rein weibliche Band konnte musikalisch sehr überzeugen und spielte Stücke aus ihren beiden Alben. Nach dem Auftritt gab sich Sängerin Fernanda noch ganz Fan-nahe und posierte mit mit ihren Fans für ein paar Bilder im Fotograben.
Weiter im Programm ging es unter anderem mit der Thrash-Metal-Band Artillery und der Power-Metal-Band Majestica. Zu Majestica hatte sich das Infield deutlich gefüllt und so konnte Sänger Tommy Johannson von der Bühne aus auf viele Zuschauer blicken. Auf dem Programm der Band standen vor allem Songs aus ihrem letzten Album “A New World“.

Finntroll: Neuer Sänger, alte Hits
Als nächstes spielten die deutsche Alternative-Metal-Band Annisokay und die finnische Folk-Metal-Band Finntroll. Letztere hatten zwar keine neue Musik dabei, da ihr letztes Album „Vredesvävd“ schon 2020 erschienen ist. Dafür hatten sie dieses Mal aber einen neuen Frontmann dabei: Ersatz-Sänger Kistelach. Mit diesem spielten sie dann ihre beliebten Klassiker von „Solsagan“ über „Trollhammaren“ bis hin zu „Jaktens Tid“.
Die kanadische Band Danko Jones – rund um den gleichnamigen Sänger – hat zwar deutlich mehr Alben in ihrer Geschichte veröffentlicht. Mehr Zeit um ihre Hits zu spielen hatten aber auch sie nicht. Trotzdem nahm sich Sänger Danko vor „I’m In A Band“ die Zeit darauf hinzuweisen, dass die Fotografen ja drei Songs im Fotograben sein dürfen. Jetzt kam der dritte Song, also sollten sie ihre „fucking Fotos“ machen.
Bald darauf betrat ein wahres Urgestein der deutschen Rock- und Metal-Szene die Bühne: Die Queen of Metal Doro Pesch. Mit „Earthshaker Rock“ eröffnete sie ihr viertes Konzert auf dem Rockharz, nachdem sie dort zum letzten Mal 2010 aufgetreten war. Auch wenn ihre Setliste überwiegend von Klassikern aus der Warlock-Ära geprägt war, befanden sich mit „Time for Justice“ und „Raise your Fist“ auch neue Stücke darunter. Nach „Time for Justice“ bedankte sich Doro bei ihrer Road Crew und den gerade abrückenden Fotografen, die sie zum Teil auch schon seit über 40 Jahren begleiten.

Feurige Show bei Metal-Queen Doro
Mit Knorkator betrat eine ganz besonderen Band die Bühne: Und zwar die „meiste Band der Welt“. Damit das Publikum auch direkt in Fahrt kam, zog Sänger Stumpen schon bei „Das Unheil“ obenherum blank. Aber das reichte ihm natürlich nicht. Bei „Der Buchstabe“ sprang er in den Fotograben, um mit dem Publikum den 31. Buchstaben (das PFF) zu machen. Danach holte Stumpen zum dritten Song die Fotografen auf die Bühne. Ein Teil nahm den direkten Weg und kletterte drauf, während die meisten lieber den langen Weg außen herum gingen.
Stumpen und Alf Ator hatten schon etwas für die Fotografen vorbereitet – und zwar Schläge mit einer Poolnudel. Danach gab es ein gemeinsames Foto von der Bühne und die Fotografen wurden wieder verabschiedet. Doch nicht nur die Fotografen bekamen etwas ab: Nach „Ismus“ holte Stumpen die Rockharz-Gründer Danny und Buddy auf die Bühne, um gemeinsam mit einem Schnaps auf ihre Hochzeit anzustoßen.
Musikalisch ging es dann mit „Böse“ weiter, wobei Sänger Stumpen das Mikrofon an den Sohn von Alf Ator übergab. Tim Tom Thomas ist damit das zweite Familienmitglied der Bandgründer, das aktiv in die Band mit eingebunden wird. Also ein weiteres kleines Familienunternehmen auf der Bühne. Zu „Wir werden alle sterben“ stand Stumpen in einem Funkenrad, wobei die Pyro aber nach innen auf ihn und nicht nach außen gerichtet war. Allerdings beendet er das Lied mit den Worten: „Ich lebe noch“. Damit war auch das Konzert fast zu Ende, denn er schickte die Zuschauer nun „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“.

Knorkators Stumpen schwang die Poolnudel
Die Black-Metal-Band Emperor aus Norwegen stand gewiss für weniger skurrile Einlagen als Knorkator. Doch für ihre Fans gehörte sie ohne Zweifel zu den Höhepunkten des Festivals. Die drei Musiker begannen ihr Set mit „Into the Infinity of Thoughts“, spielten außerdem „I am the Black Wizard“ und „Inno A Satana“. Am Ende ihres Auftritts freuten sich die Fans über „Ye Entrancemperium“.
Vor den Headlinern des letzten Festivaltages gab es noch ein Farewell, bei dem sich die Veranstalter mit vielen Helfern und sonstigen Beteiligten auf die Bühne stellten. So voll war dir Rockharz-Bühne dieses Jahr definitiv noch nicht. Neben ein paar Worten über das Wetter gab es nun auch zwei Ehrungen.
Ein Mal für Buddys ersten Angestellten und jetzigen Schwager Mike, der ein paar Tage vorher sein zehnjähriges Angestelltenjubiläum beim Rockharz feierte. Die Sprechchöre, die seinen Namen skandierten, waren ihm sichtlich unangenehm, was aber keinen in Publikum davon abhielt es weiter zu tun. Als weiteres wurden Helfer von metal.de geehrt, die seit langer Zeit die vielen Autogrammstunden auf dem Festival organisieren und dieses Jahr auch ihr 30-jähriges Bestehen feierten.
Danach wurde die Bühne frei gemacht für die deutsche Mittelalter-Rock-Band Feuerschwanz. Diese zeigten schon ab den ersten Lied was in ihnen steckt und rissen die Zuschauer mit. Egal ob bei „Memento Mori“, „Schubsetanz“ oder „Berserkermode“: Die Zuschauer feierten und sagen lauthals mit. Mitsingen durfte auch die Queen of Metal Doro bei „Vallhalla“. Und zu „Rohirrim“ ließ es sich Prinz Hodenherz nicht nehmen von der Bühne herunter zu kommen und einen Kreis aus Reitern um sich zu formen. Mit „Das Elfte Gebot“ sagen die Feuerschwänze das letzte Lied ihres Auftrittes bevor sie den „Gangnam Style“ als Outro laufen ließen und sich nochmal von ihren Fans verabschiedeten.

Feuerschwanz können auch Headliner
Zur letzte Band des Abends und damit des ganzen Festivals war Soen. Mit ihrem ruhigen Progressive Metal ließen sie das Festival gemütlich ausklingen. Ihr sehr melodischer Sound bildete einen deutlichen Kontrast zu Feuerschwanz. Das Konzert von Soen war perfekt fürs Runterkommen nach vier anstrengenden Festivaltagen geeignet.
Der Sonntag war dann der Abreisetag. Reinlichkeit wurde dabei belohnt – mit einem Luftbild. Seit 2009 gibt es die Aktion, dass man für seinen abgegebenen Müllsack ein Luftbild bekommt. Dass die Aktion sehr gut ankommt, konnte man an den sehr sauberen Campgrounds ablesen. Über alledem kreiste am Vormittag eine Propellermaschine mit einen Banner, auf dem sich die Veranstalter noch mal bedankten: „Rockharz sagt danke, see you on the devils wall“.
Fazit / Meinung
Für uns war es das erste Rockharz Festival. Aufgrund der Gehbehinderung meiner Partnerin sind wir im Inklusionscamp abgestiegen. Viele Festivals schreiben sich ja Inklusion auf die Fahne, allerdings heißt das bei den meisten nur: Wir haben ein paar befestigte Wege und eine Rolli-Toilette.
Das ist beim Rockharz definitiv anders. Es fängt schon beim extra Campingbereich an und hört beim Pflegeteam vor Ort auf. Egal ob bei der Anmeldung, dem Check-In, beim Zeltaufbau oder einfach nur zwischendurch: Es gab immer Ansprechpartner und Helfer bei jedem denkbaren Problem. Auch während des Festivals sind die guten Menschen in Rot über das Gelände gelaufen und haben ihre Hilfe angeboten, wenn sie gesehen haben, dass jemand am Rumwerkeln war. Von diesem Engagement können sich viele Festivals (auch einige größere) mal eine gute Scheibe abschneiden.

Wegweiser beim Rockharz
Aber auch sonst merkt man, dass die meisten Besucher, Helfer und Arbeiter vor Ort Stammgäste sind. Man kennt sich deutlich mehr als man es auf einem so großen Festival eigentlich erwarten würde. Als „Neulinge“ wurden wir auch sehr gut aufgenommen. Uns wurde viel erklärt und gezeigt wo was ist. Leider konnten wir nur einen Bruchteil von alledem erleben. Weder von den Hochzeiten noch vom morgendlichen Lauf haben wir wirklich etwas mitbekommen. Dafür haben wir es dienstags auf die Teufelsmauer geschafft. Wir kommen 2027 gerne wieder – zu sehen gibt es noch genug!
Bericht: Sven Bähr, Sven(at)dark-festivals.de