Hexentanz Festival 2015 – Festivalbericht

Das saarländische Hexentanz Festival feierte in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Die Jubiläumsauflage fand samt der Walpurgisschlacht als Auftaktveranstaltung vom 30. April bis zum 2. Mai statt. Austragungsort war erneut das Eventgelände in Losheim am See, der „neuen“ Heimat des ursprünglich am Bostalsee gelegenen Festivals.

Dieser Festivalbericht blickt auf die drei Veranstaltungstage zurück.

Fotolinks: Tag 1 (Walpurgisschlacht) / Tag 2 und Tag 3 (Hexentanz)

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Hexentanz Festival

Wer schon im Vorjahr das Hexentanz Festival besuchte, der fand sich auch 2015 wieder direkt zurecht. Die Aufteilung des Festivalgeländes wurde im Vergleich zu 2014 nämlich so gut wie unverändert beibehalten.

Vor dem eigentlichen Festivalgelände fand erneut ein Mittelaltermarkt Platz, im Eingangsbereich direkt hinter der Einlasskontrolle gab es diverse Händlerstände. Der Hauptbereich mit der Bühne und seiner zuschauerfreundlichen Hanglage wurde von diversen Gastronomie-Angeboten eingerahmt. Festival-Merchandise konnte man direkt am Eingang erstehen, die Fanartikel der Bands gab es auf einer Ebene abseits der Bühne.

 

Tag 1 – Donnerstag, der 30. April 2015

Der erste Festivaltag fand traditionell unter dem Banner der Walpurgisschlacht statt. Im Vergleich mit den anderen beiden Festivaltagen hat diese eine tendenziell härtere Ausrichtung. Dudelsäcke trifft man auf der Bühne also noch nicht an, dafür aber einen kernigen Metal-Headliner.

Tendenziell härter war an diesem Tag auch das Wetter, doch fangen wir erst einmal von vorne an: Eröffnet wurde das Festival pünktlich um 12:40 Uhr mit Remember Twilight. Die Reihen vor der Bühne waren zu diesem Zeitpunkt noch etwas licht, bei den Anwesenden kam der deutschsprachige Metal mit drei Geigen und einem Cello aber durchaus an.

Nach nur etwa 20 Minuten Spielzeit war es dann an der Zeit für die erste Umbaupause. Die wurde prompt von einsetzendem Starkregen begleitet, der im Laufe des Festivals noch öfter dafür sorgen sollte, dass Regenschirm und -cape zum beliebten Modeaccessoire wurden.

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Remember Twilight machten den Anfang

Genau zum Start von Drone hörte es zunächst aber wieder auf zu regnen. Die vier Musiker machten mit ihrem Death/Thrash Metal dem Motto der Walpurgisschlacht alle Ehre. Ihr Sänger fasste den Tag der Band folgendermaßen zusammen: „Heute fahren wir zwölf Stunden um eine halbe Stunde zu spielen – ich hoffe, ihr dankt es uns!“ Das taten die Festivalbesucher dann auch und applaudierten artig.

In der folgenden Umbaupause regnete es sich nun wieder ein, beim Beginn des Auftritts von Stoneman nieselte es dann nur noch. Die vier Dark-Rocker spielten neue Titel von ihrem aktuellen Album „Goldmarie“, aber auch den beliebten Klassiker „Wer ficken will“. Der Auftritt der Schweizer kam gut an und vor der Bühne füllte es sich zusehends.

„Einen wunderschönen guten Tag, verregnetes Losheim!“, wünschte anschließend der Sänger von Lacrimas Profundere. Mit dieser Prognose sollte er auch Recht behalten, denn während des gesamten Auftritts seiner Band regnete es munter weiter. Der Stimmung tat das aber zumindest bei ihrer Fanbasis keinen Abbruch. Bewaffnet mit Cape, Schirm und Gummistiefeln gingen die Zuhörer gut mit und bedachten die Gothic-Rock-Band mit reichlich Applaus.

Auch bei Hämatom, mittlerweile war es 16:30 Uhr, regnete es noch. Trotz des nasskalten Wetters und einem Meer aus Matsch vor der Bühne, herrschte nun aber einiger Andrang. Beim Vollgas-Rock der Band ließen sich die Fans nicht lange bitten und sangen Lieder wie „Ahoi“ textsicher mit. Ihren Auftritt garnierten Hämatom auch mit diversen Show-Elementen wie einer Kanone, die T-Shirts ins Publikum feuerte.

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Party im Matsch: Fiddler’s Green

Zu Stücken wie „Säulen des Wahnsinns“ erreichte die Stimmung einen vorläufigen Höhepunkt, aber auch Coverversionen wie Deichkinds „Remmidemmi“ kamen gut an. Am Ende ihres schwungvollen, rundum gelungenen Auftritts ernteten Hämatom dann die ersten Zugabe-Rufe des Tages.

Einen imposanten Start hatten Stahlmann bei Beginn ihres Auftritts um 18 Uhr. Die NDH-Band spielten als erstes Stück „Willkommen“ und ihr Sänger Mart nebelte dazu mit einer Gasflasche auf dem Rücken die gesamte Bühne ein. Die Fans der Band feierten bei der Musik ihrer Stahlmänner trotz anhaltendem Regenfall gut mit.

Als Mart dann „habt ihr Spaß trotz Regen?“ fragte, war ihm das hundertfache, unmissverständliche ja als Antwort gewiss. Nach einer Stunde Spielzeit verabschiedeten sich Stahlmann dann von ihren Fans und eine Umbaupause später übernahmen Fiddler’s Green das Ruder.

Die Folk-Rock-Band riss das Publikum von Anfang an voll mit. Es regnete weiter, doch zu Liedern wie „A Bottle A Day“ oder „The More The Merrier“ sprangen und tanzten die Menschen wie wild im Matsch – oder starteten gleich eine Polonaise. Manch einer rutschte aus und fiel hin, aber auch das tat der Stimmung keinen Abbruch. So ein Schlammbad soll ja gar nicht ungesund sein…

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Kraftvoller Abschluss: Arch Enemy

Die überschwänglichen Publikumsreaktionen der Besucher der Walpurgisschlamm Walpurgisschlacht machten den Auftritt von Fiddler’s Green zu einem der Höhepunkte des gesamten Festivals. Um 20:45 Uhr gaben die Folk-Rocker abschließend „Victor and his Demons“ als Zugabe zum Besten und verabschiedeten sich dann.

Als um 21:45 Uhr dann Arch Enemy auf der Bühne standen, hörte es tatsächlich auf zu regnen. Damit hatte wohl niemand mehr gerechnet. Die schwedische Melodic-Death-Metal-Band nahm das Publikum gut mit, legte eine große Spielfreude an den Tag und überzeugte auch mit tadellos gespielten Gitarrensoli.

Auf eine Feuershow, wie man sie im vergangenen Jahr beim Walpurgisschlacht-Headliner Powerwolf erleben konnte, verzichteten Arch Enemy leider. Schade, denn ein bisschen Wärme hätte zum Abschluss dieses nasskalten Tages sicher nicht geschadet. Beim Publikum punkten konnte die Band um Sängerin Alissa dagegen mit einer guten Setliste, die neben neuen Stücken auch beliebte Klassiker wie „My Apocalypse“, „Dead Eyes See No Future“, „We Will Rise“ oder „Nemesis“ umfasste.

 

Tag 2 – Freitag, der 1. Mai 2015

Der zweite Festivaltag begann um 15 Uhr, also zu einer recht zivilen Zeit. Musikalisch eröffnet wurde der Tag von Arcanus Exitus, einer akustischen Mittelalter-Band. Natürlich war es zu diesem Zeitpunkt auf dem Matschplatz noch nicht proppenvoll, bei den Anwesenden kamen Arcanus Exitus aber gut an. „Es fühlt sich an als wärt ihr 500 Leute hier vorne!“, stellte ein Bandmitglied sichtlich zufrieden fest.

Weiter ging es mit Die Kammer und ihrem Folk-Klassik-Crossover mit Akustikgitarren, Cello, Tuba und zwei Geigen. Die Publikumsreaktionen auf diese ungewöhnliche Mixtur waren gut, vor der Bühne füllte es sich langsam und einige Fans machten eine Polonaise inmitten der Menge. Der Himmel war unterdessen bedeckt, Regen blieb aber noch aus.

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Klarinettensolo inklusive: Coppelius

Bei Coppelius wurde es vor der Bühne nun richtig voll. Die Band, die Rock und Metal auf Instrumenten der Kammermusik spielt, begann ihr Konzert mit „Der Luftschiffharpunist“ und wurde von den Fans gleich gebührend empfangen. Der Fanclub in den ersten Reihen deckte die Umstehenden mit Seifenblasen ein und mit Stücken wie „Schöne Augen“ oder „Time-Zeit“ rissen Coppelius das Publikum souverän mit.

Zum Repertoire gehörte auch „Killers“, das im Original von Iron Maiden stammt. Über den gesamten Auftritt hinweg ernteten Coppelius gute Publikumsreaktionen und verabschiedeten sich schließlich um 18:15 Uhr. Ihr Butler Bastille versicherte den Anwesenden zum Schluss wie üblich, dass „Coppelius hilft!“.

Als nächstes war die Mittelalter-Rock-Band Tanzwut an der Reihe. Bei Konzertbeginn begann es wieder zu nieseln, die Hexentanz-Besucher waren da aber schon weit schlimmeres gewohnt. Die Stimmung jedenfalls war bestens, zu Liedern der aktuellen Alben aber auch älteren Stücken wie „Ihr wolltet Spaß“ bewegte sich der ganze Platz.

Auch als es sich einregnete, feierten die Festivalbesucher munter weiter. Gespielt wurden unter anderem noch „Heimatlos“,“Das Gerücht“ und „Brüder im Geiste“. Nach dem „Wächter“ verließen Tanzwut dann begleitet vom Jubel der Menge die Bühne. Auf Zugabe-Rufe konnte mit Verweis auf den Zeitplan nicht mehr eingegangen werden.

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Mono Inc. im Wildwest-Stil

Als vorletzte Band des Tages ging es nach der Umbaupause mit Mono Inc. weiter. Die Band, die passend zu ihrem kommenden Album „Terlingua“ mit Cowboyhüten ausgestattet war, wurde von ihren Fans sehnlich erwartet und auch entsprechend empfangen. Das dankten die Gothic-Rocker ihren Anhängern mit einer guten Show, die ab dem dritten Lied „Arabia“ auch immer wieder mit Pyro-Effekten garniert wurde.

Neben einigen Vorgeschmäckern auf das neue Album spielten Mono Inc. auch beliebte Hits wie „After The War“ oder „Voices Of Doom“, die die Fanbasis mühelos mitsingen konnte. Bei ihrem Abgang um 21:45 Uhr hinterließen Mono Inc. ein begeistertes Publikum. Auf weitere Zugaben mussten die Fans zwar verzichten, doch schon 30 Minuten später stand der Tages-Headliner auf der Bühne.

Dabei handelte es sich um die bekannte Mittelalter-Rock-Band Schandmaul. Die hatte ihre Fans sofort voll in ihren Bann gezogen, spielte sie doch gleich zu Anfang eine ganze Reihe von Hits. Bereits das zweite Stück war „Herren der Winde“, eines der beliebtesten Schandmaul-Lieder überhaupt. Darauf folgten sofort der „Drachentöter“, das „Teufelsweib“ und die „Letzte Tröte“.

Im Publikum gab es dabei kein Halten mehr und der ganze Platz verwandelte sich zum Abschluss des zweiten Festivaltags in eine einzige Hüpfburg.

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Veteranen des Mittelalter-Rock: Schandmaul

 

Tag 3 – Samstag, der 2. Mai 2015

Vom Wetter her war der dritte Festivaltag klar der freundlichste. Zwar war es noch bewölkt, Regen war aber keiner in Sicht. Das Musikprogramm startete vergleichsweise früh um 13 Uhr mit Feuerseele. Zu Beginn ihres Konzert waren noch nicht so viele Fans vor der Bühne, im Laufe des Auftritts wurden die Zuschauer aber mehr. Nach Ende der 35-minütigen Spielzeit der Mittelalter-Rock-Band riefen die Anwesenden sogar nach einer Zugabe – das passiert bei weitem nicht bei jeder Eröffnungs-Band!

Weiter ging es mit den Gothic-Rockern von Unzucht, bei denen deutlich mehr Fans vor der Bühne standen. Die Gruppe wählte eine relativ gediegene Setliste mit einem hohen Anteil an Rock-Balladen. Ihre Zuhörer waren gut mit dabei, der Kern an harten Unzucht-Fans konnte sogar beinahe jedes Lied mitsingen.

Auch die Gruppe Staubkind, vor etwa gleich viel Publikum wie Unzucht, nahm die Menge gut mit. Viele Ansagen an die Fans animierten diese zum Klatschen und Mitmachen. Einige Zuschauer verfolgten das Konzert auch von weiter hinten und saßen im Grashang – dank des jetzt freundlichen Wetters ohne weiteres möglich. Um 16:10 Uhr, nach genau einer Stunde Spielzeit, verabschiedeten sich Staubkind von den Festivalbesucher.

20 Minuten später standen dann Lord Of The Lost auf dem Programm. Die weiß geschminkte Band legte einen energiegeladenen Auftritt hin und zeigte vollen Einsatz. Sänger Chris Harms warf (!) dem Bühnenhelfer seine Gitarre zu wenn er sie nicht mehr benötigte – nicht zum Nachahmen empfohlen!

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Energiegeladen: Lord Of The Lost

Die Lords lieferten ihren Fans eine abwechslungsreiche Show mit mal rockigeren und mal elektronischeren Liedern. Das Publikum klatscht durchgehend fleißig mit und beim letzten Lied fand sogar ein Crowdsurfer den Weg über die Menge. Das Wetter blieb unterdessen trocken.

Beste Voraussetzungen also für die Spaßmacher von Feuerschwanz. Die Comedy-Mittelalter-Rocker animierten ihr Publikum nach allen Regeln der Kunst. Ihre zwei „Miezen“ (als Katzen verkleidete Tänzerinnen) gehörten dabei ebenso zur Show wie diverse Requisiten. Bei „Herz im Sturm“ wurde auch eine junge Frau aus dem Publikum auf die Bühne geladen und in die Show mit einbezogen.

Feuerschwanz garantierten ihren Fans eine gute Stunde lang freucht-fröhliche Unterhaltung wie aus dem Bilderbuch. Die Zuhörer machten dabei nicht nur gut mit, sondern stellten auch unter Beweis, dass Crowdsurfen nicht nur bei härteren Rock- oder Metal-Bands möglich ist. Um 19 Uhr verabschiedeten sich Feuerschwanz schließlich unter dem tosenden Applaus der Menge.

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Mit Met und Miezen: Feuerschwanz

Diary of Dreams spielten im Anschluss vor weniger Publikum als Feuerschwanz, repräsentieren aber auch ein völlig anderes Genre. So nutzten Feuerschwanz-Fans den düsteren Electro-Rock von Diary of Dreams eher zum Ausruhen, während die Fans der Band sich aber vollends in den Bann der Gruppe ziehen ließen.

Dass die Gruppe um Adrian Hates krankheitsbedingt nur mit drei Personen auftreten konnte, stand dem Gelingen ihres Auftritts zu keinem Zeitpunkt im Wege.

Zum Abschluss des dritten Festivaltags war nun noch eine Band namens ASP zu sehen. Eben diese Band verhängte für ihren Auftritt leider ein Foto-Verbot, woraufhin ich selbst wie auch der Großteil der übrigen Fotografen schon vor dem ASP-Konzert das Weite suchte.

 

Zusammengefasst sorgte das Hexentanz Festival wieder für drei mehr als denkwürdige Tage in Losheim am See. Das Wetter spielte nicht immer mit, doch gerade an die gute Stimmung bei Nässe und Matsch wird man sich gerne erinnern. Die Fans trotzdem den Witterungsverhältnissen und machten das Festival erneut zu einem unvergesslichen Erlebnis. Musikalisch überzeugte die Veranstaltung dabei einmal mehr mit einer gelungenen Mischung an Bands, die von Metal über Gothic Rock bis hin zur akustischen Mittelaltermusik sämtliche Genres abdeckten.

Wenn all das so weitergeht, wird die Veranstaltung auch in den kommenden Jahren wieder zum Erfolg. So bleibt nach der zehnten Festivalauflage nur noch zu sagen: Hexentanz Festival, herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

 

Bericht: Stefan Frühauf, Stefan(at)dark-festivals.de

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