Mera Luna Festival 2018 – Festivalbericht

Es ist ein Sommer der Superlative wie wir ihn selten hatten. Großartiges Wetter soweit das Auge reicht. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als vielen Besuchern des M’era Luna Festivals nachts im Zelt die Kälte in die Knochen kroch, brutzelte dieses Jahr durchgehend die Sonne. Die sonst so angenehm bleiche Haut vieler Gäste bekam dieses Mal einen roten Touch.

Das hielt die meisten Fans jedoch nicht ab, ausgelassen auf dem Flugplatz Drispenstedt in Hildesheim bis in die frühen Morgenstunden zu feiern. Am 11. und 12. August präsentierte sich das M’era Luna Festival auch in der 19. Auflage als schwarzes Märchenland.

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M’era Luna 2018

Freitag – Anreise

Die Anreise begann für viele am Freitagmorgen und organisatorisch gab es da auch schon eine kleine Veränderung seitens des Veranstalters. So wurde das Zelt der Bändchenausgabe dieses Mal getrennt vom Eingang auf der Fläche vor dem Campground aufgebaut. Vermutlich sollte so die Bändchenausgabe beschleunigt werden, da nun im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich weniger Gepäck durch dieses Zelt geschleppt werden musste.

Um kurz nach elf Uhr öffnete die Ausgabe und schon ging es los mit dem Run auf den besten Zeltplatz. Insgesamt lief alles wieder relativ entspannt ab und schnell rollten die ersten Bollerwagen los. Das war auch dem guten Wetter geschuldet. Der Aufbau gestaltete sich deutlich einfacher, wenn man einen Hammer für seine Zeltheringe dabei hatte. Auf dem sehr trockenen Boden war das auch bitter nötig, denn der war durch den mangelnden Regen steinhart.

Während die Nachzügler noch aufbauten, klang bereits vielerorts Musik aus den Camps. Besucher starteten die ersten Rundgänge gestartet, bevor sie sich abends in Schale schmissen, um im Hangar zu den DJs abzufeiern oder die Lesungen von unter anderem Christian von Aster zu besuchen.

 

Tag 1 – Samstag, der 11. August

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Erdling

Am Samstagmorgen startete  das Festival traditionell mit den Gewinnern des Newcomer-Wettbewerbs. Dieses Jahr waren es Cyborg aus Hamburg, die das Voting mit einer Kombination aus Sci-Fi und Metal für sich entschieden hatten. Nachdem es am frühen Morgen geregnet hatte, durften sie bei nur noch leicht bewölktem Himmel loslegen. Cyborg brachten die vielen Frühaufsteher des Festivals schnell in Feierlaune.

Während sich zum Mittag hin das Infield zusehends füllte, legten die Dark Rocker von Erdling auf der Main Stage los. Bereits ab dem ersten Song „Mein Element“ zogen sie die Fans in ihren Bann. Lautstark wurden die bekannten Texte mitgesungen und keinen störte der noch etwas stärker wehende Wind, der zudem für etwas Abkühlung sorgte. Kurze Zeit später erklangen die elektronischen Sounds von Eisfabrik, die im Hangar die Besucher in Schwung brachten. Ihr Auftritt wurde unterstützt von großen Schaumschneekanonen. Eisfabrik waren damit auch optisch ein Hingucker.

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Eisfabrik

Im Hangar gab es für die tanzwütigen Besucher keine Pause, denn Rabia Sorda legten direkt mit ihrem Electro-Industrial nach. Wer Platz hatte, den hielt es bei der Energie dieser Band nicht lange still. Frontmann Erk Aicrag kennt man vor allem von seiner Hauptband Hocico, die am Sonntagabend spielte. Genau wie bei Hocico macht er auch bei seinem Nebenprojekt Rabia Sorda keine halben Sachen und lieferte auf dem M’era Luna Festival eine treibend-tanzbare Show ab.

Ob Gothic Rock von Zeraphine oder Mittelalter Rock von Tanzwut, bei diesen Bands war Mitsingen angesagt und so erhoben sich die Stimmen von mittlerweile mehreren tausend Besuchern vor der Hauptbühne. Mehr Songs für die dunklen Seele gab es dann bei Lord of the Lost, die mit ihren Bühnenoutfits den passenden Stil mitbrachten. Neben altbekannten Stücken stellten sie bei ihrem Auftritt auch Songs des neuen Albums „Thornstar“ vor.

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Lord of the Lost

Wieder elektronischer ging es dann bei Welle:Erdball im Hangar zu. Die Band setzte optisch manches Highlight und stattete die beiden Sängerinnen schon beim ersten Lied mit riesigen Engelsflügeln aus. Anschließend folgte die Hommage an den beliebten Commodore 64 und die Besucher im prall gefüllten Hangar zeigten deutlich ihre Schwäche für den typisch minimalistischen Sound der Band.

Auf der Main Stage wurde es dann interessant, denn die Industrial-Metal-Band Ministry zog die Blicke mit diversen Aufbauten auf sich. Neben den brachialen Sounds der Chicagoer gab es riesige Trump-Gockel und entsprechendes Material auf den Videowänden, unter anderem Ausschnitte aus Reden berühmter Politiker. Ihre Botschaft zu überbringen wusste die Band jedenfalls.

Danach wurde es heiß auf der Stage, denn die Mittelalter-Rocker von In Extremo hatten ein massives Arsenal an Pyrotechnik mitgebracht und heizten den Besuchern mächtig ein. Dies wurde von den Fans honoriert und so sangen sie Songs wie „Vollmond“ oder „Feuertaufe“ begeistert mit.

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In Extremo

Das letzte Konzert des Samstags gehörte dem Headliner – The Prodigy. Eine Band, bei der man im ersten Moment oftmals nach Liedtiteln sucht, aber spätestens beim Konzert denkt: Ach, das ist auch von denen! Und das zeigte sich auch bei den Festivalgästen, die im vollen Infield die Band bejubelten und abtanzten was die Beine hergaben. Ein echter Hingucker war auch ihre wahnsinnige Lichtshow, die, wenn auch wenig fotografenfreundlich, den treibenden und energiegeladenen Charakter der Band gut widerspiegelte.

 

Tag 2 – Sonntag, der 12. August

Der Sonntag begann mit schönstem Sonnenschein und unter anderem auch den untoten Mittelalter-Elektro-Templern von Heimataerde. Die ließen es sich nicht nehmen, erstmal Kunstblut quer über die Bühne und den Fotograben zu verteilen, frei nach dem Motto: Hick Hack Hackebeil! Danach wurde es klassischer, Die Kammer betrat die Bühne und zeigt mit ihrer akustischen Darbietung, dass man auf einem schwarzen Festival nicht immer E-Gitarren und Keyboards braucht.

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Heimataerde

Bei Lacrimas Profundere gab es dann wieder soliden Dark-Rock auf die Ohren. Spannend wurde es als kurz nach der Hälfte des Auftritts der neue Sänger der Band, Julian Larre, das Ruder übernahm und Rob Vitacca verabschiedete.

Die Fans von Frozen Plasma mussten sich dagegen in Geduld üben um ihre Band zu sehen. Der Grund war, dass bereits kurz nach dem Intro der Hangar zum Bersten voll war und die Security den weiteren Einlass stoppte. Wer draußen stand, konnte das Konzert auf den großen Monitoren verfolgen. Dass sich das Warten lohnte bewies das deutsche Elektro-Duo sehr schnell und legte mächtig auf. Frontmann Felix Lang stand keine Sekunde still auf der Bühne und wurde von jubelnden Fans belohnt.

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Frozen Plasma

Im Laufe des Nachmittags machte sich dann auch der trockene Boden immer mehr bemerkbar und es wurde mächtig Staub aufgewirbelt. Die Standbesitzer hielten es pragmatisch und bliesen ihre Ware einfach sauber. Währenddessen hatte Peter Heppner seine Banner ausgerollt und gab unter anderem Songs aus seiner Zeit mit Wolfsheim zum Besten. Wie gut ihm das gelang, darüber waren sich die Besucher ebenso uneinig wie beim Auftritt von L’Ame Immortelle kurz zuvor. Begeistern konnte sie hingegen das Duett mit Joachim Witt, der sich für den Song „Die Flut“ zu Heppner auf die Main Stage gesellte.

Das Mittelalter eroberte anschließend die Bühne zurück und lauter Jubel des Publikums begrüßte den Auftritt von Saltatio Mortis. Die legten gewaltig los und man bekam den Eindruck, dass Frontmann Alea durch die Reaktionen der Fans noch mehr Energie in den Füßen hatte als sonst. Aus dem Grinsen schien jedenfalls kein Bandmitglied heraus zu kommen. Saltatio Mortis packten gleich die Songs ihres neuen Albums aus und Alea ließ sich als Crowdsurfer über die Menge tragen.

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Saltatio Mortis

Nahezu parallel dazu hatten Atari Teenage Riot im Hangar ihr DJ-Pult aufgestellt. Mit wechselnden Sängern ging es auch schnell zur Sache. Das Ganze nannte sich dann Digital Hardcore. Die Musik wirkte brachial und zugleich abwechslungsreich, was nicht zuletzt am Gesang von Deutsch-Japanerin Nic Endo lag. Mit stampfenden Beats, anarchistischen Botschaften und einem Schuss Cyberpunk ging es im Hangar ordentlich zur Sache, insgesamt spürte man jedoch schon das Luftholen für das Finale des Abends.

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Atari Teenage Riot

Wortwörtlich wurde die Band durch den Fall des riesigen Bühnenbanners enthüllt und ab der ersten Sekunde ging es auf Main Stage rund – Eisbrecher legten los und das Publikum tanzte. Fulminant ging es voran auf „Sturmfahrt“ und die Band machte richtig Stimmung. Zu ihrer Show gehörten auch Trommeleinlagen und massive Bühnenaufbauten.

Erfreut von den Publikumsreaktionen suchte Frontmann Alexx Wesselsky immer wieder den Kontakt zu den Fans und kletterte mehrmals von der Bühne. Bei „Was ist hier los“ erinnerte er daran, dass man doch öfter mal den Gedanken ans Geld über Bord werfen sollte und schlug damit wieder etwas ernstere Themen an.

Danach wurde es wieder etwas leichtfüßiger und spätestens bei „Miststück“ stand der Spaß wieder im Vordergrund. Aufgrund eines Haufens Pikachus im Publikum stimmte Alexx sogar kurzerhand den Pokerap an. Schließlich verabschiedeten sich Eisbrecher mit den Worten „Rettet die Eisbären, immer schön dagegen halten!“ von ihren Fans und warfen noch ein paar Plüscheisbären in die Menge.

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Eisbrecher

 

Was fiel an all den Auftritten noch so auf? Viele Bands zeigten sich dieses Jahr auf dem M’era Luna Festival auffällig politisch. Neben kritischen Texten gab es sehr deutliche visuelle Signale, welche die Botschaften zu den Anhängern der sonst sehr wenig politisch geprägten Szene transportieren sollten. Saltatio Mortis spielten ihren Song „Wachstum über Alles“ und einiges aus dem neuen Album “Brot und Spiele”, das ebenfalls sehr gesellschaftskritisch daherkommt.

Ähnliche Töne schlug auch Eisbrecher-Frontmann Alexx Wesselsky bei den ersten Stücken der Band an. So setze er sich für „Das Gesetz“ einen Cowboyhut auf und widmete das Stück all den wahnsinnigen Cowboys, die die Welt ruinieren wollen. Noch eindeutiger ging es dann wie erwähnt bei Ministry zu. Ihr Bühnenbild zierten zwei aufblasbare Riesengockel mit Trump-Tolle, die auf ihrem Bauch großen Nazi-Verbotssymbole trugen. Bei Ministrys Auftritt auf Wacken 2016 war so etwas noch nicht einmal im Ansatz zu sehen.

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M’era Luna 2018

Das Rahmenprogramm des Festivals kam auch dieses Jahr bei den Besuchern sehr gut an. Vor allem die Eröffnung des Mittelaltermarktes am Freitagnachmittag wurde freudig begrüßt. Auch die kleine Bühne auf dem Markt und die davor stattfindenden Feuerschows lockten am Abend zahlreiche Besucher an. Beliebt waren auch die Shoppingmöglichkeiten, sei es bei den Ständen im Infield oder den Händler im Fashion Town.

Daneben gab es auch in diesem Jahr Vorträge und Kurse an der M’era Luna Akademie und die extravagante Modenschau am Samstagnachmittag. Extravagant war auch das Publikum und so konnte man sich an den vielfältigen Outfits der Besucher kaum sattsehen. Von viktorianischem Prunk über farbenfrohe Cybers und fellbehängte Mittelalter-Fans bis hin zu heißen Lack- und Lederkombinationen war für jeden etwas dabei.

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Festivalbesucher

Insgesamt war das M’era Luna Festival jedoch auch dieses Jahr wieder vor allem ein riesiges Familientreffen der Schwarzen Szene. Deren Anhänger feierten wieder einmal friedlich und gediegen zusammen. Man traf alte Freunde und bekam neue dazu, konnte bei zahlreichen Ständen shoppen, gut essen und vor allem der sehr vielfältigen Musikauswahl lauschen.

All das macht das M’era Luna trotz seiner Größe zu einem erstaunlich gemütlichen und harmonischen Festival. Des weiteren wurden die sanitären Anlagen gelobt, die vor allem mit dem großen Anteil an Spültoiletten und Duschen zeitgemäß und manch anderem Festival überlegen sind. Kritik hingegen wurde bei der Anzahl der Trinkwasserbrunnen laut. Von denen gab es aus Sicht vieler Festivalbesucher im Angesicht eines so heißen Sommers einfach zu wenige.

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Publikum beim M’era Luna

Was bleibt noch zu sagen? Im Grunde nur eines: Das 19. M’era Luna war wieder einmal ein großartiges Festival, opulent und düster fürs Auge und natürlich auch mit genialer Musik. Wir jedenfalls freuen uns auf ein Wiedersehen beim großen Jubiläum im nächsten Jahr mit unter anderem ASP, Within Temptation und VNV Nation!

 

Bericht: Natalie Laube, Natalie(at)dark-festivals.de

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